Text.

Das Bakabu-Kernteam: (v.l.) Manfred Schweng,  Arthur Lauber und Ferdinand Auhser

FotoS: Imre Antal

PORTRÄT

Mit Musik leichter lernen

Musizierende Kinder steigern ihre Leistungsfähigkeit beim Lernen um zehn Prozent, so eine Studie. Mit diesem Wissen

entwickelte ein Trio ein musikalisches Deutsch- Sprachförderprogramm mit dem Ohrwurm „Bakabu“. Rund 300.000 Kids üben bereits damit.

„Schon im Mittelalter haben die Mönche die Kinder singend unterrichtet. Sie sahen, dass es ihnen so mehr Spaß machte und sie sich dadurch Dinge leichter merkten“, erzählt Arthur Lauber. Und fügt hinzu: „Da habe ich mir gedacht: Warum

macht man das nicht mit der deutschen Sprache?“

Die Antwort auf diese Frage gab sich der Musiker schließlich selbst. Gemeinsam mit Liedermacher Manfred Schweng und Autor Ferdinand Auhser initierte er im Jahr 2014 das Projekt „Hör zu, Bakabu“. Der blaue Ohrwurm Bakabu mit roter Nase und dem Papierschiffchen am Kopf bringt bislang rund 300.000 Kindern die deutsche Sprache musikalisch näher. Dieses Sprachförderprojekt ist einzigartig im deutschen Sprachraum und begeistert sogar die Politik. So wurden Bücher und CDs für tausende Kindergärten und Schulen in Niederösterreich und in jüngster Zeit auch für alle Deutsch-Förderklassen in ganz Österreich angekauft.


Musizieren fördert die Gehirnentwicklung

Den ursprünglichen wissenschaftlichen Hintergrund zu diesem Projekt lieferte eine Untersuchung, erklärt Autor Ferdinand Auhser: „Die Erfolge von Kindern, die Musikinstrumente spielen oder singen, sind messbar.“ Er verweist auf die Forscherin Annemarie Seither-Preisler vom Zentrum für Systematische Musikwissenschaft an der Uni Graz, die zum Bakabu-Berater- stab zählt. Gemeinsam mit dem Heidelberger Neurowissenschafter Peter Schneider fand sie in einer Studie heraus, wie sehr das Musizieren die Gehirnentwicklung und damit das Lernen fördert. Demnach liegt die Leistung musizierender Kinder beim Lesen und Schreiben etwa zehn Prozent über jenem ihrer nicht musizierenden Alterskolleginnen und -kollegen. Sie empfiehlt daher, bereits für Kinder im Vorschulalter spielerische musikalische Trainingsprogramme anzubieten. Dies soll maßgeblich dazu beitragen, Sprachproblemen sowie späteren Lese-Rechtschreib-Problemen wie Legasthenie und Aufmerksamkeitsde- fiziten wie ADHS entgegenzuwirken.


Verknüpfen von Rhythmen und Wissenschaft

„Sprachliche Frühförderung durch Kinderlieder ist ja grundsätzlich nichts gänzlich Neues“, geht

Ferdinand Auhser ins Detail. Bei den Bakabu-Alben gebe es aber eine neue Form der Verknüpfung: „Hier wird Musik mit modernen Rhythmen und Liedtexten zusammengeführt, die den Alltag der Kinder behandeln und einem sprachwissen- schaftlichen Konzept folgen.“

Wie das funktioniert? Die Auswahl der Themen kommt aus der Praxis in Zusammenarbeit mit befreundeten Pädagogen, weiß Initiator Arthur Lauber: „Sie sagen beispielsweise: Wir hätten gerne ein Lied zum Aufräumen oder zu Begrüßungsformeln und wir versuchen das umzusetzen.“

„Die Lieder werden zwar nach diesen Themenvorgaben entwickelt, aber ganz wichtig ist hier noch die Sprachförderung“, ergänzt Liedermacher Manfred Schweng. Er arbeitet mit der Sprachwissenschafterin Barbara Rössl-Krötzl zusammen, um jeweils unterschiedliche Lernaspekte zu integrieren. „Meine Aufgabe ist es, aus diesem Paket an Anforderungen einen lusti- gen, einprägsamen Liedtext samt Musik – also Ohrwürmer – zu schreiben“, schmunzelt Schweng. Mit jedem Lied können schließlich ganz bestimmte Aspekte der deutschen Sprache geübt werden. Das beginnt bei einfachen Grußformeln und reicht über die Wochentage und Zahlwörter bis zu Fällen und Wortstellungen im Satz. „Das Besondere daran ist, dass das alles nebenbei geschieht. Man soll ja nicht merken, dass man lernt“, weiß Mastermind Arthur Lauber und ergänzt: „Die Kin- der machen mit Freude Musik und lernen die Dinge einfach automatisch mit. Der Spaß und die Freude am Singen stehen im Vordergrund.“


Land NÖ als Bakabu-Geburtshelfer

„Den Bundesländern hat die Idee, dass Sprachförderung durch Musik passieren kann, von Anfang an gut gefallen“, sagt Ferdinand Auhser. Die Lehrbücher wurden zuerst in NÖ und Wien, dann dem Burgenland, Kärnten und in Graz für alle Kin- dergärten angeschafft, teilweise auch in Vorarlberg. In den Volksschulen und vor allem in den Sonderschulen sind die Alben ebenfalls teilweise vertreten. Seit Kurzem sind sie zudem in 650 Deutsch-Förderklassen in ganz Österreich im Einsatz.

Neben dem Ursprungsprojekt, der Sprachförderung, wurde wegen der starken Resonanz eine neue Schiene mit Bakabu- Kinderbüchern ins Leben gerufen, erzählt deren Autor und Verleger Ferdinand Auhser: „Sie sollen der Leseförderung dienen und haben nicht diesen dezidierten pädagogischen Ansatz zur Sprachförderung.“ Dazu gibt es mittlerweile auch Hörbuch- CDs, die vom bekannten bayrischen Schauspieler Christian Tramitz eingelesen wurden.


Deutschen Sprachraum erobern

Wie geht es weiter? Wer Bakabu und seine Abenteuer im Weltraum erleben möchte, kann das noch in diesem Sommer tun. Sie sind im Rahmen der Kinderfestspiele Berndorf im Stadtsaal zu sehen. Der erste interaktive Bakabu-Wanderweg wurde erst kürzlich in Hochneukirchen im Rahmen der Landesausstellung in und um Wiener Neustadt eröffnet. „Derzeit sind bei uns noch zwei sehr große Projekte in der Pipeline“, sagt Arthur Lauber. Details könne er noch nicht nennen, da die

Verhandlungen nicht abgeschlossen wären. Nur so viel: Beide Projekte umfassen den gesamten deutschen Sprachraum und gehen in die Richtungen Hörbuch und TV.



Heinz Bidner

Das Bakabu-Kernteam


Arthur Lauber (75) initierte das Projekt Bakabu. Der Tullner komponierte zudem unter anderem Bühnenmusiken, Musi- cals und zirka 200 Filmmusiken – unter anderem zur TV- Serie Kaisermühlen-Blues. Er war zudem zehn Jahre lang Bühnenpartner und Komponist für die Lieder von Erwin Steinhauer.


Manfred Schweng (53) schreibt die Lieder und Texte zu Bakabu und produziert die Songs in seinem Tonstudio Soundgarden Vienna. Der Wiener hat schon für zahlreiche bekannte TV-Serien und Filme die passende Musik sowie Musicals komponiert. Er arbeitete außerdem mit Austro- pop-Größen wie der EAV, Ludwig Hirsch oder Rainhard Fendrich.


Ferdinand Auhser (36) erfand die Figur „Bakabu, der Ohr- wurm“, ist Autor  der Bakabu-Bücher und zugleich deren Verleger mit dem in Tulln ansässigen Vermes-Verlag. Von ihm stammt auch das Buch: Die Macht der Form – Ver- such einer dynamischen Ontologie.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019