ZEIT

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Zeit ist Hirn

In jeder Minute, in der ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, sterben 1,9 Millionen Gehirnzellen ab. Umso wichtiger ist es, Symptome rechtzeitig zu erkennen.

24.000 Österreicherinnen und Österreicher erleiden jährlich einen Schlaganfall. Dieser steht hierzulande nach Herzinfarkt und Krebs an dritter Stelle der führenden Todesursachen. Die ersten vier Stunden nach Auftreten der ersten Symptome sind entscheidend, ob und welche Spätfolgen zurückbleiben. Denn in jeder Minute, in der ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, sterben 1,9 Millionen Gehirn- zellen ab.


Risikofaktoren

Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall, da durch ihn die Blutgefäße verengt und verkalkt werden. Auch Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Bewegungsmangel, Diabetes und negativer Stress können die Wahrschein- lichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, erhöhen. Außerdem steigt das Schlaganfallrisiko mit zunehmendem Alter. Vorsichtig sollte man vor allem im Sommer sein. Denn auch ein Übermaß an Hitze bei gleichzeitig verringerter Flüssigkeitszufuhr kann einen Schlag- anfall verursachen.


Erkennen & Behandeln

Typische Schlaganfallsymptome sind halbseitige Lähmungserscheinungen und/oder Taubheitsgefühle (Arm, Bein, Gesicht) sowie Sprach- und Sehstörungen. Zusätzlich können Gleichgewichtsstörungen sowie schlagartig auftretende Kopfschmerzen erste Hinwei- se sein. Hier sollte man, unabhängig vom Alter, sofort die Rettung rufen. Im Klinikum wird nach einer Untersuchung mit bildgeben- dem Verfahren (meist CT) bei einem leichten Schlaganfall ein Medikament intravenös verabreicht, welches das Gerinnsel auflöst. Ist das betroffene Gefäß sehr groß, wird das Gerinnsel über die Leistenarterie mechanisch entfernt. Ob mögliche Spätfolgen entstehen, hängt vom Schweregrad des Schlaganfalls ab, aber auch davon, wie schnell behandelt wurde und wie groß das Gefäß und das von ihm versorgte Gebiet ist. Dank der weit fortgeschrittenen medizinischen Forschung sind heute 50 Prozent der überlebenden Betroffe- nen nach drei Monaten ohne Spätfolgen. Die Gefahr, dass ein Schlaganfall erneut auftritt, ist in den ersten drei Monaten am höchs-

ten. Umso wichtiger ist eine gewissenhafte Nachsorge.


Gesunder Lebensstil

Sowie schon in der Vorsorge, sollte man auch in der Nachsorge auf eine gesunde Lebensweise, regelmäßigen Sport, eine gesunde Ernährung, Nikotinverzicht sowie das Ver- meiden von übermäßigem Stress achten. Darüber hinaus ist es bedeutsam, regelmäßig den Blutdruck zu messen und Bluthochdruck zu behandeln. Da viele Schlaganfallpatienten De- pressionen oder Ängste entwickeln, sind gegebenenfalls Medikamente und eine Psychothera- pie nötig. Zudem wird angeraten, nach dem Aufenthalt im Klinikum eine externe stationäre Schlaganfall-Rehabilitation in Anspruch zu nehmen. Im Anschluss daran sollte man die Reha- bilitation ambulant fortsetzen.


Stefan Stratmann

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2020