BERUFSBILD PULMOLOGIE

Helfer in der Not

Die Lunge ist eines der wichtigsten Organe des menschlichen Körpers. Treten hier Beschwerden oder Erkrankungen auf, sind Pulmologinnen und Pulmologen gefragt.

Die Durchführung von Atemgasmessungen (oben) und Lungenfunktionstests (unten links), sowie Besprechungen der weite- ren Behandlungs-abläufe (unten rechts) gehören für Pulmologinnen und Pulmologen zum Alltag.

Die Durchführung von Atemgasmessungen (oben) und Lungenfunktionstests (unten links), sowie Besprechungen der weite- ren Behandlungs-abläufe (unten rechts) gehören für Pulmologinnen und Pulmologen zum Alltag.

Die Durchführung von Atemgasmessungen (oben) und Lungenfunktionstests (unten links), sowie Besprechungen der weite- ren Behandlungs-abläufe (unten rechts) gehören für Pulmologinnen und Pulmologen zum Alltag.

(v.l.) in der Pulmologischen Abteilung im LK Hochegg gibt es ein Schlaflabor, verschiedene Therapieoptionen für Tumor-

patientinnen und -patienten, sowie die Intensivstation RCU.

Text.

Text.

Text.

Fotos: Katharina Gossow, Fotos: Katharina Gossow, Landesklinikum Hochegg

Das Landesklinikum Hochegg, eingebettet in üppiges Grün, wurde vor fast 100 Jahren vom Roten Kreuz als Lungenheilstätte geführt. Damals hielt die Tuberkulose im Land Einzug und Patientinnen und Patienten benötigten meist monatelange Aufenthalte in dem Luftkurort, um eine Besserung ihrer Beschwerden zu erzielen. Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Schenk, MSc, MBA, leitet seit 2008 die Abteilung für Pulmologie. Heute ist sie eine der größten und modernsten Einrichtungen dieser Art in

Niederösterreich.

„Patientinnen und Patienten, die in unsere Abteilung kommen, leiden an Asthma, Atemnot, Lungenembolien, Brustfellergüssen oder – auch heute noch – Tuberkulose“, erzählt Schenk. Im Gegensatz zu den Anfängen des Klinikums, ist die Krankheit heute jedoch heilbar. „Viele unserer Patienten kommen auch bei Verdacht auf Lungenkrebs zu uns“, erklärt Schenk. Lungenkrebs ist die Tumorart, zu der in den vergangenen Jahren die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse gewonnen werden konnten. „Das größte Problem ist jedoch, dass Patientinnen und Patienten erst dann zur Abklärung kommen, wenn sich der Krebs schon in einem metastasierten Stadium befindet. Mit verschiedenen Therapien können wir aber auch dann eine viel höhere Lebenserwartung erreichen, als noch vor einigen Jahren.“


Breites Spektrum

Das Landesklinikum Hochegg verfügt über die bisher einzige RCU (Respiratory Care Unit) in ganz Niederösterreich. In dieser Intensivstation der Stufe I werden Patienten mit akuter oder chronischer Ateminsuffizienz behandelt, die eine mechanische Unterstützung der Atemmuskulatur durch unterschiedliche Nasen-, Mund- oder Gesichtsmasken und Beatmungsgeräte benötigen. „Einige Patienten werden von anderen Intensivstationen zu uns überstellt, damit wir ihnen bei der Entwöhnung von der maschinellen Beatmung helfen“, sagt Schenk. „Sind Patientinnen oder Patienten teilweise oder komplett von einer maschinellen Beatmung abhängig, schulen wir sie und ihre Angehörigen ein, damit die Beatmung zu Hause selbstständig und sicher durchgeführt werden kann.“ Ergänzt wird die RCU mit ihren vier Betten durch die Intermediate Care Unit (IMCU) mit zwei Betten. „Das Schöne an der Pulmologie ist, dass hier für jede Ärztin und jeden Arzt das Richtige zu finden ist. Durch die vielen Spezialgebiete, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu verwirklichen“, erklärt Schenk seine Beweggründe für die Spezialisierung auf Lungenerkrankungen. 2017 wurde er zum Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) gewählt. „Schön sind auch die neuen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie, wodurch wir unsere Patientinnen und Patienten stetig besser und mit weniger Nebenwirkungen behandeln und ihre Lebensqualität steigern können-

.“

Ähnlich sieht das auch sein Kollege Dr. Felix Hüttinger, der ursprünglich geplant hatte, Allgemeinmediziner zu werden. „Für die Pulmologie begeistert hat mich dann das breite Spektrum, das diese bietet: Onkologie, Schlafmedizin, Intensiv-Medizin und Innere Medizin.“ Dennoch kennt er auch die Schattenseiten des Berufes: „Lungenpatienten sind meist sehr schwer krank. Da spielen auch die menschliche Komponente und eine angenehme Umgebung eine entscheidende Rolle.“


Fit im Schlaf

Dr. Schenk geht in ein Einzelzimmer, dahinter hängen zahlreiche Elektroden und Sonden. „Das ist unser Schlaflabor“, erklärt Schenk. „Insgesamt haben wir hier acht Betten. In der Nacht untersuchen wir Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Atemprobleme während des Schlafens. Dabei werden die Schlafstadien von unserem geschulten Personal genau analysiert und aufgezeichnet. Am nächsten Tag erfolgen Auswertung, Diagnose und Befundbesprechung mit den Patienten“. Sollte eine nächtliche Atemtherapie notwendig sein, wird der Patient nach einer intensiven Einschulung mit einem Therapiegerät entlassen.


Schnelle Diagnose

Allein im Jahr 2018 wurden im LK Hochegg 3.200 Lungenfunktionstests durchgeführt. Auch heute wird die Lungenfunktion ei- ner Patientin erfasst. So kann ihr Atemvolumen beurteilt werden und die Ärzte stellen fest, wie viel Sauerstoff in den Körper transportiert wird. Aufrecht sitzt die Patientin in einer Glaskabine, die an eine Telefonzelle erinnert, und atmet durch ein Mund- stück. „Beim großen Lungenfunktionstest, der Bodyplethysmographie, ändert sich durch die Atembewegungen der Patientin der Druck in der Kabine. Dieser wird von einem Sensor gemessen. So entsteht ein Druck-Volumen-Diagramm, das bei den unterschiedlichen Lungenerkrankungen jeweils eine charakteristische Form aufweist“, erklärt Schenk.

Im Nebenraum findet gerade ein weiteres diagnostisches Verfahren, die sogenannte Spiroergometrie statt. Der Patient sitzt dabei auf einem Ergometer und trägt eine Gesichtsmaske, an die ein Volumensensor zur Messung des Luftvolumens sowie ein dünner Schlauch, die sogenannte Absaugstrecke, angeschlossen sind. Der Patient beginnt, in die Pedale zu treten. „So fest, wie Sie nur können!“, feuert ihn die Ärztin an. „Wir steigern die Belastung durch ein computergesteuertes Programm kontinuierlich“, erklärt sie. „Durch die Spiroergometrie können wir zwischen herzbedingten und lungenbedingten Einschrän- kungen der Leistungsfähigkeit unterscheiden. Außerdem können wir so verschiedene chronische Atemwegs- und Lungener- krankungen beurteilen oder eine Belastungs-Luftnot abklären.“


Begleitung auf schweren Wegen

Auch unheilbar kranke Patientinnen und Patienten werden in Hochegg betreut und begleitet. Auf der erst kürzlich errichteten Palliativstation mit sechs Betten werden in Gesprächen mit Patienten und Angehörigen die nächsten Schritte geplant. Obers- te Priorität ist, die Lebensqualität zu verbessern. Für Verstorbene hat sich das Palliativ-Team ein besonders berührendes Ri- tual überlegt:

Steine werden mit Sterbedatum und Namen der Patienten beschriftet und bei einer jährlichen Gedenkmesse aufgelegt. Ange- hörige können sich die Steine dann als liebevolle Erinnerung mit nachhause nehmen.

„In den nächsten Jahren wird sich in der Pulmologie noch viel tun“, meint Schenk. „Deshalb ist es besonders wichtig, sich re- gelmäßig weiterzubilden, um am internationalen Niveau zu bleiben und neue Entwicklungen im Blick zu haben.“ So können auch künftig Patientinnen und Patienten bestmöglich therapiert werden.



Michaela Neubauer

Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter

Schenk, MSc, MBA, leitet die Abteilung für Pulmologie im LK Hochegg seit 2008.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019