BEWEGTE KLASSE

Genug gesessen!

Seilspringen, Ballspielen oder Gummihüpfen – bewegtes

Lernen hilft Kindern dabei, Inhalte besser zu verinnerlichen.

Zusammenhänge verstehen

Bewegung kann sowohl beim Festigen von Unterrichts- stoff helfen, zum Beispiel wenn Kinder beim Ballspiel die Zahlen einer Malreihe wiederholen, als auch um Zusam- menhänge besser zu verstehen. „Erlebt ein Kind beim Seilspringen, dass zehn Sprünge länger dauern als zwei oder drei und dass diese auch viel anstrengender sind, kann es über die Bewegung einen besseren Bezug zur Bedeutung der Zahlen herstellen“, sagt Kretschmer. Da- bei sollten die Bewegungen immer flexibel und auf die Vorlieben des Kindes angepasst sein. „Ein Kind, das ger- ne Gummitwist macht, hat sicher Spaß daran, eine Malrei- he in das Gummihüpfen einzubauen. Ein anderes Kind spielt vielleicht lieber Ball. Mit ihm könnte man dann einen Ball gegen die Wand werfen und dabei den Unterrichts- stoff einbauen.“ Geeignet seien alle Übungen, bei denen die Sprösslinge abschalten können und die dennoch ei- nen gewissen Aufforderungscharakter haben. „Um sich besser auf Lernaufgaben konzentrieren zu können, spielt auch Sauerstoff eine entscheidende Rolle. Da kann es schon helfen, aufzustehen und ein paar Hampelmänner zu machen, dabei vielleicht auch das Fenster zu öffnen. Noch besser ist es aber, ins Freie zu gehen und sich dort zu bewegen, bevor das Kind wieder sitzt und arbeitet“, erklärt die Expertin.


Bewegung zur Routine machen

Damit bewegtes Lernen gelingt, rät Kretschmer dazu, Be- wegung im Alltag Routine werden zu lassen. Dafür helfe es schon, Zeit im Freien oder ein gemeinsames Spiel wie Federball oder Tempelhüpfen fix einzuplanen. „Wichtig ist

es auch, dass Bewegungsmaterial bereitsteht und dass es einen Platz gibt, wo sich das Kind bewegen darf. Gibt es einen Ball? Gibt es eine Wand, gegen die man den Ball werfen kann? Gibt es ein Seil? Gibt es vielleicht Straßenmalkreiden und ein Stück Asphalt, auf dem das Kind ein Hüpf-Feld aufmalen kann? Gibt es Räume im Haus, die Bewegung zulassen? Es geht also auch darum, das Umfeld bewegungsfreundlich zu gestalten. Der Ball, der schon in der Garderobe bereit liegt, und das Kind, das schon weiß, wo es gut damit spielen kann, sind wichtige Voraussetzungen.“

Außerdem, meint Kretschmer, werde ein Kind, das bereits selbst erlebt hat, dass ihm Bewegung beim Lernen und Konzen- trieren hilft, auch selbstständig auf das Konzept des bewegten Lernens zurückgreifen. Ein weiterer Punkt, dessen Bedeutung für die kindliche Entwicklung oftmals übersehen werde, sei die Alltagsbewegung. „Alltägliche Bewegungen wie Anziehen, Wäsche zusammenlegen, Erdäpfel schälen, Tisch anrichten, Einkaufen gehen und vieles mehr bieten reichliche Möglichkei- ten für bewegtes Lernen. So werden die Raumorientierung und die Feinmotorik geschult und Gehirn-areale verknüpft. Es lohnt sich also, Kinder in diese Bewegung einzubeziehen.“


Sinnvoll genutzte Zeit

Nicht nur die Kids profitieren von dem Lernkonzept, auch Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen haben etwas davon. Denn die Kinder arbeiten dadurch ausgeglichener und konzentrierter und können Inhalte schneller aufnehmen, was auch Eltern und Lehrkräften Zeit erspart. Aus diesem Grund sei es durchaus empfehlenswert, auch in der Schule Bewegungspausen im Unterricht und Lernen über Bewegung anzubieten. „Bewegung kann auf vielerlei Arten in den Schulalltag integriert werden. Das reicht von einem bewegungsfreundlichen Angebot in den Pausen bis hin zu baulichen Maßnahmen im Schulgebäude und im Pausenhof“, sagt Kretschmer. Davor sorgen, dass sich Kinder in den Bewegungspausen zu sehr verausgaben, müs- sen sich Eltern nicht, sagt die Expertin. Denn: „Körperliche Verausgabung ist gar kein Problem, wenn anschließend geistig gearbeitet wird.“


Michaela Neubauer

1. Gummihüpfen mit Merksatz

Du hast in der Schule einen Merksatz (z. B. „Namenwörter schreibt man groß“) gelernt, den du dir merken möchtest? Erfin- de dazu eine Sprungabfolge für den Hüpfgummi.

Merksatz festigen, Raum-orientierung, Koordination

2. 1x1 auf der Treppe

Auf die Frontseite der Stufen Karten kleben:

1 x 2 = 2, 2 x 2 = 4,

3 x 2 = 6 … Jedes Mal, wenn das Kind die Stufen hinaufsteigt, liest und spricht es mit. Malreihe festigen.

3. Expedition Wohnung

Dieses Spiel passt gut, wenn du mit deiner Mama oder deinem Papa beim Backen bist. Bestimmt hast du da etwas abzuwägen. Vielleicht sind es 20 dag Mehl. Schau einmal, wie viel das ist? Wenn du das Mehl in ein Papiersackerl gibst, wiegt das Papier so wenig, dass es kaum einen Unterschied zum Gewicht des Mehles macht. Findest du etwas, das gleich schwer ist? Mach dich nun auf die Suche in deinem Kinderzimmer oder im Haus. Ist das größer? Ist das kleiner? Hat das eine andere Form? Es gibt tatsächlich viel kleinere Dinge, die mehr wiegen.

Erfahrung mit Gewicht und Volumen sammeln

4. Seilspringen

Wir wollen heute den ganzen Tag über immer wieder ein biss- chen Seil springen. Wir springen beidbeinig über das Seil. Die ganze Familie kann sich beteiligen. Wer zehnmal gesprungen ist, stellt einen Baustein auf (längliche Bausteine verwenden, keine Würfel). Wenn zehn Bausteine aufgestellt sind, vermerken wir das mit einem Hütchen oder einem Becher und legen alle zehn Bausteine wieder um. Schaffen wir es im Laufe des Tages, fünf Hütchen aufzustellen? Dann sind wir 500 Mal über das Seil ge- sprungen.

Koordination, das Zahlensystem erleben und erfassen

FotoS:  philipp monihart

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020