NATUR

FotoS: Werner Gamerith, theo kust, christoph leditznig, Werner Gamerith, Milos andera, Maurer, Foto: adobe stock/ lassedesignen

Kraft aus  der Natur



Das Wildnisgebiet Dürrenstein ist ein Urwald, der Tieren und Pflanzen

viel Lebensraum gibt.


„Waldbaden“ gilt als neuer angesagter Gesundbrunnen. Es ist ganz einfach: Hingehen und mit allen Sinnen spüren und aufnehmen.

Der Wald tut uns gut. Das wissen wir natürlich schon lange. Der Wald als Gesundheitsfaktor rückt in unserer stressgeplagten Gesellschaft verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Über das sogenannte „Waldbaden“, das in Japan „Shirin Yoku“ heißt und dort angeblich von den Krankenkassen bezahlt wird, gibt es einige Buch- Neuerscheinungen.

Dass der Wald für uns ein wahres Wundermedikament sein kann, belegen zahlreiche internationale Studien aus

verschiedenen Forschungsbereichen: Bäume, diese jungen und alten Riesen, die unsere Le- bensspanne deutlich übersteigen können, berühren unsere Seele und stärken unseren Kör- per.   Verantwortlich dafür sind laut diversen Studien vor allem sogenannte Terpene – Mole- küle, die von Bäumen abgesondert werden. Unser Immunsystem reagiert auf die Terpene mit einer deutlich messbaren Steigerung der Abwehrkräfte.


Gut für Herz und Seele

Das Walderlebnis kann aber auch bei Atem- und Lungenproblemen helfen, soll potenzielle Krebszellen zerstören und das Herz schützen. Den Wald mit allen Sinnen zu erleben hilft uns, Stress abzubauen und schützt damit vor einem Burnout.

Das bestätigt auch die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Heidi Weinkirn-Frohner aus Pyhra, die den Wald in ihren therapeutischen Angeboten regelmäßig nutzt. Sie rät Kindern und Erwachsenen, mit allen Sinnen und großer Achtsamkeit in den Wald zu gehen: „Waldba- den ist eigentlich ganz unspektakulär: Bleiben Sie einfach irgendwo im Wald stehen und tun – nichts. Machen Sie die Augen zu und hören einmal genau hin. Irgendwo knackt etwas, da und dort summt etwas, irgendwo hören Sie Vögel. Ein paar Minuten und Sie entspannen sich komplett.“


Mit allen Sinnen

Zum Waldbaden sollte man alle Sinne nutzen – hören, riechen, schmecken, sehen, spüren:

Ertasten Sie behutsam die verschiedenen Qualitäten der Moose und Flechten. Oder unter- schiedliche Baumrinden. Versuchen Sie, diese Rinden zu beschreiben, spüren Sie hin, auf welche Art die Rinde den Baum schützt.

Auch gut: Barfuß ein paar Schritte über den Waldboden gehen. Was spüren Sie? Was sticht?

Wie weich ist die Blätterschicht aus dem Vorjahr? Wie weit können Sie gehen, wenn Sie be- hutsam Fuß vor Fuß setzen? Oder Sie schließen die Augen und konzentrieren sich auf den Geruch des Waldes – wonach riecht das Blatt, der Baumstamm, der Zweig, die winzige Blüte?


Reiches Leben auf allen Ebenen

Setzen Sie sich auf den Waldboden und beobachten Sie, was sich da alles tut: Insekten, die herumkrabbeln oder -fliegen? Welchen Wegen folgen sie? Was tun sie? Futter suchen? Eine Unterkunft bauen? Und die Vögel? Haben Sie schon einmal Buntspechten bei kleinen Verfol- gungsjagden zwischen den Bäumen zugesehen? Oder sich gewundert, wie laut ihr Klopfen ist und dass sie so kraftvoll an den Bäumen arbeiten können? Haben Sie Waldmäuse beob- achtet? Oder größere Tiere des Waldes? Liegt Losung am Boden? Sehen Sie Spuren der Tiere? Schauen Sie einmal bewusst in die Baumwipfel – so hohe Bäume, ganz eigene Lebe- wesen mit einem Leben, von dem wir kaum etwas wissen, ständig dem Wetter ausgesetzt. Hoch oben ein eigenes Ökosystem. Spüren Sie ein wenig nach, was der Wald zu sagen hat. Das tut der Seele gut.


Viel Futter für die Fantasie

Heidi Weinkirn-Frohner ist es wichtig, dass man dem Wald gegenüber Respekt entwickelt und ihn als wertvolles Ökosystem betrachtet: „Nichts umreißen, nichts kaputt machen – und achtsam wahrnehmen, wer und was hier eigentlich wächst und lebt. Achtsamkeit ist der Schlüssel.“

Wenn sie mit Kindern den Wald entdeckt, ist sie immer wieder erstaunt, wie schnell diese sich im Wald selbst gut beschäftigen können, wenn man sie lässt. „Manche Kinder finden sofort Schätze aus der Natur, die ihnen gefallen und die sie sorgfältig sammeln.“ Kinder neh- men von sich aus plötzlich ganz viel wahr, entdecken Neues und spüren die Kraft der riesi- gen Bäume. Lässt man sie dann in Ruhe den Wald entdecken, genießen sie ihn mit allen Sin- nen. „Kinder brauchen keine Belehrungen, nur ein paar kleine Anregungen und Zeit – und eine Jause zur Stärkung zwischendurch. Dann ist das Walderlebnis einfach nur gut und stärkt die Seele.“ Und genauso wohl tut es auch uns – in jedem Lebensalter. Genießen Sie den Wald!


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019