BERUFSBILD

fotoS: Philipp Monihart

Karoline Rizzi bereitet eine Angiographie vor.

Marcus Doppler, BSc, führt ein Handröntgen durch.

Auch die Qualitätssicherung ist ein Schwerpunkt des radiologischen Leistungsspektrums.

Daniela Berger, BSc, bei der Computertomographie.


Vorbereitung und Durchführung von Unter-suchungen und nuklearmedizinische Behandlungen gehören zum Alltag von Ra- diologietechnologen.

Vorbereitung und Durchführung von Unter-suchungen und nuklearmedizinische Behandlungen gehören zum Alltag von Ra- diologietechnologen.

Durchblick haben

Radiologietechnologinnen und -technologen stellen mittels bildgebender Verfahren den menschlichen Körper dar und liefern einen wichtigen Beitrag zur Diagnose und Behandlung- .

Auf der Radiologie des Universitätsklinikums Tulln ist schnelles Handeln gefragt: Soeben wurde Walter B. mit einer eingebluteten Le- berzyste eingeliefert. Er ist einer der zahlreichen Akutfälle, die auf erfahrene Radiologietechnologinnen und -technologen angewiese- n sind. Karoline Rizzi ist Radiologietechnologin aus Leidenschaft. Sie legt ihre blaue Frontschutz-Schürze um, versteckt die braune- n Haare unter einem Haarnetz und setzt sich die Mundschutzmaske auf. Hochkonzentriert beginnt sie, die für die radiologische Inte- rvention benötigten Instrumente steril vorzubereiten. In den nächsten Stunden wird sie verschiedene Anlagen bedienen, für reibungsl- ose Abläufe sorgen und die Untersuchung für Patienten wie Walter B. so angenehm wie nur möglich gestalten. Trotz des medizini- schen Notfalls ist die Atmosphäre locker und entspannt. Das Radiologie-Team verhält sich ruhig und routiniert, während der Patient i- m Krankenbett darauf wartet, in die Angiographie geschoben zu werden. Rizzi drückt einen Knopf und die Untersuchungsliege begi- nnt sich zu bewegen. Über ihr thront ein riesiger Monitor, auf dem die Patientendaten später aufscheinen werden. Hier wird jeder Handg- riff sichtbar. Inzwischen ist alles eingerichtet, bereit für den Patienten. Gleich kann es losgehen- .


Berufung

Zu ihrem Beruf kam Rizzi durch ein Familienmitglied: „Meine Tante ist ebenfalls Radiologietechnologin und hat mir von diesem Beruf immer vorgeschwärmt“, schmunzelt sie. „Irgendwann habe ich es einfach riskiert und mich an der Akademie für Radiologietechnologie beworben. Ich wurde prompt aufgenommen und hatte dann Glück, dass der Beruf genau das ist, was mich glücklich und zufrieden macht. Ein Beruf, den ich bis zur Pension ausüben möchte.“ Die Ausbildung, die man mittlerweile an Fachhochschulen absolvieren kann, deckt das vollständige Spektrum der Radiologie ab. Parallelunterricht und diverse Praktika haben höchste Priorität, denn der B- eruf lebt von Routine. Besonders wichtig ist es, die unterschiedlichen Anlagen genau zu kennen und bedienen zu könne- n.


Blockaden öffnen

Das radiologische Leistungsangebot am Universitätsklinikum Tulln umfasst Magnetresonanztomographie, Computertomographie, An- giographie, Röntgen und Ultraschalldiagnostik. Die Angiographie am Standort Tulln wurde 2012 eröffnet und setzte einen wichtigen Schritt in der Etablierung eines Schlaganfallzentrums. Bei diesen radiologischen Verfahren werden in erster Linie Blutgefäße mittels Röntgenstrahlung und Kontrastmittel dargestellt. Dabei können Einengungen, Verschlüsse, Blutungen oder Anomalien der Arterien festgestellt werden. Hierzu wird das Gefäß mit einem injizierten Kontrastmittel sichtbar gemacht. Rizzis Spezialgebiet ist die Throm- bektomie. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Wiederöffnung von Blutgefäßen, zum Beispiel nach einem schweren Schlagan- fall. Das verschlossene Hirngefäß wird mithilfe von Draht und Katheter sondiert, bevor der Thrombus mit minimal invasiven Techniken abgesaugt oder direkt aus dem Gefäß gezogen werden kann. Mittlerweile ist die Technik der Thrombektomie so weit verfeinert, dass nahezu 90 Prozent aller Gefäße wieder geöffnet werden können. Das Universitätsklinikum Tulln ist eines von drei Häusern in Nieder- österreich, die diese Methode anbieten- .


Gratwanderung

Die ersten Berufsjahre als Radiologietechnologin verbrachte Rizzi am Standort Gugging, bis dieser 2007 nach Tulln übersiedelte. Die langjährige Erfahrung zeigte der Radiologietechnologin sowohl die schönen als auch herausfordernden Seiten des Berufsfeldes auf. Anstrengend und belastend sei die Arbeit vor allem durch die vielen Zusatzdienste, da sich nicht jeder Eingriff in der dienstplanmäßig vorgeschriebenen Zeit durchführen lasse. „Da braucht es tolle Kollegen, die den Rücken stärken und eine verständnisvolle Familie, die unterstützt und die fehlende Zeit kompensieren kann. Zum Glück habe ich beides“, strahlt Rizzi. „Es ist ein schmaler Grat zw- ischen starkem Einfühlungsvermögen und nötiger Distanz zu den Patientinnen und Patienten. Es muss uns gelingen, auch abschalten zu können, wenn der Dienst beendet ist.“ Besonders schön sei es daher zu sehen, wenn Patientinnen und Patienten von den Untersu- chungen profitieren und dabei gleich erfolgreich behandelt werden könne- n.


Spannende Vielfalt

Das Universitätsklinikum Tulln beschäftigt derzeit 24 Radiologietechnologinnen und -technologen. Zwei davon sind Marcus Doppler, BSc, und Daniela Berger, BSc. Beide haben ihr Studium am FH Campus Wien absolviert und sechs Wochen pro Semester in ver- schiedenen Kliniken Berufspraxis gesammelt. „Das Spannende an dieser Abteilung ist die stetige Abwechslung. Neben unterschied- lichen Diagnoseverfahren zählt zu unserem Berufsbild auch die Strahlentherapie und wir bekommen interessante Einblicke in die Nu- klearmedizin“, erzählt Berger- .

Zu den Tätigkeitsbereichen der Experten gehören die Vorbereitung, Durchführung und Qualitätssicherung aller radiologischer Meth- oden und Verfahren. Ionisierende und nichtionisierende Strahlung wird in Diagnostik, Therapie und bildgestützten Verfahren angewe- ndet. Die erhobenen Bilddaten werden von Radiologietechnologinnen und Radiologietechnologen dokumentiert und hinsichtlich ihrer Qualität laufend überprüft, bevor sie zur Befundung weitergeleitet werden können. Auch sind Radiologietechnologinnen und -technol- ogen in der Strahlentherapie mit der Durchführung von Bestrahlungen betraut. Die meisten Patientinnen und Patienten werden von Un- fallambulanz, Neurologie oder Intensivstation zu Untersuchungen in die Radiologie gebracht. Aber: „Fast jeder, der im Klinikum ist, kommt irgendwann einmal bei uns vorbei“, meint Doppler mit einem Zwinkern- .


Technische Helfer

Das Berufsfeld Radiologietechnologie befindet sich noch lange nicht in Stillstand – ganz im Gegenteil. Stetige Fortschritte und Neu- erungen in Medizin, Technik und künstlicher Intelligenz werden in den kommenden Jahren viele Veränderungen für Diagnostik und Therapie bedeuten. Ein Thema, das immer wieder auch Ängste vor einer entmenschlichten Medizin weckt. Hier geben die Radiologi- etechnologen Entwarnung. Denn: Computersysteme können Medizinerinnen und Mediziner nicht ersetzen, schaffen es aber, diese zu entlasten. Unter künstlicher Intelligenz versteht man lernende Maschinen, die in der Lage sind, ihre Aufgaben selbstständig und unter sich ändernden Bedingungen zu erfüllen. Der vermehrte Einsatz dieser Technologie wird sicherlich auch die Arbeitsabläufe für Radi- ologietechnologinnen und -technologen in Zukunft verändern- .

Für Erstdiagnosen schwerer Erkrankungen wie Krebs brauchen Maschinen aber weiterhin den Menschen als letzte Instanz. Dennoch hat künstliche Intelligenz gerade im Bereich der Diagnostik ein hohes Weiterentwicklungspotenzial und macht es möglich, diese um weitere Maßnahmen zu ergänzen. Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Patienten wie Walter B. künftig noch schneller untersucht, be- handelt und geheilt werden können.



Michaela Neubauer

Universitätsklinikum Tulln

Alter Ziegelweg 10

3430 Tulln

Tel.: 02272/9004-0

www.tulln.lknoe.at

Ausbildung Radiologietechnologin/

Radiologietechnologe


Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines Fachhochschulstudiums i- m

Anschluss an die Matura. Zahlreiche Fachhochschulen in ganz Österreich bieten den Studiengang an, darunter die FH Wiener Neustadt oder der FH Campus Wien. Studierende erhalten Expertise in radiologietechnologischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden und absolvieren umfangreiche Berufspraktika. Am Ende des sechs-semestrigen Studiums erhalten

Absolventinnen und Absolventen den akademischen Grad „Bachelor of

Science in Health Studies“ (BSc), inklusive Berufsberechtigung- .

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019