KREISLAUF

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Fit für die Hitze

Hitze setzt dem Körper zu. GESUND & LEBEN zeigt, was zu tun ist, wenn man sehr unter ihr

leidet.

Es ist Juni, der Sommer scharrt bereits in den Startlöchern, die Temperaturen steigen. So manche Hitze- welle wird uns – die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben es gezeigt – im Juli und im August über- rollen. Obwohl die warme Jahreszeit prinzipiell sehr gesund ist, kann Hitze den Körper auch belasten und unter Umständen sogar gefährlich sein. Prim. Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts für Präven- tiv- und Angewandte Sportmedizin am Universitätsklinikum Krems, erklärt: „Unser Körper kann mit Hitze schlechter umgehen als mit Kälte. Er setzt alles daran, den Sollwert der Körperkerntemperatur zu vertei- digen, weil dieser für die Körperfunktionen von großer Bedeutung ist.“ Steigen die Außentemperaturen, setzt das Gehirn sofort gegensteuernde Maßnahmen in Gang: Wir suchen uns automatisch ein kühleres Plätzchen, legen Kleidung ab. Die Hautgefäße erweitern sich, mehr Blut gelangt an die Haut und kühlt dort ab. Die Schweißdrüsen produzieren mehr Schweiß und die Flüssigkeitsausscheidung über die Nie- ren wird verringert. „Das alles läuft nur dann reibungslos, wenn der Körper gut mit Flüssigkeit versorgt ist, um die erhöhte Hautdurchblutung und Schweißabgabe auch bedienen zu können“, sagt Podolsky. „Sonst funktionieren die Kühlmechanismen nicht ausreichend und steigendes Unwohlsein signalisiert dem Großhirn, dass man in Gefahr ist.“


Besonders gefährdet?

Trinken, trinken, noch mehr trinken, lautet also die Devise an heißen Sommertagen. Rund zweieinhalb Li- ter pro Tag, wobei etwa ein Liter davon durch die Nahrung aufgenommen wird. Bei Hitze kann der Flüs- sigkeitsbedarf fünf- bis sechsmal so hoch sein. „Da kann man ruhig kalte Flüssigkeiten wählen, weil die- se einen zusätzlichen Kühleffekt bringen und gerne in größeren Mengen getrunken werden. Dass man davon Hals- oder Bauchweh bekommt, ist nicht bewiesen“, sagt Podolsky. Ob genug getrunken wurde, zeigt der Harn. Ist dieser dunkel und konzentriert, braucht der Körper mehr Flüssigkeit. Auch Gewichts- verlust kann darauf hindeuten, dass man zu wenig trinkt. Jeder sollte darauf achten, das Verhalten den

hohen Temperaturen anzupassen – sich nicht der prallen Sonne aussetzen, Sport zu kühleren Tageszeiten machen und luftige Klei- dung tragen. Manche Personengruppen leiden allerdings besonders stark unter der Hitze. „Ältere Menschen schwitzen nicht so gut und trinken oft zu wenig. Auch die Einnahme von harntreibenden oder blutdrucksenkenden Medikamenten kann den Flüssigkeits- haushalt und das Hitzeempfinden beeinträchtigen“, erklärt Podolsky. Darüber hinaus sind Kinder stärker gefährdet, weil sie generell einen höheren Flüssigkeitsbedarf und eine relativ große Körperoberfläche im Verhältnis zu ihrer Körpermasse haben. Auch Personen mit Übergewicht und geringer Fitness sowie jene, die berufsbedingt Schutzausrüstungen oder Uniformen tragen müssen, belastet die Hitze sehr.


Hitzeakklimatisation

Unwohlsein, Müdigkeit, niedriger Blutdruck, schneller Puls und trockene Haut deuten darauf hin, dass die Hitze den Körper bereits sehr erschöpft hat. „In diesem Fall rasch eine kühlere Umgebung aufsuchen, feuchte Tücher auf die Haut und langsam, aber stetig kalte Getränke trinken“, rät Podolsky. Ist die betroffene Person ansprechbar und kooperativ, müssten diese Maßnahmen reichen, da- mit sich ihr Zustand verbessert. „Tritt dennoch innerhalb einer Stunde keine wesentliche Besserung ein, sollte ärztliche Hilfe gesucht werden. Verschlechtert sich der Zustand, treten Bewusstseinstrübungen, Durchfall oder generalisierte Krämpfe auf, dann die Rettung rufen.“

Noch etwas Wissenswertes für alle jene, die bereits am Anfang des Sommers unter den hohen Temperaturen leiden: Bis zu einem gewissen Grad gewöhnt sich der Körper an die Hitze. „Nach etwa sieben bis zehn heißen Tagen kommt es zur Hitzeakklimatisation“, sagt Andrea Podolsky. „Die Hautdurchblutung verbessert sich, die Schweißsekretion steigt, dadurch entsteht ein besserer Kühleffekt, der Schweiß enthält weniger Salze und die Ausschüttung der Stresshormone sinkt. Die Hitze wird dadurch nicht mehr als so unange- nehm empfunden.“ Wichtig ist deswegen, sich nicht nur in klimatisierten Räumen aufzuhalten, sondern sich schrittweise bewusst der Hitze auszusetzen und sich draußen zu bewegen. Das gilt auch für jene, die einer Risikogruppe angehören. Diese Menschen sollen die Akklimatisation aber noch langsamer und vorsichtiger angehen.


Sandra Lobnig

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2020