EHRENAMT

Das Geheimnis, gesund zu bleiben

Spenden-Radler Helmut Haberfellner spricht über sein Leben abseits des medialen Hypes um seine winterliche Alpenüberquerung und wie er es seit Jahren schafft, nicht mehr krank zu werden.

Helmut Haberfellner fährt täglich zumindest 150 Kilometer mit einem seiner drei Mountainbikes und macht nebenbei 120 Liegestütze und 400 Sit-ups. Mit seiner Frau Herta genießt er gerne die Natur im Garten.

Helmut Haberfellner fährt täglich zumindest 150 Kilometer mit einem seiner drei Mountainbikes und macht nebenbei 120 Liegestütze und 400 Sit-ups. Mit seiner Frau Herta genießt er gerne die Natur im Garten.

Helmut Haberfellner fährt täglich zumindest 150 Kilometer mit einem seiner drei Mountainbikes und macht nebenbei 120 Liegestütze und 400 Sit-ups. Mit seiner Frau Herta genießt er gerne die Natur im Garten.

Im November 2018 wurde die große Spendenaktion für Sebastian Lehner abgeschlossen, die über 56.000 Euro brachte. Helmut (r.) und Herta (l.) Haberfellner sowie Sebastian mit seinen Groß-eltern Carola Lehner und Hannes Gruber waren überglücklich.

FotoS: Heinz Bidner

Spenden-Radler Helmut Haberfellner spricht über sein Leben abseits des medialen Hypes um seine winterliche Alpenüberquerung und wie er es seit Jahren schafft, nicht mehr krank zu werden.


Dass der durchtrainierte Hobby-Radfahrer Helmut Haberfellner (66) bei seiner Lieblingsbeschäftigung ins Schwitzen kommt, passiert äußerst selten. Denn der charismatische Pensionist, der im Vorjahr mit seiner Spenden-Radtour über die verschneiten Alpen medial für Furore sorgte und nebenbei 56.000 Euro für sein Leih-Enkerl einsammelte, kann seine Kräfte gut einteilen. Dennoch: Mischlingshündchen Maxi hat es geschafft, seinem „Herrchen“ so viele Schweißperlen wie selten zuvor abzufordern. Der Wahl-Guntersdorfer sitzt mit seiner Frau Herta im Garten und genießt die Weinviertler Sonne: „Maxi in Ungarn – das war ein Erlebnis! Kannst Du dich noch erinnern?“ „Ja, natürlich“, schmunzelt sie und blickt ihren Mann mit zugekniffenen Augen an. Immerhin durfte sie die Suppe auslöffeln, die ihr die beiden eingebrockt hatten.

Und das kam so: „Meine drei Freunde und ich sind mit dem Rad von Wien nach Budapest aufgebrochen“, geht der leidenschaftliche Radfahrer ins Detail: „Ich hatte an meinem Fahrrad einen Anhänger befestigt. Maxi saß entspannt drinnen.“ Doch der Radweg führte in Ungarn durch kleinere Dörfer. Und in jedem Dorf begann der kleine Maxi ein Konzert und bellte, was das Zeug hielt. „Binnen kürzester Zeit waren alle Hunde im Dorf alarmiert“, erinnert sich Haberfellner. Und rasch bildete sich hinter seinem Radanhänger, aus dem Maxi aufgeregt herausschimpfte, ein Rudel von 15 bis 20 Hunden, das wütend zurück kläffte. „Ich musste wie ein Verrückter in die Pedale treten, damit uns die Hunde nicht nachkommen, sonst hätten sie zu raufen begonnen“, erzählt Haberfellner und wischt sich gedankenverloren über die Stirn. Im Nachhinein kann er darüber lachen: „Nach zehn Dörfern mit zehn Hunderennen war ich erledigt.“ Nachts sollte das Theater weitergehen: Maxi wollte am Campingplatz nicht im Zelt schlafen und begann ein nächtliches Konzert: „Es war der Horror!“ So rief Haberfellner kurzerhand seine Frau an, die den „kleinen, armen Kerl“ mit dem Auto abholte.


Guter Zweck

Bundesweit bekannt wurde Helmut Haberfellner als Spenden sammelnder Radfahrer. Und das, obwohl er eigentlich gar nicht gerne in der Öffentlichkeit steht. In diesem Fall machte er aber eine Ausnahme. Immerhin ging es um sein Leih-Enkerl Sebastian Lehner (7). So radelte er im März 2018 bei eisigen Temperaturen und auf eigene Kosten von Guntersdorf über die schneebedeckten Alpen bis nach Rom. Damit wollte er auf das Schicksal von Sebastian aufmerksam machen: Der Bub lebt bei seinen Großeltern im benachbarten Karlsdorf. Er kann sich nicht verständigen, denn bei der Geburt gab es schwere Komplikationen. Nur ein rund 21.000 Euro teurer Sprachcomputer, der mit den Augen steuerbar ist und über eine Sprachausgabe verfügt, konnte das ändern. Daher machte sich der sportliche Pensionist gemeinsam mit seiner Frau Herta auf, um Spendengelder zu sammeln. Herta fuhr auf der rund 2.000 km langen Reise mit einem Begleitauto in Tagesetappen

voraus. Die Aktion erzielte ein unglaubliches Medienecho und berührte sehr viele Menschen. Im November 2018, zum Abschluss der Aktion, gab das Paar bekannt, dass durch Spenden und Förderungen über 56.000 Euro zusammengekommen waren. „Das hätten wir nie erwartet“, ist Haberfellner nach wie vor begeistert. Damit konnten noch weitere wichtige Anschaffungen für Sebastian bewerkstelligt werden, etwa der barrierefreie Umbau eines Badezimmers.


120 Liegestütze

Gut trainiert war der pensionierte Berufsfeuerwehrmann schon immer: „Ich musste ja im Dienst Sport machen und ins Fitness-Kammerl bin ich auch schon immer gegangen.“ Seit der Pension hat er mehr Zeit und kann sich – dank Unterstützung seiner Frau – auf das Radfahren fokussieren.

Wie sieht sein üblicher Tagesablauf aus? „Um 4:30 Uhr stehe ich auf, dusche kalt und fange mit meinem Frühsport an“, erzählt der 66-Jährige. Und der hat es in sich, denn dazu zählen unter anderem 120 Liegestütze, 400 Sit-ups und 80 Expander-Dehnübungen. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken und Plaudern mit seiner Frau geht es gegen 8:30 Uhr ab aufs Fahrrad. Nach dem Mittagessen radelt er wieder bis gegen 15:30 Uhr. Den Abend verbringen die beiden gemütlich gemeinsam.

Warum hat ausgerechnet das Rad seine Leidenschaft geweckt? „Ich habe auch das Laufen probiert. Nur: Da geht nichts weiter. Wenn ich eine Stunde laufe, sehe ich den Baum noch immer nicht aus der Nähe“, grinst er. Mit dem Rad sei das Erfolgserlebnis einfach größer. Außerdem: „Ich fahre für mich und meine Gesundheit.“ 150 bis 200 Kilometer schafft der Hobby-Sportler jeden Tag ohne große Anstrengung: „Es ist eine gewisse Sucht, das gebe ich schon zu. Aber so lange ich mich dabei wohlfühle, passt es für mich.“ Über 20.000 Kilometer kommen im Jahr zusammen – insgesamt fünf Garnituren Reifen, Ketten und sonstige Verschleißteile müssen bei seinen drei Mountainbikes jährlich ausgetauscht werden. „Natürlich kämpfe ich auch manchmal gegen den inneren Schweinehund“, verrät er: „Etwa bei schlechtem Wetter. Da muss ich mich auch überwinden. Aber sobald ich auf dem Rad sitze, ist der innere Schweinehund schon wieder weg.“


Beste Gesundheit

Schmerzen hat er nie, versichert er. Und gesund ist er immer. Selbst seine letzte Erkältung liegt schon Jahre zurück. Seine regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen hält er penibel ein. Auch, wenn seine Gesundheitswerte ohnehin jenen eines jungen, top-fitten Mannes gleichen. Mitverantwortlich für seine gute Verfassung ist nicht zuletzt die Ernährung: Der sportliche Pensionist trinkt keinen Alkohol und verzichtet seit rund 20 Jahren weitestgehend auf Fettes und Süßes. Er isst vor allem Vollkornprodukte, rohes Gemüse und Obst, Naturjoghurt sowie wenig Reis und Teigwaren. Dazu kommt ab und zu weißes Fleisch – oft nur alle 14 Tage. An Getränken nimmt er Wasser, Tee, Magermilch und wenig Kaffee zu sich.

Wie schafft man das, so gesund zu leben? Wer sich gesünder ernähren und mehr Sport machen möchte, sollte es schrittweise angehen, rät Helmut Haberfellner: „Man kann nicht erwarten, von heute auf morgen zehn Kilo abzunehmen. Man muss sich über jeden kleinen Erfolg und jedes nicht gegessene Kuchenstück freuen und sich so selbst aufbauen.“ Und anfangs reicht es schon, den Einkauf zu Fuß statt mit dem Auto zu erledigen. Dann werde sich der Körper automatisch nach und nach umstellen, meint der fitte Radler.


Heinz Bidner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2019