interview

„Es braucht vor allem Gelassenheit“

Kamasutra, Sadomaso & Co. – Braucht es das wirklich in einer funktionierenden Partnerschaft? Der ehemalige Sportjournalist und Bestseller-Autor Robert Sommer nimmt in seinem neuen Buch „Der SexOH!loge“ zahlreiche Bereiche der Sexindustrie aufs Korn.


Herr Sommer, wie kam Ihnen die Idee zum Buch „Der SexOH!loge“?

Die Idee geisterte schon lange in meinem Hirn herum – schließlich hat sich noch kein Autor ge- traut, ein ganzes satirisches Buch nur über das Thema Sex zu schreiben. Es ist eine literarische Gratwanderung: Auf der einen Seite sollte man überaus pointiert und provokant formulieren, auf der anderen Seite darf das aber keinesfalls ordinär und geschmacklos wirken. Bei „SexOH!loge“ ist mir, glaube ich, ein guter Weg zum Gipfel gelungen. Außerdem bin ich in mei- ner Jugend von Doktor Sommer inspiriert worden, der in der deutschen Teenie-Zeitung „Bravo“ Generationen von Buben und Mädchen aufgeklärt hat. Manche Fragen hatten da schon satiri- schen Charakter, etwa: Kann man vom Küssen schwanger werden?


„Guter Sex ist kein Zufall“ heißt es an einer Stelle Ihres Buches. Was braucht es wirklich für eine erfüllte Sexualität in der Partnerschaft?

Vor allem Gelassenheit! Dazu soll mein Buch einen Beitrag leisten. Wir brauchen weniger Tantra oder Kamasutra, sondern einfach das Wissen: Wenn beide es wollen, ist alles erlaubt. Und wenn‘s einmal nicht geht: Einfach nur schmunzeln.


Lassen sich Monogamie und eine ausgelebte Sexualität überhaupt vereinbaren?

Monogamie und Sexualität lassen sich genauso vereinbaren wie alles in diesem Bereich – man muss nur dazu stehen. Was die See- le auffrisst, sind Lügen – wenn man sich selbst nicht treu bleibt und anderen gegenüber permanent die Unwahrheit sagt. Alles ande- re tut gut, wenn man der Überzeugung ist, auf dem richtigen Lebensweg zu sein: Das reicht von Monogamie bis zum Sex mit meh- reren Männern oder Frauen. Wichtig ist dabei immer, dass keiner der Beteiligten ausgenützt wird. Niemand sollte sich in ein Korsett pressen lassen!


Welchen Stellenwert nimmt Sex in unserer heutigen Gesellschaft ein?

Der Stellenwert hat sich nicht verändert, er ist über Jahrtausende ein hoher. Einfach deswegen, weil wir ohne Geschlechtsverkehr alle miteinander nicht auf der Welt wären. Die Erotik begleitet uns von der Geburt bis ins Altersheim, wo es heiß hergehen könnte – zumindest stelle ich mir das in einer meiner Satiren so vor. Wir haben nur viel mehr Regeln als früher aufgestellt, weil wir unserem in- neren Kompass nicht mehr vertrauen. Dagegen schreibe ich mit Humor an! Also: Nicht verzagen – Doktor Sommer fragen!

erschienen in GESUND & LEBEN 11/2020