LANDESZIELSTEUERUNG

Behutsam anpassen

Der neue Gesundheits-Koordinator des Landes, DDr. Thomas Klestil, will die Versorgungsangebote für die Bevölkerung weiterentwickeln.

foto: noegus

Er ist seit 32 Jahren Arzt mit Leib und Seele, leitet die Abteilung Orthopädie und Traumatologie an den beiden Klinik- Standorten in Baden und Mödling. Außerdem lehrt er an der Donau-Universität Krems. Im Juni hat er zusätzlich ein Amt übernommen, bei dem er sich mit Strukturen der Versorgung beschäftigt: Klestil ist Landes-Zielsteuerungs-Koordinator für die Gesundheitsreform in Niederösterreich.


Kürzere Krankenhaus-Aufenthalte

Was so sperrig klingt, hat großen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung in Niederösterreich. Und das ist gut so, denn „Stillstand wäre Rückschritt. Wir müssen die Strukturen der Gesundheitsversorgung laufend anpassen“, betont Klestil, denn auf allen Ebenen gebe es Veränderungen: Bevölkerungswachstum zum Beispiel. Durch Forschung und technische Entwicklungen gebe es laufend große Fortschritte in der Medizin, die wiederum bessere und schnellere

Behandlungen für die Patientinnen und Patienten ermöglichen. „Heute können wir immer mehr Eingriffe minimalinvasiv machen, also mit sehr kleinen Schnitten. Dadurch hat sich die Aufenthaltsdauer bei stationären Patienten verkürzt.“ Das spare Kosten und Ressourcen. „Das ist wie in einem guten Restaurant: Mit dem richtigen Service kann man den Tisch am Abend zwei bis drei Mal nützen.“


Kernthema Digitalisierung

Klestil sieht die Digitalisierung als großes und wichtiges Thema der Gesundheitsreform. So hat er als einer der Ersten Videokonferenzen für die tägliche Arbeit eingeführt, um die Standorte seiner Abteilung in Baden, Mödling und Hainburg gemeinsam zu führen. Mittlerweile gibt es in allen NÖ Kliniken die technischen Möglichkeiten für Videokonferenzen. Diese werden zum Beispiel für Tumorboards verwendet.

Für Klestil bietet die Digitalisierung großes Potenzial für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen. In seinen Abteilungen hat er beispielsweise eingeführt, dass die Ärztinnen und Ärzte mittels App bereits während der Visite die Ergebnisse diktieren, die dann sofort in der jeweiligen Krankenakte gespeichert werden – eine enorme Erleichterung gegenüber den Diktaphonen, deren Bänder erst nach der Visite von Sekretärinnen abgeschrieben und den Akten zugeordnet werden konnten. Klestil glaubt, dass die Digitalisierung künftig viele weitere Vorteile bringen wird – von telemedizinischen Beratungsmöglichkeiten bis hin zur stärkeren Vernetzung niedergelassener Ordinationen.


Strukturen mehrfach nutzen

Er ist froh, dass das Land mit der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) selbst ein Medizinstudium anbiete, denn der Bedarf sei da. Überhaupt gefällt ihm der Wissenscluster in Krems, wo neben der KL auch die IMC Fachhochschule und die Donau- Universität stationiert sind, an der Klestil selbst unterrichtet. „Hier gibt es eine Infrastruktur für drei wichtige und gute Bildungseinrichtungen. Das ist ein Zukunftsmodell.“



Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2019