PSYCHE

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PSI - Ängste selbst behandeln

Hinter dem Begriff Psychosomatische Integration (PSI) steckt ein einfacher Behandlungsablauf, mit dem Ängste in kurzer Zeit reduziert oder aufgelöst werden können.

Stellen Sie sich einen Apfelbaum vor, an dem fünf Früchte hängen. Es ist Spätsommer, somit Erntezeit. Doch leider stellen Sie fest, dass zwei der fünf Äpfel nicht ganz ausgereift sind. Sie müssen also dieses Jahr auf deren süßen Geschmack verzichten. Und bangen, ob der Obstkorb dann im nächsten Jahr voll sein wird. Bestimmt fragen Sie sich jetzt, was das mit Ihnen zu tun hat. In diesem Gedankenexperiment sind Sie der Apfelbaum und die fünf Äpfel sind ihre Kernressourcen. „Unter Kernressourcen“, sagt die Perchtoldsdorfer Psychotherapeutin Dr. Karin Neumann, „versteht man Kontakt, Einstimmung, Vertrauen, Autonomie sowie Liebe und Sexualität. Genau wie bei den Äpfeln konnten auch manche Ihrer mentalen Ressourcen in der Kindheit besser und manche schlechter reifen.“ Mithilfe der von Neumann entwickel- ten Methode der Psychosomatischen Integration (PSI) müssen Sie jedoch nicht warten, um auch die un- reifen Früchte genießen zu können. PSI ist eine Weiterentwicklung der bekannten EFT (Emotional Free- dom Techniques)-Methode aus den  USA. Mithilfe von PSI können Sie das Nachreifen Ihrer Potentiale und Fähigkeiten unterstützen. Die Werkzeuge dazu gibt Neumann in ihrem Buch „Ängste, Schuld, Selbstzweifel? Erkennen und lösen mit PSI Psychosomatische Integration“.


Stressoren verarbeiten

Neumanns Konzept basiert auf der Tatsache, dass psychische oder physische Belastungen meist dann entstehen, wenn Körper und Gehirn Stressoren aller Art nicht mehr ausreichend verarbeiten können. Die Folge können Erregungssymptome wie Angst- oder Schlafstörungen sein, es kann jedoch auch zu Suchtverhalten oder zu emotionaler Abstumpfung bis hin zur Lethargie kommen. Um diese Symptome zu mildern, ist es notwendig, sich seelische Ursachen bewusst zu machen, sie anzunehmen, zu lösen

und anschließend zu verarbeiten. Hier setzt die PSI-Meth- ode an: Während sich eine Person achtsam auf ein Problem einstimmt, beklopft sie zugleich bestimmte Behand- lungspunkte am Körper, um damit das vegetative Nerven- system zu beruhigen. Während des Beklopfens der Be- handlungspunkte spricht man fortwährend sein belastendes Gefühl aus, macht zwischendurch bestimmte Augenbewe- gungen, summt und zählt, um den linken und rechten Frontallappen zur Stressverarbeitung zu aktivieren. All das dient dazu, neurologische Muster zu unterbrechen und bisher Belastendes und Unverarbeitetes in Körper und Gehirn zu integrieren.


Das Nervensystem beruhigen

Unser vegetatives Nervensystem umfasst Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark und regelt den „inneren Betrieb“ im Körper. Es besteht aus zwei Teilen, die gegensätzliche Funktionen haben: Der Sympathikus versetzt den Körper und die Psyche in Alarmbereitschaft. Der Parasympathikus sorgt für Entspannung und Erholung. Bei der PSI öffnet sich eine Person ihrem Gefühl, während sie zugleich einen Be- handlungsablauf in drei Schritten macht. Dadurch „beruhigt“ sie ihr vegetatives Nervensystem und kommt meist in Minutenschnelle in einen Entspannungszustand. Der Trick bei dieser Methode ist, dass man nicht gleichzeitig in einem Entspannungszustand und aktiviert sein, also zum Beispiel Angst haben, kann. Die Psychotherapeutin betont, dass man nicht an die Methode glauben muss, um wirk- same Resultate in der Behandlung zu erzielen. Einzig und allein ausschlaggebend sei es, offen und neugierig zu sein. „Sie werden überrascht sein, wie angenehm ruhig und entspannt Sie in meist kurzer Zeit werden“, sagt Neumann. Durch diese Methode, sagt die Psychotherapeutin, werden ausschließlich negative Emotionen verarbeitet; positive wer- den verstärkt.

So, wie auch ein Apfelbaum regelmäßig Regen und Sonne benötigt, soll auch die PSI-Therapie wiederholt angewendet werden. Neumann empfiehlt, sich am Ende einer erfolgre- ichen Behandlung einen Zielsatz und ein Zielbild zu suchen, die man auf Zettel malt oder schreibt und gut sichtbar zuhause aufhängt. Wird ein Gefühl als besonders an- genehm empfunden, kann man sich einen Punkt am Körper aussuchen, an den man es binden will. In Stresssituationen kann man diesen dann berühren und so die positive Energie wieder freisetzen – fast wie auf Knopfdruck.


Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2020