corona

fotoS: oegs.ac.at, DWh gmbh, istockphoto/ Manuel Tauber-Romieri

Gespaltene Gesellschaft?

Corona verändert das Miteinander. Rücken Menschen in Zeiten wie diesen

enger zusammen oder entfernen sie sich voneinander?

Die Corona-Krise hat viele gute Eigenschaften in den Menschen hervorgeholt. Solidarität, Hilfs- bereitschaft und Empathie sind positive Begleiterscheinung der sonst so herausfordernden Zeit. Ob digital in den sozialen Medien oder analog per Aushang – die Hilfsangebote sind viel- fältig und reichen von Einkaufshilfen über ehrenamtliche Tätigkeiten bis hin zum Bereitstellen der eigenen Kompetenzen für wohltätige Zwecke.

Doch obwohl in dieser schwierigen Situation viele Menschen zusammenstehen und Zivilcoura- ge zeigen, lässt sich dennoch eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft feststellen. In vie- len europäischen Ländern finden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen statt, auch in Öster- reich gehen Menschen auf die Straße. Verschwörungstheorien und Falschinformationen wird mit Social Media eine Bühne geboten. Das Hauptproblem erkennt Dr. Alexander Bogner, Präsi- dent der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, in den Wissenskonflikten innerhalb der Gesellschaft: „Wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der viele Konflikte als Auseinanderset- zungen um das richtige Wissen ausgetragen werden. Das bedeutet: Wer an einem solchen Konflikt teilnehmen will, muss auch über profundes Know-how verfügen. Wenn man es aber nicht schafft, die eigene Position auf eine gewisse Expertise zu stützen, kann ein Ausweg darin liegen, die etablierte Faktenwelt auf den Kopf zu stellen. Das kann man im Zuge der Corona- Krise bei vielen Demonstrationen gut beobachten.“


Gemeinsam gegensteuern

Bogner verweist unter anderem auf Impfgegner, die hinter der Pandemie ein politisches Kom- plott vermuten, um der Bevölkerung die Idee von Zwangsimpfungen plausibel zu machen. „Der Boom an Verschwörungstheorien lässt sich als Reaktion auf eine Politik verstehen, die im Einvernehmen mit der Wissenschaft handelt – nämlich, indem sich Politiker in ihren Entschei- dungen von Medizinern und Virologen leiten lassen – und damit alternativlos erscheint. Dieser Druck trägt auf Seiten der Protestbewegung dazu bei, dass alternative Fakten schneller Ver- breitung finden.“

Dabei, so der Soziologe, lässt sich die Krise nur dann meistern, wenn die Bevölkerung ihr ge- meinsam gegensteuert. Jetzt gelte es, mitanzupacken, um Infektionszahlen zu reduzieren und das Gesundheitssystem zu entlasten. Aber auch innovatives Handeln und neue Ideen in allen Bereichen sind gefragt, um zukunftsfähigere Volkswirtschaften aufzubauen. Und dafür braucht es vor allem eines: Optimismus, dass auch diese Zeit vorbeigehen wird – und die Gesellschaft gestärkt daraus hervorgehen kann.


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 01+02/2021