pflanzendrinks

FotoS: Klaus Ranger, istockphoto/ Mizina

Herrlich pflanzlich

Egal ob aus Soja, Hafer oder Mandeln – pflanzliche Milchalternativen liegen im Trend. Und das nicht nur bei Menschen, die sich vegan ernähren.

In den Caffeè Latte kommt geschäumte Sojamilch, der Palatschinkenteig wird mit Reismilch an- gerührt und über das Müsli wird Hafermilch geschüttet. Der traditionellen Kuhmilch steht mitt- lerweile eine große Vielzahl an Pflanzendrinks gegenüber, die man je nach Geschmack und Konsistenz als Alternative einsetzen kann. Die Gründe für den Griff zum veganen Ersatz sind vielfältig: Sie sind gesundheitlicher, ethischer oder ökologischer Natur – oder es besteht ein- fach ein Wunsch nach mehr Abwechslung auf dem Speiseplan.


Kalzium aus Gemüse

Tut man sich damit aber auch etwas Gutes, fragt sich manche Konsumentin, mancher Konsu- ment? Schließlich sind viele mit der Botschaft aufgewachsen, dass es Kuhmilch braucht, um starke und gesunde Knochen zu bekommen. Claudia Nichterl, Ernährungswissenschafterin und Gründerin der Akademie für integrative Ernährung, beschwichtigt: „Ohne Milchprodukte kann man sich wunderbar ernähren, es braucht vielleicht ein bisschen Wissen und Aufklärung.“

Etwa, dass man seinen Bedarf mit Gemüse de- cken kann. „In Nüssen, Kohlgemüse, Fenchel oder Hülsenfrüchten ist viel Kalzium enthalten. Dieses zu essen ist oft gesünder, nehmen wir doch mit Milchprodukten auch viel Fett und manchmal Zucker zu uns“, sagt die Ernäh- rungsexpertin. Übrigens: Da der Begriff „Milch“ geschützt ist, spricht man bei den Alternativ- produkten von Pflanzendrinks.


Regionale Pflanzendrinks

In puncto Ökobilanz empfiehlt Nichterl auch bei diesen auf den regionalen und ökologi- schen Anbau zu achten: „Wir leben in einem Land, das Spitzenreiter in Sachen Bio ist, das sollte man unterstützen. Zum Beispiel Hafer- drinks gibt es in Bioqualität aus Österreich.“ Bei anderen Sorten, wie Mandeldrinks, ist die Bilanz schlechter, kommen doch 80 Prozent al- ler Mandeln aus Kalifornien. „Ich bin ein Fan von heimischen Drinks“, betont die Ernäh- rungswissenschafterin. „Warum Kokos von weit her nehmen, wenn es Hafer, Erbsen, Hanfsa- men, Hasel- oder Walnüsse in Österreich gibt.“ In jedem Fall macht es Sinn, sich den Pflanzen- drink selbst zu machen, rät Nichterl. Ihr per-

sönlicher Favorit ist der Hanfdrink, den man einfach mit einem Hochleistungsmixer zubereiten kann (sie- he Infokasten).


Auswahl nach Einsatzgebiet

Angesichts der mittlerweile riesigen Auswahl, die Produkte aus Mandeln, Soja, Hanf, Reis, Lupinen, Erbsen, Hafer und einigen weiteren Getreidesorten umfasst, stellt sich die Frage, zu welchem Pflanzend- rink man greifen soll. „Das hängt vom Zweck ab“, meint Nichterl. „Will man zum Beispiel Schaum im Kaffee, greift man zum Sojadrink. Sojabohnen enthal- ten Lecithin, das macht diese etwas cremig.“

Geschmacklich passt ein Haferdrink gut in Kaffee und Müsli. Dieser eignet sich, wie auch andere Ge- treidedrinks, ebenfalls hervorragend zum Kochen

und Backen. Auch Mandeldrinks gelten als guter Milchersatz beim Backen. Das leicht nussige Aroma schmeckt auch im Müsli oder Porridge. Reisdrinks eignen sich für Süßspeisen. Auch in Zukunft werden sicher noch einige neue und überraschende Sor- ten zu diesem bereits riesigen Angebot kommen, meint Nichterl: „Ich denke, es wird noch viel ausprobiert werden. Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, sind meist experimentierfreudig.“


Heike Kossdorff

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2021