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KLIMA

Der Weg ist das Ziel

Im Winter träumen wir vom Sommer und dem nächsten Urlaub. Das Klima hingegen leidet unter den steigenden Reisen. Nachhaltigkeit und Reisen – geht das überhaupt?

Weihnachten ist vorbei – das kalte und graue Wetter bleibt uns aber wohl noch eine Weile erhalten. Es ist je- ner Zeitpunkt, an dem sich viele Menschen unter die Sonne und an den Strand träumen. Früher wurde dann meist mit der ganzen Familie der Sommerurlaub geplant und gebucht. Die heiß ersehnte Pause fand immer im Sommer statt, wenn die Kinder Ferien haben. Viele entschieden sich Jahr für Jahr für denselben Ort. Das hat sich mittlerweile geändert: Urlaub gibt es für die meisten Menschen nun öfter im Jahr. „Kurztrips“ lautet das Schlüsselwort. Kaum hat man ein paar freie Tage am Stück, möchte man am liebsten weg. Dieser Trend soll laut Zukunftsforscher Matthias Horx vom gleichnamigen Zukunftsinstitut in den nächsten Jahren um ein Vielfaches steigen. Was macht das mit dem Klima und unserer Umwelt?


Menschen im Fokus

Acht Prozent aller CO2-Emissionen sind dem Tourismus geschuldet. Für viele Menschen sind vor allem Flug- reisen die Übeltäter: Große Fluggesellschaften konkurrieren mit Billiganbietern und die Ticketpreise sinken. Doch ein Flug von Österreich auf die Kanarischen Inseln und zurück stößt so viel CO2 aus wie ein Auto im ganzen Jahr. Klima-Organisationen wollen Reisenden das schlechte Gewissen nehmen: Sie bieten an, die CO2-Emissionen, die durch eine Reise entstehen, auszugleichen, indem sie gegen Geldzahlungen Klima- schutzprojekte unterstützen. Doch ganz abhaken kann man das Thema Umwelt und Urlaub auch damit nicht, sagt Christa Ruspeckhofer von der Energie- und Umweltagentur NÖ. Denn nicht nur der Weg sei häufig ein Problem, sondern auch der Urlaub selbst: „Es geht nicht nur darum, wie wir unsere Urlaubsorte erreichen, sondern auch, wie wir die Zeit dort verbringen“, meint Ruspeckhofer. Massentourismus wirke sich nicht nur auf die Umwelt aus, indem Küsten, Städte oder Naturregionen strapaziert werden, sondern auch auf die Menschen, die in den Urlaubsorten leben oder arbeiten.


Sanfter Tourismus

Eine gerechte Entlohnung und gleiche Chancen für alle sorgen zum Beispiel dafür, dass die Lebensqualität der Menschen verbessert wird. Je nach Region sind andere Dinge wichtig:

In südlichen Ländern steht Respekt vor der lokalen Bevölkerung, Offenheit gegenüber der Kultur und den Bräuchen im Fokus. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hotels oder Restaurants geht es um gute Arbeitsbedingungen, gerechten Lohn und soziale Absi- cherung. Hier ändert sich bereits einiges: Immer häufiger steht bei Nah- und Fernreisen der „sanfte Tourismus“ im Vordergrund. Dabei geht es darum, möglichst wenig auf die Natur einzuwirken oder ihr zu schaden, sie möglichst nah und ursprünglich zu erleben und sich vor allem auch der Kultur des Landes gut anzupassen.

Diesen Eco-Tourismus zählt auch das

Matthias-Horx-Zukunftsinstitut zu den fünf wichtigsten Trends im Tourismus. Um sich bei der Fülle an Angeboten entscheiden zu können, helfen Umweltzeichen und Gütesiegel. Sie setzen auf un- terschiedliche Schwerpunkte: Das Österreichische Umweltzeichen etwa wird an Beherbergungsbetriebe, Restaurants und Pauschalrei- seangebote vergeben. Das EU-Eco-Label gibt es für Beherber- gungsbetriebe und Campingplätze. Und Tourcert und Travelife wird an Reiseveranstalter, Reisebüros und Beherbergungsbetriebe ver- liehen. Damit ist künftig nicht nur ein klimaschonender Weg das Ziel – sondern auch der Urlaub an sich.



Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN 01/2020