BEWEGUNG

Auf die Boards, fertig, los!

Nutzen Sie den heurigen Sommer, um etwas Neues auszuprobieren. Wie wär’s mit Stand-up-Paddling?

Vielleicht haben Sie es schon einmal beobachtet: Ein Brett, das geschmeidig durchs Wasser gleitet, und eine Person, die darauf steht und sich mit einem Paddel fortbewegt. Ein Bild, das trotz der sportlichen Aktivität Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt und an Surfer aus Australien oder Hawaii erinnert. Doch was steckt hinter der neuen Trendsportart Stand-up-Paddling? Wir wollen es wissen und starten den Selbstversuch.

Dienstag, 09:30 Uhr am Ratzersdorfer See in St. Pölten: Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln schon auf der Nase, doch das Gewässer ist noch menschenleer. Ideal für eine erste Einschu- lung auf Board und Paddel. In ihrem „Seestudio“ bietet Trainerin Milena Reisner neben zahlrei- chen anderen Fitnesskursen auch Indoor-Surfen

und Stand-up-Paddling an. Kein Wunder, denn der Wassersport schlägt zurzeit alle Beliebt- heitsrekorde. „Das Tolle daran: Stand-up-Paddling kennt kein Alter und ist ein wunderbarer Sport für die ganze Familie“, sagt Reisner. Kinder können bereits ab einem Alter von sechs Jahren ihr eigenes Board steuern. Senioren profitieren dabei von Bewegungen, die keinen ho- hen Grad an Sportlichkeit voraussetzen und die „Schwachstellen“ des Körpers wie Überge- wicht oder fehlende Körperspannung spielerisch aktivieren und trainieren. Wie viel Energie man während des Stehpaddelns ausübt, ist ganz der Fahrerin oder dem Fahrer überlassen. Le- diglich ein sicherer Stand,aausreichende Ausdauer und gute Schwimmkenntnisse sind dafür notwendig. Obwohl Stand-up-Paddling in unseren Breiten noch relativ selten ausprobiert wur- de, handelt es sich dabei um eine der ältesten Arten, sich auf dem Wasser fortzubewegen. In Asien sind schmale Ein-Mann-Flöße noch heute gebräuchlich. Auf Hawaii nutzen Surfer das Board, um auch an Tagen ohne Wellengang trainieren zu können. Dass sich die Sportart auch

für Badetage an österreichischen Seen so gut eignet, liegt vor allem an der praktischen Ausrüstung, erklärt Reisner: „Neben tradi- tionellen Boards aus Glasfasern sind heute besonders die aufblasbaren Boards beliebt, denn diese lassen sich in wenigen Minuten aufpumpen und können überallhin mitgenommen werden. Wichtig: Einsteiger sollten ein relativ großes und breites Board nutzen. Damit ist es leichter, die Balance zu halten. Außerdem sollte das Brett schmal zulaufen, damit man es besser dirigieren kann.“


Die richtige Technik

Ausgestattet mit unseren Boards starten wir auf der Wiese mit den ersten Aufwärmübungen, um das Sportgerät kennen zu lernen und uns an die Paddelbewegung zu gewöhnen. Außerdem zeigt Milena Reisner, wie wir das Paddel auf unsere Körpergröße ein- stellen: „Ihr stellt das Paddel vor euren Füßen auf und umfasst den Paddelschaft von oben mit möglichst gestrecktem Arm. Der Handballen sollte dabei ohne größere Anstrengung auf dem Griff aufliegen.“ Besonders wichtig ist es, sich mit der eingestellten Länge wohl zu fühlen. Während ein zu langes Paddel viel Kraft aus Arm und Schulter erfordert, zwingt ein zu kurzes Paddel die Fahrerin oder den Fahrer zu tiefen Bewegungen mit dem Oberkörper – wodurch es zu Problemen in der Lende und im Rücken kom- men kann. Sobald das Paddel eingestellt ist, kann es auch schon losgehen: Wir wählen einen seichten Einstieg und legen das Board mit dem Heck voran ins Wasser. „Dabei sollte man immer darauf achten, dass die Finne nicht auf dem Boden streift“, warnt Reisner. Mit den Händen stützen wir uns parallel auf dem Board auf und setzen die Knie genau über dem Tragegriff, Richtung Bug, ab. Im aufrechten Kniestand üben wir die ersten Paddelschläge. Anfangs ist die Bewegung ganz schön ungewohnt und wir wundern uns, dass fast jeder Paddelschlag zu einer deutlichen Drehung führt. Doch bald haben wir den Dreh raus und wechseln alle paar Schläge die Seite. So bekommen wir die Kontrolle über das Paddel und können es auch genau dahin lenken, wo wir hinwollen. Nun sind wir bereit, aufzustehen: Dazu legen wir das Paddel quer auf dem Board ab, stellen zunächst einen und dann beide Füße auf und begeben uns anschließend mit einer Kniebeuge in den Stand. Ein ganz schöner Balanceakt – der zweimal für einen nicht ganz frei- willigen Plumps ins Wasser sorgt. Doch nach ein paar Anläufen fühlen wir uns immer sicherer und auch die Technik gelingt viel bess- er. Es macht nicht nur großen Spaß, sondern ist auch richtig entschleunigend. Fazit: In weniger als einer Stunde lernen wir einen neuen Sport, der uns wohl den ganzen Sommer begleiten wird. Denn: Wir sind auf den Geschmack gekommen. Jetzt geht’s erst richtig los.


Michaela neubauer

FotoS: Philipp Monihart

Aufwärmen im Trockenen

Aufgewärmt wird an Land: Kreisen Sie Sprung-, Hand- und Schultergelenke. Vorübungen für das Gleichgewicht helfen da- bei, die Balance auf dem Board besser halten zu können. Da- für können Sie zum Beispiel auf einem Bein stehen und mit dem Paddel einen Achter vor dem Körper schreiben.

Ruderbewegung

Wer richtig paddelt, kommt gut voran – auch beim entspannten Fahren. Das Geheimnis: Stecken Sie das Paddelblatt weit vor- ne ins Wasser (diese Phase nennt man „Reach“) und tauchen Sie es vollständig ein („Catch“). Erst dann den Paddelzug nach hinten einleiten. Dabei das Blatt nicht zu weit nach hinten ziehen. Den Paddelschaft immer möglichst senkrecht ins Was- ser tauchen. Dabei ist die Knaufhand (obere Druckhand) direkt über der Schafthand. Der Oberkörper, die Arme und das obere Drittel des Paddelschafts bilden beim Eintauchen das soge- nannte Kräftedreieck. Paddeln mit Wind und Wellen erfordert eine angepasste Fußstellung, damit auch lange Boards richtig surfen können. Dazu steht ein Fuß versetzt weit hinten.

Knien am Board

Es kann losgehen! Die sicherste Position zum Aufstehen: Knien Sie sich auf das Brett und stützen Sie sich vorne mit den Hän- den ab. Dann richten Sie sich auf. Der Blick ist dabei nach vor- ne gerichtet, langsam setzen Sie einen Fuß nach dem anderen auf und stehen dann auf. Tipp: Das Aufstehen auf dem Wasser ist am einfachsten, wenn das Brett in Bewegung ist und lang- sam nach vorne gleitet.


Bauchmuskelübung & Yoga

Wer sehr sicher ist, kann leichte Gymnastikübungen oder auch Yoga- und Pilates-Übungen auf dem Board ausprobieren. Das ist zwar schwierig, intensiviert das Training aber deutlich.


erschienen in GESUND & LEBEN 07+08/2020