Partnersuche

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Eine attraktive Frau Anfang 60: Doch

die Partnersuche gestaltet sich

für Ulrike K. schwierig.

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Helga H. hat mit 55 das erste Mal

geheiratet: „Es hat einfach

alles gepasst.

Foto: istockphoto/ Halfpoint , Daniela Führer, vg, istockphoto: alvarez, Andrey Popov

Später verliebt – länger glücklich?

Liebe ist die schönste nebensache der welt und hält Seele und körper gesund. Doch gerade mit 50 plus gestaltet sich die partnersuche oft gar nicht so einfach.

Seit zwei Jahren ist Ulrike K. auf Partnersuche. Die meiste Zeit davon online. Auf ihrem Pro- filbild steht sie am Grazer Schlossberg, im Hintergrund sieht man den Uhrturm. Sie trägt ein blaues T-Shirt, ihre schulterlangen Haare sind blond.

Eine attraktive Frau Anfang 60. Trotzdem geht es der Mostviertlerin so wie vielen anderen Frauen in ihrem Alter: Die Suche nach einem passenden Partner frustriert sie zunehmend.


Auf der Suche nach Liebe

Ein Drittel aller Singles ist über 60 Jahre alt. Der überwiegende Teil davon ist weiblich. Dazu passen verschiedene Statistiken: Die meisten Scheidungen erfolgen dann, wenn die Kinder 18 Jahre oder älter sind. Die Zahl der alleinlebenden Frauen steigt ab 50 ra- pide an. Und auch Männer leben ab 50 vermehrt allein. In einem gewissen Alter ist es schwieriger, einen Partner zu finden, sagt Mag. Sonja Langer, MSc, Psychotherapeutin in Haunoldstein. Manchmal trauert man noch um einen geliebten Menschen und hat un- bewusst Angst, jemanden zu verlieren. Oder man schafft es nicht, sich aus einer un- glücklichen Beziehung zu lösen. Ulrike K. ist 17 Jahre lang verheiratet, ehe sie sich im Jahr 2000 scheiden lässt. Ihre beiden Kinder sind damals 13 und 16 Jahre alt. Danach folgt eine kürzere und eine längere Beziehung. Bald darauf meldet sich Ulrike K. auf ei- ner bekannten Singlebörse an. Das sei zu früh gewesen, reflektiert sie heute.

Seither ist sie immer wieder auf diversen Singlebörsen unterwegs. Die Schnelllebigkeit

der Zeit macht der 61-Jährigen bei der Partnersuche zu schaffen. Diese „Klick und weg“ oder der abrupte Abbruch des Kontaktes ohne Begründung sind für Ulrike K. verletzend. Man wird so schnell ausgetauscht, ergänzt sie. Sonja Langer sieht die digitale Partnersuche als eine Möglichkeit des Kennenlernens. Allerdings sieht sie den zu langen virtuellen Austausch kritisch und rät daher: „Man sollte sich so schnell wie möglich in der realen Welt treffen. Durch das Hin- und Herschreiben ent- steht ein Bild im Kopf und das kann in weiterer Folge zu enttäuschten Erwartungen in der Realität führen.“Je häufiger man in der virtuellen Welt zulasten von Beziehun- gen in der realen Welt unterwegs ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gefühlte Einsamkeit zunimmt. Zwei Phänomene begegnen Menschen auf der Partnersuche im Internet: Zum einen sind es Personen, die sich selbst inszenieren. Trifft man sie in der Realität, folgt oft die Überraschung. Und dann gibt es jene Men- schen, die sich selbst nicht gut präsentieren können und unsicher agieren.


eigenes muster verstehen

Das Alter spielt für Ulrike K. eine wichtige Rolle bei der Partnersuche. „Männer im gleichen Alter suchen sich oft jüngere Frauen. Und ältere Männer sind nicht so flexi- bel.“  Gilt ein Mann in den Augen einer Frau ab 80 als alt, so werden Frauen von Männern ab 60 als älter empfunden. Ulrike K. wünscht sich eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit Werten wie Treue und Vertrauen. Obwohl sie ein abwechslungsrei- ches und glückliches Leben führt und viel mit Freundinnen unternimmt, fehlt ihr doch das „in den Arm genommen werden“. Besonders am Wochenende ist die Sehnsucht nach einem Partner groß. Ein normales Phänomen, sagt Psychothera- peutin Langer: „Eine Beziehung ist ein wesentliches Grundbedürfnis. Wir sind sozia- le Wesen.“ Ehe man sich aber in eine neue Beziehung stürzt, ist es ratsam, seinen

Rucksack an Lebensthemen genauer anzuschauen. Alle Beziehungen im Leben – angefangen bei den Eltern – prägen ein Leben lang. Und meist erlebt man in jeder Beziehung auch Verletzungen. Ist man im Inneren noch verletzt oder blockiert, klappt es meist mit einer Beziehung nicht. Denn: „Wir ziehen den Partner an, der zum aktuellen Stand unserer Entwicklung passt.“ Es ist hilfreich, sich sein eigenes Muster bei der Partnersuche anzusehen und versuchen zu verstehen, was dahinter- steckt. Denn eines muss man nicht: sich damit abfinden.


Wissen, was man will

Wie viele andere Frauen in ihrem Alter weiß Ulrike K. genau, wie sie sich einen zu- künftigen Partner vorstellt: Miteinander lachen, reden und Spaß haben ist ihr wichtig. Und Treue. Sie möchte Städtetrips und Ausflüge machen und wandern gehen. „Ich möchte das Leben genießen, jedoch keine großen Kompromisse mehr eingehen und mich schon gar nicht verbiegen. Zusammenziehen kann, muss aber nicht mehr sein. Ich muss nicht mehr Tag und Nacht mit jemandem zusammen sein“, sagt Ulri- ke K.

Gewisse Ansprüche, sagt Sonja Langer, steigen mit einer gewissen Lebenserfah- rung. Je unabhängiger, je moderner und je offener man ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man genau weiß, was man will. Grundsätzlich sei das et- was Gutes, sagt die Psychotherapeutin. Aber: „Ansprüche können auch einschrän- ken. Wer Scheuklappen aufhat, den behindern sie manchmal“, sagt Langer. Auch zu viele Wunschvorstellungen sind nicht hilfreich. Kompromisse sind etwas, das in jeder Beziehung eine Rolle spiele: „Ich muss mir bewusst machen: ‚Was will ich?‘. Und: ‚Womit könnte ich leben?‘“ Nicht nur im Außen, sondern auch im Inneren sollte es etwas geben, das man mit einem neuen Partner erleben möchte: Vielleicht fühlte man sich in vergangenen Beziehungen nicht wirklich geliebt. Oder das Sexualleben war nicht erfüllend bisher. Bei alldem gilt: „Je mehr ich mir meiner selbst bewusst bin, desto mehr weiß ich, was ich mir von meinem Gegenüber erwarte.“


Späte Beziehung

Geht man erst später im Leben eine feste Beziehung ein, gestaltet sich diese auf je- den Fall anders. Das weiß auch Helga H.: Die heute 55-Jährige lernte vor sechs Jahren im Job ihren Partner kennen, vergangenes Jahr wurde geheiratet. Ein großer Schritt, denn für sie ist es die erste Ehe. „Die letzten 20 Jahre habe ich mein Single- Leben sehr genossen, hatte kein Problem damit, allein tanzen zu gehen oder auf Ur- laub zu fahren. Natürlich habe ich dabei auch Männer kennengelernt, aber für eine feste Beziehung hat es meist nicht gereicht“, erinnert sie sich. Ganz anders verhält

es sich mit ihrem Mann Christian: „Es hat einfach al- les gepasst. Der Vorteil daran, erst später einen Part- ner zu finden, liegt darin, dass man genau weiß, was man will und was man sicher nicht mehr will – im Le- ben und in einer Beziehung. Dementsprechend kann man sich auch den Partner besser aussuchen“, sagt Helga H., die Mutter einer erwachsenen Tochter ist. Auch ihr Mann Christian hat bereits Söhne aus erster Ehe: „Kinder zu haben, die schon erwachsen sind, erleichtert die Partnerschaft enorm. Entschließt man sich in einer Beziehung dazu, ein Kind zu bekommen, so steht dessen Wohl natürlich an erster Stelle. Das kann aber auch dazu führen, dass man sich als Paar verliert oder sich neu finden muss, wenn die Kinder einmal außer Haus sind. Ist man aber nicht mehr mit der Erziehung beschäftigt, so kann man sich völlig auf die Partnerschaft einlassen und gemeinsam das umsetzen, was man sich schon lange vorgenommen hat“, sagt die Wienerin. Dennoch, ist sich Helga H. sicher, sind gute und funktionierende Beziehungen nicht an das Lebensalter geknüpft: „Es hat auch viele Vorteile, jünger seinen Lebenspartner zu finden. Zum Beispiel ist man in jungen Jahren oft noch toleranter. Man trägt viele Eigenheiten des Partners mit und passt sich einander leichter an. Das Wichtigste ist aber, dass man miteinander glücklich ist und lachen kann – dann spielt das Alter keine Rolle!“


Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2021