DIABETES

Diabetes fest im Griff

Bis vor Kurzem hielt man in der Diabetesbehandlung sämtliche Werte handschriftlich fest. Apps

erleichtern nun die Arbeit für Betroffene und Behandelnde.

Das klassische Tagebuch kommt aus der Mode. Kaum jemand nimmt sich heute mehr die Zeit, Gedanken zum Tag in einem Notizbuch festzuhalten. Die neue Generation der Tagebücher findet im Internet statt, und zwar in Form von Postings auf sozialen Netzwerken oder Blogs. Die Digitalisierung hat inzwischen auch in der Medizin Fuß gefasst: Apps als digitale Tagebücher erleichtern die Behandlung von Diabeteserkrankungen und können damit zur besseren Patientinnen- und Patientengesundheit beitragen.


Immer mit dabei

Bis vor wenigen Jahren führten Diabetespatientinnen und -patienten händisch ein Tagebuch, in dem sie ihre Blutzuckerwerte und  Notizen zur körperlichen Aktivität und der aufgenommenen Nahrung festhielten. Im besten Fall, also einem gewissenhaft und akribisch geführtem Tagebuch, konnte der behandelnde Arzt anhand der Eintragungen Diätfehler erkennen und Maßnahmen dagegen ergreifen. Durch weitere Angaben, wie die verabreichten Insulinmengen oder die Blutzuckerwerte, erstellten Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit den Patienten ein maßgeschneidertes Therapiekonzept oder konnten das laufende verbessern. Ein solcher Therapieplan sollte Folgeschäden vermeiden. Zum Beispiel den diabetischen Fuß, bei dem Wunden am Fuß schlecht oder gar nicht heilen, da Diabetes die kleinen Blufgefäße schädigt und gerade die Unterschenkel und Füße die ersten Körperteile sind, an denen man eine schlechter werdende Durchblutung bemerken kann. Doch auch die Augen sind bei Diabetikern gefährdet, geschädigt zu werden.

Theoretisch ist es also ein wirklich wichtiges und gutes System, dieses Diabetestagebuch. Praktisch ist es aber kaum alltagstauglich. Wie bei einem herkömmlichen Gedanken-Tagebuch stellt vor allem die Zeit, von der die meisten glauben, zu wenig zu haben, der idealen Diabetes-Dokumentation ein Bein. Schließlich lässt sich schlecht am Weg zur U-Bahn ein Tagebucheintrag verfassen.

Was also tun, damit das Tagebuch der Ärztin oder dem Arzt nicht mehr lückenhaft vorgelegt wird und die Patienten dadurch keinen optimalen Therapievorschlag erhalten? Die Antwort können Diabetes-Diagnosesysteme in Form einer App sein. Durch sie wird das analoge Tagebuch ins digitale Zeitalter überführt.

Das Handy ist für viele ein ständiger Wegbegleiter, somit kann es kaum mehr passieren, dass man das Diabetestagebuch im Morgenstress zu Hause vergisst. Ein weiterer Vorteil

dieser Apps ist ihre Diskretion: Außenstehende können nicht mehr erkennen, ob man gerade wichtige gesundheitsbezogene Notizen oder doch nur die Einkaufsliste ins Smartphone eintippt.

Der Vorteil dieser Apps für Menschen mit Diabetes ist, dass sie tatsächlich zu einer besseren Therapie führen: Die Langzeitwerte der Patientinnen und Patienten lassen sich durch die verlässliche und umfassende Dokumentation deutlich verbessern. Ob etwa der gemessene Blutzuckerwert im Wunsch-Bereich liegt, zeigt eine Farbskala. Außerdem kann man gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt individuelle Ziele in der App festlegen. Zum Beispiel die Zeit, in der der Blutzucker im gewünschten Bereich

liegen soll. Damit die Patienten ihre Ziele auch erreichen, schlägt die App Handlungsempfehlungen vor: Wenn der Blutzucker zum Beispiel erhöht ist, kalkuliert das System auf Basis der vom Arzt festgelegten Richtwerte die benötigte Insulinabgabemenge.


Kommunizieren mit Cloud

Damit die behandelnden Ärztinnen und Ärzte feststellen können, ob man seine Ziele erreichen kann, müssen sie auch an das digitale Diabetes-Tagebuch kommen. Das gelingt ebenfalls ganz digital: Über eine Cloud können Patientinnen und Patienten ihre Notizen zum Krankheits- verlauf teilen. Dieses System hat noch weitere Vorteile: Ob es nun Ärzte oder auch Familien- mitglieder sein sollen, die das elektronische Diabetestagebuch mitlesen dürfen, kann von den Patienten persönlich entschieden werden. So können Eltern ihrem Kind mit Diabetes mit etwas weniger Sorgen mehr Freiräume geben, denn sie haben zur Not Einblick darauf, ob ihr Kind sich in sicheren Bereichen bezüglich der Krankheit bewegt.

Sobald die Medizinerin oder der Mediziner Zugriff auf das Diabetes-Tagebuch in der App hat, kann sie oder er mithilfe von Telemedizin das Therapiekonzept regelmäßig aktualisieren. Und das bringt einen weiteren Vorteil: So können die Patienten sich auch länger Zeit zwischen den Kontrollterminen lassen.

Wenngleich die Behandlung durch die Ärztin oder den Arzt des Vertrauens nicht einfach durch eine App ersetzt werden kann, erleichtern diese neuen Systeme die Diabetesbehandlung so- wohl für den Patient als auch für den Arzt. Und noch viel mehr: Betroffene erlangen wieder ein positiveres, freieres Lebensgefühl und haben ihr Diabetes fest im Griff.



Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2019