PATIENTENVERFÜGUNG

Behutsam anpassen

Der neue Gesundheits-Koordinator des Landes, DDr. Thomas Klestil, will die Versorgungsangebote für die Bevölkerung weiterentwickeln.

foto: noegus

Nach einem schweren Unfall liegt ein Angehöriger auf der Intensivstation im Krankenhaus. Die Ärztinnen und Ärzte schlagen eine Behandlung vor, die jedoch mit Schmerzen für den Verunfallten verbunden ist. Sie sind nicht überzeugt, dass dies in seinem Sinne wäre. Damit werden sie vor eine schwierige Entscheidung gestellt: Soll der geliebte Mensch mühsam am Leben erhalten werden oder sanft aus diesem scheiden?  Egal, wie sie wählen: Die Frage, ob es der richtige Schritt war, wird sie noch lange Zeit begleiten. Dieses Szenario ließe sich mit der Erstellung einer Patientenverfügung verhindern. Denn in

diesem Dokument wird festgehalten, welche medizinischen Behandlungen die Patientin oder der Patient ablehnt, sollte es zu einer Situation kommen, in der lebenserhaltende Maßnahmen erforderlich sind. „In Österreich sterben pro Jahr etwa 80.000 Menschen. Mindestens zehn von ihnen befinden sich in einer solchen Situation“, weiß der NÖ Patienten- und Pflegeanwalt Dr. Gerald Bachinger. „Sehr oft kommen Menschen mit diffuser Angst, weil sie chronisch krank sind und wissen, dass sie später nicht mit Schläuchen künstlich am Leben erhalten werden möchten. Mit der Patientenverfügung können wir ihnen diese Angst nehmen.“ Interessierte werden darüber im Zuge eines ärztlichen und juristischen Gesprächs

aufgeklärt.


Lücken schließen

Gemeinsam erwirkten die ARGE Patienten-anwälte, der Dachverband Hospiz Österreich, die Diakonie, Erwachsenenschutzverbände und einige weitere Institutionen im vergangenen Jahr eine Novelle der Patientenverfügung. Neu ist, dass das Dokument fortan anstatt auf fünf, auf acht Jahre befristet ist.  Außerdem ist bei einer Erneuerung nun keine juristische Belehrung durch einen Anwalt oder Notar mehr nötig.

„Uns ist es gelungen, ein Formular zu erstellen, das österreichweit einheitlich verwendet wird. Dabei wurde viel Wert auf Verständlichkeit gelegt“, erklärt Bachinger. Ab 2020 soll es außerdem die Möglichkeit geben, die Patientenverfügung auch in ELGA abzuspeichern (siehe Infokasten Seite 51). Damit ist eine bestehende Lücke im System geschlossen, denn derzeit unterliegen Ärztinnen und Ärzte keiner Nachschaupflicht, ob die Patientin oder der Patient eine Verfügung erstellt hat. Neben einem online abruf- und ausfüllbaren Erstellungs- und Erneuerungsformular wurde nun auch eine Hinweiskarte eingeführt. Diese kann beispielsweise in der Geldbörse mitgeführt werden und weist die behandelnden Ärzte und Pflegefachkräfte somit auf das Vorhandensein einer Patientenverfügung hin.


Kompliziertes einfach ausdrücken

Dass jede Patientin und jeder Patient genau weiß, was die Patientenverfügung bewirkt, ist auch der Wiener Pflege- und Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz ein großes Anliegen: „Eine so komplizierte Thematik einfach auszudrücken ist schwierig. Umso stolzer sind wir, dass es nach vielen Sitzungen gelungen ist, ein verständliches Dokument und einen daran angelehnten Ratgeber zu erstellen.“ Die Statistiken sprechen jedenfalls für das Dokument: Wurden bei Einführung im Jahr 2006 nur etwa 240 Verfügungen veranlasst, wurden 2017 bereits 1.626 solcher Dokumente ausgestellt. Dabei wird der Patientenwille beachtet und geachtet, denn es handelt sich um eine höchstpersönliche Entscheidung, die man auch für einen Leidensweg, den man vielleicht nicht aufnehmen möchte, trifft. Patientenverfügungen sind ein Mittel der Wahl: Man kann sie jederzeit durch Zerreißen oder Durchstreichen ungültig machen.


Beratung

In Österreich bietet die Patientenanwaltschaft großteils kostenfreie juristische Beratung an. So soll unter anderem geklärt werden, ob ein Vorsorgedialog, eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung die individuell passende Lösung ist. Zudem ist auf der Website www.patientenanwalt.com ein Ratgeber zur Erstellung einer Patientenverfügung abrufbar, in dem man weitere hilfreiche Tipps und Adressen findet. Damit steht nichts mehr im Weg, um für den Fall der Fälle

vorzusorgen und beruhigt dem Lebensende entgegenzublicken.


Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019