SERIE PFLANZEN

Machtvolle

Herbstmedizin

Foto: istockphoto/ srdjan111

Die Rosskastanie zählt in unseren Breiten zu den wichtigsten Medizinbäumen.

Haben Sie als Kind auch so gern Kastanien gesammelt oder tun Sie es heute noch? Wussten Sie, dass es laut einem alten Aberglauben genügen soll, immer drei Kastanien bei sich in der Tasche zu tragen, um vor rheumatischen Krankheiten und Gicht geschützt zu sein?

Tatsächlich zählt die Rosskastanie neben Weiden, Fichten, Birken und Wacholder in unseren Breiten zu den wichtigsten Medizinbäumen. Ihre weißen Samen enthalten ein Gemisch aus hochwirksamen Saponinen (Seifenstoffen), deren Wirkung erst in letzter Zeit etwa bei Erkran- kungen der Beinvenen entdeckt und wissenschaftlich nachgewiesen wurde.


Potent bei vielen Leiden

Außerdem sind Kastanien nach einem bekannten Lehrbuch der biologischen Heilmittel das „bevorzugte Mittel der alten Ärzte für die hämorrhoidale Konstitution“, und sie werden auch heute noch gern innerlich und äußerlich gegen Hämorrhoiden angewandt. Weitere Heilan- wendungen der Rosskastanie betreffen die Gicht, Rheumatismus, chronische Bronchitis und Krampfadern. Die Wirkung wurde bereits im 19. Jahrhundert auf die saponinartigen Inhalts- stoffe zurückgeführt. Auch ein blutverdünnender Effekt wird manchmal beschrieben. Und die alten Griechen wollen gewusst haben, dass das Einreiben des Penis mit einer Weinbrandes- senz aus Kastanienblüten die Manneskraft stärkt.


Balkanimport

Ursprünglich stammt die Rosskastanie vom östlichen Balkan. Sie wurde laut dem Botaniker Carolus Clusius 1561 via Konstantinopel nach Prag und 1576 nach Wien gebracht. Dort wur- de sie mit Erfolg ausgesät und als Zier- und Alleebaum nachgezogen.

Was den Namen der Rosskastanie betrifft, so gibt es mehrere Erklärungen. Die einen mei- nen, das Pferd sei gemeint, und zwar deshalb, weil die Osmanen bei der Belagerung Wiens ihre Pferde mit Kastanien fütterten. Und wenn das Blatt vom Ast fällt, bleibt eine hufeisenför- mige Blattnarbe zurück. Andere wieder sind der Ansicht, dass der Name „Ross“ auf das alte Wort „ross“ für „falsch“ zurückgeht. Auch das ist schlüssig, denn schließlich ist die Rosskas- tanie nicht mit der Esskastanie verwandt, und Verwechslungen können unangenehme Fol- gen haben, denn die Rosskastanie ist für den Menschen leicht giftig.

Wie auch immer: Tauchen Sie doch einmal zurück in Ihre Kindheit und machen Sie sich auf die Suche nach den heilsamen Seifenbaumfrüchten. Sie werden staunen, was man damit al- les machen kann.


Gabriele Vasak

Kastanientinktur


Zum Ansetzen der Tink- tur alles verwenden, also Früchte, Rinde junger Äste, Knospen. Die ge- schälten und klein ge- schnittenen Kastanien, Knospen und Rinde mit 70-prozentigem Alkohol übergießen und für zwei Wochen bei Zimmertem- peratur stehen lassen; gelegentlich umrühren. Anschließend durch ei- nen feinen Filter absei- hen und in einer dunklen Flasche aufbewahren. Kastanientinktur hilft bei rheumatischen Be- schwerden, Ödemen und Sportverletzungen.

Anwendung: Einen Teil Tinktur mit fünf Teilen Wasser mischen und ge- schwollene oder

schmerzende Stellen mehrmals täglich damit betupfen, einreiben oder einsprühen. Auch als Umschlag verwendbar.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019