GESUND & LEBEN kennen Birgit und Daniel Schlerith schon lange. Lesen erleichtert die Zeit unter Quarantäne.

FotoS: privat, Quellen: www.sozialministerium.at, www.aekwien.at

CORONAVIRUS SPEZIAL

Schluss mit Gerüchten!

Hamsterkäufe, Massenhysterie und abgesagte Veranstaltungen – das Coronavirus COVID-19 macht vielen Menschen Angst. Bir- git Schlerith aus Würnitz und ihre Familie sind selbst davon be- troffen. Im Interview mit GESUND & LEBEN berichtet sie über ihre Erfahrung.

Es sollte ein nettes Wiedersehen unter Freunden werden. Doch der gemeinsame Brunch endet für Birgit und Daniel Schlerith aus Würnitz (Harmannsdorf) mit einer Krankheit. Beide wurden mit dem Coronavirus COVID-19 infiziert. Im Gespräch mit GESUND & LEBEN räumt Birgit Schlerith mit Gerüchten auf und erzählt, wie es wirk- lich ist, selbst betroffen zu sein.


GESUND & LEBEN: Wie geht es Ihnen?

Birgit Schlerith: Mir geht es sehr gut. Mittlerweile gelte ich auch wieder als offiziell geheilt und gesund. Doch bei mir ist die Erkrankung zum Glück relativ harmlos ver- laufen. Vor zwei Jahren hatte ich eine schwere Lungenentzündung – da ging es mir richtig schlecht, da hat sogar meine Lunge geblubbert (lacht). Das Coronavirus fühlte sich lediglich wie eine leichte Bronchitis an. Mein Mann ist immer noch positiv,

hatte aber zu keiner Zeit Symptome.


Hatten Sie, als das Coronavirus publik wurde, Angst, selbst irgendwann betroffen zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich haben wir noch ein bisschen mehr darauf geachtet, die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Mein Desinfektionsmittel habe ich im Auto immer mit dabei. Für mich ist es aber egal, wie ein Grippevirus heißt. Man sollte zwar achtsam – aber keinesfalls hysterisch sein.


Wie haben Sie erfahren, dass Sie selbst infiziert sind?

Wir haben uns mit einem befreundeten Paar zum gemeinsamen Frühstück getroffen. Der Mann war noch vor allen Reisewarnungen bei einem Fußballspiel in Italien. Vermutlich hat er sich dort ange- steckt. Mein erstes Symptom waren Muskelschmerzen – nicht ungewöhnlich nach einem intensiven Training. Ich habe noch an einen Muskelkater gedacht. Dann kam Schüttelfrost hinzu. Am nächsten Morgen hat meine Freundin angerufen und erzählt, dass ihr Mann positiv getestet wurde. Da habe ich sofort meinen Mann, der gerade auf dem Weg in die Arbeit, und meine Tochter, die am Weg in die Schule war, zurückgepfiffen. Im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital wurden dann auch wir positiv getes- tet. Da hat das Behördenrad begonnen – wir haben alle Namen von den Personen genannt, mit de- nen wir in letzter Zeit Kontakt hatten. Das sind im Schnitt 150 Personen,

weil wir hauptberuflich Personal Trainings anbieten.


Wie wurden Sie ärztlich versorgt?

Ich habe Belastungsasthma, deshalb wurde ich zunächst vier Tage im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spi- tal betreut. Mein Mann war von Anfang an in häuslicher Quarantäne. Meine drei Kinder sind alle ne- gativ. Die zwei kleineren Kinder sitzen bei ihrem Vater den „Hausarrest“ ab, meine Große ist im ersten Stock – wir haben abgetrennte Wohnbereiche. Inzwischen warten wir nur noch darauf, dass auch mein Mann die geforderten zwei negativen Tests schafft.


Wovor hatten Sie am meisten Angst?

Um meine 73-jährige Mutter – wir sehen uns sehr oft. Ich hab sie angerufen und gesagt: „Geh nach- hause, bleib daheim und warte, bis du getestet wirst.“ Der Test war dann tatsächlich positiv, aber sie ist absolut symptomfrei, ihr geht es gut. Sie ist nun ebenfalls in häuslicher Quarantäne.


Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Unser Bürgermeister Norbert Hendler hat uns von Anfang an sehr unterstützt, auch Schule und Kin-

dergarten leisten tolle Aufklärungsarbeit. Aber wir haben auch viele Anfeindungen bekommen – meiner Tochter wurden anonyme SMS geschickt. Dafür gibt es schein- bar ein spezielles Programm. Sätze wie „Wegen euch sterben unsere Kinder“ oder „Warum habt ihr Corona in unser Dorf gebracht?“ hat sie da lesen müssen. Zu se- hen, wie verängstigt meine Tochter war, hat mir am meisten zu schaffen gemacht.


Was machen Sie momentan den ganzen Tag?

Mein Mann spielt leidenschaftlich gern Playstation (lacht). Ansonsten rätseln und le- sen wir viel. Ich studiere Fitnessökonomie und komme nun endlich zum Lernen, das ist der einzige Vorteil. Außerdem waschen wir sehr viel Wäsche, putzen und desinfi- zieren das Haus …


Wie geht es jetzt beruflich weiter?

Wie momentan die meisten Firmen liegt auch unsere brach. Das ist natürlich sehr belastend für uns. Wir wissen momentan noch nicht, wann wir wieder starten kön- nen. Noch dazu sitzen 80 Prozent unserer Kundinnen und Kunden gerade selbst als Sicherheitsmaßnahme in Quarantäne …


Was würden Sie den Menschen da draußen gerne sagen?

Ich will die Situation nicht verharmlosen oder so tun, als wäre nichts, denn Fakt ist, es geht um ein Virus, das sich schnell verbreitet. Meine Message ist aber, sich gut zu informieren und seinen Kindern die Krankheit genau zu erklären. Natürlich sollte man mit Bedacht handeln, aber wir helfen der Gesellschaft nicht, wenn wir andere

ausschließen, mit dem Finger zeigen oder schwachsinnige Gerüchte im Internet verbreiten. Stattdessen sollte man seine Hygiene- maßnahmen verstärken, also sich öfter die Hände waschen oder desinfizieren. Und aktuell natürlich die Maßnahmen der Bundesre- gierung einhalten und zuhause bleiben.


Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie die häusliche Quarantäne verlassen dürfen?

Auf die Trainings mit unseren Kundinnen und Kunden. Und darauf, mir die Laufschuhe anzuziehen und durch den Wald zu joggen. Das mache ich am liebsten.


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020