ZUCKER

FOTOS: Wild & Team Salzburg, istockphoto: Aja Koska, ewg3D

Raus aus der ZUCKERFALLE!

Das Leben ist kein Zuckerschlecken“, heißt es so schön. Sieht man sich die heimischen Speisepläne an, scheint das nicht ganz zuzutreffen: Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht konsumieren Herr und Frau Österreicher zwischen 38 und 55 Gramm Zucker pro Tag, im Jahr macht das eine Sum- me von bis zu 21 Kilogramm. Viel zu viel, wenn es nach Ärzten, Ernährungsberatern und auch der WHO geht: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nämlich maximal 25 Gramm Zucker täglich.


QUALITÄT & QUANTITÄT

„Es wäre falsch zu behaupten, dass Zucker allgemein schädlich ist. Zucker ist im Grunde nichts ande- res als Kohlenhydrate – und diese sind essenzielle Energielieferanten“, sagt Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser, Präsidentin der Österreichischen Diabetesgesellschaft. „Das Problem ist aber, dass wir viel zu viel an Saccharose, also einfachem Zucker oder Haushaltszucker, zu uns nehmen. Kohlenhydrate aus Brot oder Nudeln, am besten aus Vollkorn, würden als Energiestoffe völlig ausreichen, denn daraus kann der Körper selbst Glukose herstellen. Zusätzlichen Zucker benötigen wir nicht.“ Im Gegenteil: Er ist eigentlich völlig umsonst. Denn anders als Fette, Eiweiße oder komplexe Kohlenhydrate (wie eben in Vollkorn oder Gemüse) liefert Haushaltszucker keinerlei gesunden Mehrwert und ist somit nichts als leere Kalorien – um genau zu sein: vier Kilokalorien pro Gramm.


DIE SACHE MIT DEM INSULIN

Herkömmlicher Haushaltszucker wird aus Zuckerrüben und Zuckerrohr hergestellt. Er besteht aus den Einfachzuckern Fructose (Fruchtzucker) und Glukose (Traubenzucker). „Im Gegensatz zu komplexen Kohlenhydraten geht Glukose sehr schnell ins Blut über und lässt somit den Blutzuckerspiegel rasant ansteigen“, erklärt Kaser. „Die Folge ist eine große Menge an Insulinausschüttung und somit das Auf- kommen von Heißhungerattacken, die natürlich mit einer vermehrten Kalorienaufnahme einhergehen.“ Insulin ist das Hormon der Bauchspeicheldrüse, das dafür zuständig ist, die Zuckermoleküle aus dem Blut zu entfernen und sie in die Zellen und Organe einzuschleusen, die sie für die Energiegewinnung brauchen. Wird aber ständig und in großen Mengen dem Körper Süßes zugeführt, kann es zu Überge- wicht und einer sich langsam entwickelnden Insulinresistenz kommen, erläutert die Expertin. Aktuell sind in Österreich rund 800.000 Menschen an Diabetes Typ 2 erkrankt, die Dunkelziffer ist hoch, die Tendenz steigend. Neben Bewegungsmangel spielt bei Diabetes Typ 2 natürlich auch Übergewicht eine entscheidende Rolle, womit der süße Kreis zum Zucker wieder geschlossen wäre. Übergewicht und Diabetes gehen oft Hand in Hand. „Auch wenn Diabetes immer noch gerne als Lifestyle-Erschei- nung abgetan wird, muss klar sein, dass es sich um eine ernst zu nehmende Erkrankung handelt, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann.“ Ein zu hoher Zuckerkonsum kann auch noch andere Krankheiten verursachen, wie beispielsweise Karies, Bluthochdruck, ein metabolisches Syndrom oder eine Verfettung der Leber.


SIND ZUCKERALTERNATIVEN GESÜNDER?

Umso wichtiger ist es daher, stets ein kritisches Auge auf den persönlichen Speiseplan zu

werfen: Zucker befindet sich nicht nur in Mehlspeisen, Schokolade oder anderen Süßigkeiten, sondern auch in Fertigprodukten, Weißbrot, Bier, Ketchup, Frühstücks-Cerealien und in Fruchtjoghurts. „Die größten Zuckerfallen sind jedoch Limonaden und Fruchtsäfte“, betont Kaser.

Ein weit verbreiteter Irrglaube: Auch wenn er „natürlicher“ aussieht, ist brauner Zucker nicht gesünder als weißer Zucker. Bei braunem Zucker handelt es sich um Vollzucker aus der Zuckerrübe und um Vollrohrzucker aus dem Zuckerrohr. Beide Zuckerarten bestehen beinahe gänzlich aus Saccharose, der Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen ist bei braunem Zucker nur geringfügig höher. Und wie sieht es mit Zuckeralternativen aus? „Kokosblütenzucker, Zuckerrübensirup sowie Agaven- oder Reis- sirup haben einen hohen Zuckergehalt und sind daher nicht empfehlenswert“, stellt Kaser klar. Glei- ches gilt für Honig und Ahornsirup: „Beides besteht zum überwiegenden Teil aus Fructose und Gluko- se.“ Geht es um Süßstoffe beziehungsweise Zuckeraustauschstoffe wie Birkenzucker (Xylit), Erythrit oder Stevia, sieht die Sache schon anders aus: „Diese sind aus gesundheitlichem Standpunkt nicht schädlich. Sie imitieren den süßen Geschmack von Saccharose.“ Generell aber sollte man soweit als möglich auf jegliche Art von Zucker oder Süßungsvarianten verzichten, ist die Expertin überzeugt, denn: „Je häufiger wir Süßes zu uns nehmen, desto mehr steigt der Bedarf danach. Gleichzeitig stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein und wir merken gar nicht mehr, wenn ein Lebensmittel übersüßt ist.“


Stefan Stratmann

Österreich ist ein süßes Land: Der tägliche

Zuckerkonsum ist viel zu hoch. Weshalb es

wichtig ist, Zu- cker am Spei- seplan zu reduzieren.

erschienen in GESUND & LEBEN 10/2020