IM GESPRÄCH

Foto: Wolfgang Schmidt

„Ich bin nicht allein“

Schauspielerin Adele Neuhauser spricht im Interview mit GESUND & LEBEN über bewussten Verzicht, die Liebe zu ihrer Ar- beit und den Druck von außen.

Am 26. Februar hat die Fastenzeit begonnen. Gibt es etwas, worauf Sie bewusst verzichten können?

Ja, da gibt es einiges. Zuallererst kann ich auf das Rauchen gut und gerne verzichten. Seit Oktober letzten Jahres bin ich stolze Nichtraucherin. Außerdem habe ich meinen Fleischkonsum drastisch zurückgeschraubt. Zum Schutz der Tiere, die eine würdige und artgerechte Haltung verdienen, und natürlich auch zum Schutz unserer Umwelt.


Sie sind Schauspielerin, haben 2017 Ihre Autobiografie „Ich war mein größter Feind“ verfasst, halten Lesungen und unter- stützen verschiedene Projekte. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Beruf und Freizeit?

Um ehrlich zu sein, gönne ich mir viel zu wenig Freizeit. Das möchte und muss ich dringend ändern. Ich arbeite so gerne. Es sind ja viele aufregende und immer wieder neue Herausforderungen für mich, aus denen ich dann wieder Kraft schöpfe. Aber ich brauche auch meine Auszeit.


In Ihrem Buch gehen Sie offen mit Ihrer Kindheit und Jugend um, die auch von Depressionen und Suizidversuchen geprägt war. Was hat Ihnen aus dieser schwierigen Zeit geholfen?

Die Liebe meiner Eltern und meine Sehnsucht nach der Schauspielerei. In andere Charaktere zu schlüpfen und die Menschen um mich zum Lachen zu bringen war für mich das Schönste. Ihr Lachen gab mir das Gefühl von Liebe.


Wann sagt Ihr Körper „Stopp“? Wie merken Sie, dass Sie genug haben?

Leider viel zu spät. Ich halte auch viel aus, das ist nicht unbedingt ein Vorteil. Ich will mich aber nicht mehr durch die Tage peitschen. Sondern versuchen, hellhöriger zu werden und mehr auf meinen Körper zu achten.


Wie tun Sie sich selbst etwas Gutes?

Wenn ich mich in der Natur bewege, scheint alles gut zu sein. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf, bis sie sich beruhigen und ich mich nur noch auf meine Umgebung konzentriere. Das ist das Beste für mich.


Sie sprechen sich öffentlich als Unterstützerin des Klimavolksbegehrens aus. Welche Schritte setzen Sie selbst, um Klima und Umwelt zu schützen?

Ich versuche so wenig Plastik wie nur möglich zu kaufen und zu ver(sch)wenden. Ich benutze in der Stadt nur noch öffentliche Ver- kehrsmittel, fahre mit dem Rad oder gehe zu Fuß. Ich achte auch darauf, weniger Strom zu verbrauchen und Kurzstreckenflüge so gut es geht zu vermeiden. In meiner Ernährung möchte ich mehr auf regionale Produkte achten und wie bereits erwähnt einfach viel weniger Fleisch essen.


Wie gehen Sie mit dem Druck von außen um?

Indem ich versuche, bei mir zu bleiben. Ich kann sowieso nur das leisten, was ich kann. Wenn ich mit Leidenschaft und Freude in meine Arbeit gehe, dann empfinde ich den Druck nicht mehr als solchen, sondern bin positiv motiviert. Und das Schönste an meiner Arbeit ist, ich bin nicht allein. Wie oft fühle ich mich durch meine wunderbaren Kollegen gestützt und getragen.


Wann sind Sie mit sich selbst zufrieden?

Ganz selten – aber wenn genügend Zeit vergangen ist und ich mit einem gewissen Abstand meine Arbeit betrachte, dann kommt es schon vor, dass ich zufrieden bin. Ich werde langsam gnädiger mit mir ...


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2020