WEIHNACHTEN IM KLINIKUM

Weihnachten im Klinikum

Stille Nacht, heilige Nacht – oder doch nicht? Wie erleben die Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte, Küchen-Mit-arbeiter und Gipsassistenten, Hebammen und Betriebsfeuerwehrleute den Heiligen Abend in den NÖ Kliniken?

Möglichst wenig Kinder sollen am Heiligen Abend auf der Station sein – darum bemüht sich das Team rund um den Leiter der Kli- nischen Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum Tulln, Prim. Univ.-Prof. Dr. Hans Salzer: Jedes Kind, bei dem es möglich ist, soll das Fest zu Hause mit den Eltern feiern und, wenn nötig, danach zur Weiterbehandlung wieder ins Klinikum kommen. „Der 24. Dezember ist zwar bis etwa 14 Uhr der härteste Tag in der Ambulanz der Abteilung, aber am Heiligen Abend haben wir meist nur drei bis vier Kinder im Haus.“ Der härteste Tag? „Ich habe das Gefühl, manche Mütter schicken die Väter zu uns, wenn das Kind hustet, damit vor den Feiertagen abgeklärt ist, wie heikel der Husten ist“, schmunzelt Prim. Salzer.

In der Ambulanz der Kinderabteilung wird es abends dann wieder voller: „So um 21 Uhr kommen die ersten Familien mit Kindern mit Bauchschmerzen und Erbrechen. Diese Kinder wollten meist keinesfalls vor der Bescherung krank werden und haben es ge- rade noch so lange ausgehalten, bis das Christkind da war“, berichtet der Kinderspezialist.

Als er jung war und seine zwei Kinder noch klein, hat der warmherzige Arzt viele Weihnachtsdienste absolviert. Der 63-Jährige mag die ruhige Stimmung auch heute noch gern: „Alle freuen sich, einer unserer Haustechniker geht mit der Ziehharmonika auf alle Stationen, die Schwestern bringen was Gutes zu essen mit und wir nehmen uns Zeit, um uns mit den Kindern und ihren El- tern, die bei uns sind, zusammenzusetzen.“ Für die jungen Patienten gibt es eine kleine Bescherung unter dem Christbaum. „Es sind meist sehr kranke Kinder, und doch leuchten ihre Augen, wenn sie den hübsch aufgeputzten Baum sehen.“ Prim. Salzer ist sich sicher, dass sie aus Freude über die kleine Feier Kraft schöpfen fürs Gesundwerden.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Hans Salzer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kin- der- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum Tulln

Die Hebammen Friederike Sumpich, Victoria Seisenbacher und Katja Vielgrader sind am 24. Dezember gemeinsam im Nachtdienst auf der Geburtenstation im Landesklinikum Mödling: „Von den feiernden Famili- en weg in den Nachtdienst zu gehen ist erstmal nicht leicht, aber dann im Dienst ist das kein Thema mehr. Überall ist eine besondere Stimmung und jeder versucht diese Nacht so schön wie möglich zu gestalten. Wenn Zeit ist, setzen sich alle Mitarbeiter gerne zusammen, es entste- hen nette Gespräche und eine besondere Atmosphäre liegt in der Luft. Die werdenden Mütter und Väter sind natürlich gespannt auf ihr „Christ- kindl“ und für uns als Hebammen ist es etwas Besonderes, wenn zu die- ser Zeit ein Kind auf die Welt kommt. Mit manchen

Familien hat man noch Jahre Kontakt und hört wie sich das ‚Christkindl‘ entwickelt.“


(v.l.) Friederike Sumpich, Victoria Seisenbacher, BSc und Katja

Vielgrader, BSc, BA

Anna Pichler, Hebamme im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs, hatte die letzten beiden Jahre am Heiligen Abend Dienst. „An diesem Abend liegt immer eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Obwohl ich schweren Herzens von zu Hause wegfahre, ist es dann doch immer ein ganz be- sonderer Abend. Meist ist es sehr ruhig auf der Station, denn soweit es möglich ist, werden alle Patientinnen entlassen, um zu Hause mit ihren Familien zu feiern. Als ich letztes Jahr in den Dienst kam, warteten gleich zwei Überraschungen auf mich. Zum einen hatte mir eine Kollegin ein Päckchen hinterlegt – das war eine besonders liebe Aufmerksam- keit. Zum anderen erblickte kurz nach Mitternacht dann noch ein „Christ- kind“ das Licht der Welt. Obwohl jede Geburt auch für uns Hebammen immer einzigartig ist, so ist die Geburt eines Kindes in der Nacht des Heiligen Abends dennoch etwas ganz Besonderes. Es ist ein erfüllen- des Gefühl, wenn man dann nach diesem Dienst nach Hause fährt.“

Das „4-Mäderl-Haus“ – Manuela und Bernadette von der Geburtshil- festation und Elsa und Manuela aus dem Kreißsaal im Landesklinikum Wiener Neustadt – freut sich schon auf den Dienst am 24. Dezember: Sie haben selbst keine oder bereits erwachsene Kinder und möchten den Kolleginnen und Kollegen ermöglichen, das Weihnachtsfest zu Hau- se im Kreis der Familie zu feiern. Für Manuela auf der Geburtshilfestati- on ist es bereits der zehnte Weihnachtsdienst hintereinander und sie freut sich darauf, denn „auch bei uns ist an Heilig Abend weihnachtliche Stimmung angesagt“, erzählt sie. „Wir genießen beim geschmückten Christbaum gemeinsam eine Weihnachtsjause. Da bringt jede was mit und wir feiern mit den Hebammen unser eigenes Weihnachtsfest.“ Eine Hebamme ergänzt augenzwinkernd: „Sofern die Babys nicht genau an Heilig Abend beschließen, zur Welt zu kommen.“ Die Mitarbeiterinnen bringen den werdenden oder frischgebackenen Mamas ein bisschen Weihnachten ins Klinikum. „Die Papas und Geschwisterkinder dürfen an diesem Tag länger zu Besuch bleiben!“ Und das Christkind kommt auch für alle Baby-Christkinderl, die am 24. im Landesklinikum Wiener Neu- stadt das Licht der Welt erblicken, denn jedes Neugeborene erhält als Weihnachtsgeschenk ein selbstgestricktes Hauberl.


(v.l.) DGKP Bernadette Gremel, Hebamme Elsa Sagmeister, Hebamme Manuela Leitner, DGKP Manuela Bordakiewicz

Andrea Gruber ist stellvertretende Küchenleiterin im Landesklinikum Melk: „Ein Dienst an Heilig Abend, Christ- und Stefanitag ist etwas Be- sonderes. Der Speiseplan für die Weihnachtstage wird natürlich entspre- chend gestaltet, um ein kleines Festessen kredenzen zu können. Die Ta- bletts versehen wir mit Kärtchen und Weihnachtsgrüßen aus der Küche. Man spürt auch im Team an diesen Tagen, dass trotz der Routinearbei- ten eine besondere Stimmung in der ‚Küchenluft‘ liegt.“

DGKP Ursula Strak von der Station für Remobilisation im Landesklinikum Klosterneuburg erzählt: „Seit meine Kinder größer sind, habe ich mir oft den Dienst zu Weihnachten eingeteilt. Auf meiner Station, der Einheit für Remobilisation und Nachsorge, betreuen wir Patientinnen und Patienten, die nach schweren Krankheiten oder einem Knochenbruch wieder auf die Beine kommen sollen. In Erinnerung geblieben ist mir eine alte Dame, die nach einem Schenkelhalsbruch noch sehr viel Hilfe benötigte und daher an eine Entlassung vor Weihnachten nicht zu denken war. Traurig verabschiedete sie sich von ihrer Bettnachbarin, die die Feierta- ge bereits zu Hause verbringen konnte. Die Patientin erzählte viel von ihrer Familie, wie beschäftigt alle seien und dass die Angehörigen viel zu weit weg wohnen, um ihr einen Weihnachtsbesuch abstatten zu kön- nen. Stets sprach sie mit großem Respekt und Verständnis von ihrer Fa- milie. Wie sehr haben die Augen der Dame geglänzt, als am Nachmittag des 24. Dezember die Türe des Krankenzimmers aufging und die Ange- hörigen mit einem Teller Weihnachtskekse vor ihr standen! Wir freuten uns mit der Patientin, schoben den Lehnsessel zum Stations-Christbaum und den Tisch für die Familie dazu und beobachteten mit großer Freude diese berührende Szene. Heuer verbringe ich den Nachmittag des 24. Dezembers mit meinen Enkelkindern und gehe abends in den Nachtdienst.“

Hebamme Cornelia Ablasser von der Klinischen Abteilung für Gynäkolo- gie und Geburtshilfe im Universitätsklinikum St. Pölten: „Der Dienst am Heiligen Abend ist immer mit einer eigenen Stimmung gekennzeichnet. Es kehrt, trotz geschäftiger Adventzeit, Ruhe ein und jedes Baby, das sich an diesem Tag/in dieser Nacht entschließt, geboren zu werden, hat schon eine besondere Geschichte zu erzählen und feiert sein Leben lang Geburtstag mit der ganzen Welt! Außerdem schließt ein Weih- nachtsdienst das gemeinsame Feiern mit der Familie nicht aus - nach 19 Uhr bleibt noch genug Zeit, den Heiligen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.“

Alle Jahre wieder begleitet Pflegedirektor Robert Eberl die Weihnachts- engerl durchs Klinikum: „Ein besonderes Fest im Landesklinikum Waid- hofen/Thaya ist für mich alljährlich die Patientenweihnachtsfeier am Hei- ligen Abend. Kinder, als Weihnachtsengerl verkleidet, ziehen, begleitet von einem Chor, von Station zu Station und bringen musikalische Weih- nachtsgrüße sowie kleine Geschenke an jedes Patientenbett. Dabei ver- breitet sich die weihnachtliche Stimmung im ganzen Haus und es ist im- mer sehr schön zu beobachten, wie sichtlich berührt die Patienten von diesem Besuch sind. Das sind für mich besonders berührende Momente in unserer sonst so hektischen Zeit. Ein Brauchtum, das Geborgenheit und Freude auch jenen vermittelt, die nicht im Kreise ihrer Familie feiern können.“

Lukas Weninger, Betriebsfeuerwehr Landesklinikum Baden: „Ich arbeite seit 2017 hier. Heuer ist mein erster Dienst an Heilig Abend. Ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern, bei denen das Christkind schon am 24. Dezember in der Früh kommt. Zu Mittag trifft sich die ganze Fa- milie zum gemeinsamen Weihnachtsessen und am Abend werde ich dann in den Dienst gehen. Somit können meine Kameraden, die übli- cherweise am Abend Weihnachten feiern, diese Zeit bei ihren Familien verbringen. Erfahrungsgemäß ist es zu Weihnachten immer sehr ruhig im Klinikum, aber es wird bestimmt eine besondere Stimmung herrschen.“

Gerald Labschütz, Küchenleiter-Stellvertreter im Landesklinikum Stockerau:

„Nach dem Trubel im Advent freue ich mich schon auf die etwas ruhige- re Zeit zu den Weihnachts-Feiertagen. Um unseren Patienten etwas Weihnachtliches bieten zu können, kochen wir für sie traditionelle Menüs wie gebackenen Karpfen oder Stephaniebraten und selbstgemachte Weihnachtskekse. Wir hoffen, damit einen kleinen Beitrag zu leisten, um sie für einen kurzen Augenblick den Krankenhausalltag vergessen zu lassen. Wenn es die Zeit zulässt, setzt sich das Küchenteam nach dem Ausspeisen zusammen und genießt ein paar besinnliche Minuten. “

Zur Weihnachtszeit herrscht im Landesklinikum Hainburg ein ganz ande- rer Stress, berichtet Hebamme Susanne Körber: „Wenn ein Kind erwar- tet wird zu dieser Zeit, sind die Frauen  zwar gut organisiert und bereiten akribisch alles vor, aber die Sorge ist groß, ob das Kind ausgerechnet am Heiligen Abend kommt oder ob man die Weihnachtszeit im Klinikum verbringen muss. Eine Geschichte erzählen wir den Frauen gerne: Eine Frau bekommt am 24.12. ihr erstes Baby. Zwei Jahre später nimmt die- selbe Hebamme die Frau erneut an Heiligabend zur Geburt ihres zwei- ten Kindes auf. Es gibt natürlich kein Weihnachten mehr, ohne an diese Familie zu denken. “

Rudolf Rausch, Küchenmitarbeiter im Landesklinikum Gmünd, bekochte schon öfter am Heiligen Abend die Patientinnen und Patienten, Mitarbei- terinnen und Mitarbeiter und die Konsumenten von Essen auf Rädern: „Am Heiligen Abend ist die Stimmung in der Küche anders als sonst und der Dienst unterscheidet sich von den Übrigen. ‚Weihnachtsduft liegt in der Luft‘ könnte man sagen. Bei der Gestaltung des Speiseplans für die Feiertage legen wir viel Wert darauf, unsere Patientinnen und Patienten, die das Weihnachtsfest bei uns im Haus verbringen müssen, mit beson- deren Schmankerl zu verwöhnen. Dabei dürfen natürlich auch unsere selbst gebackenen Weihnachtskekse nicht fehlen. Am Heiligen Abend bekommen wir auch öfter Anrufe von Menschen, die unser Essen über die Aktion ‚Essen auf Rädern‘ beziehen oder wir erhalten geschriebene Botschaften von unseren Patientinnen und Patienten auf Papierserviet- ten. Sie bedanken sich für das gute Essen und wünschen uns Frohe Weihnachten. Das freut uns dann ganz besonders und wir wissen, dass uns viele Menschen auch an diesem Abend brauchen.“

Gerald Prankl, Gipsassistent im Landesklinikum Scheibbs: „Es ist immer wieder etwas ganz Besonderes, am Heiligen Abend Dienst zu haben. Im ganzen Krankenhaus herrscht eine besondere Atmosphäre, obwohl auch an diesem Tag anstrengende Arbeit und Stress für uns dazugehö- ren. Wir versuchen, den Patienten etwas Weihnachtsstimmung zu ver- mitteln. Vor allem Kinder und ihre Angehörigen sowie alleinstehende, äl- tere Patienten liegen uns dabei am Herzen. Es ist für uns sehr schön, die Dankbarkeit der Patienten zu spüren. Besonders ist auch, wenn Zeit bleibt, sich mit Kollegen zusammenzusetzen und etwas zu feiern. Dabei lassen wir dann das vergangene Jahr nochmals an uns vorbeiziehen und erinnern uns an Erlebnisse. Auch heuer wird für mich dieser Nacht- dienst wieder etwas Einzigartiges werden, auf das ich mich freue.“

Ulrike Eigenberger vom Reinigungspersonal im Landesklinikum Hoch- egg: „Seit einiger Zeit arbeite ich in der Reinigung im Landesklinikum Hochegg. Mein bevorzugter Bereich ist die IMCU/RCU mit Menschen im Wachkoma, da die Lebenseinstellung täglich zu etwas Besonderem wird. Durch diesen Bereich erlebe ich Weihnachten wieder ganz anders: Sinnvoller, bewusster und ich schätze das eigene Leben sowie die Tat- sache, Familie zu haben und gesund zu sein, wieder mehr. Das Schick- sal bestimmt unseren Weg und deshalb sollte uns allen bewusst sein, wie wertvoll unser Leben ist. Gerade zu Weihnachten sollten wir über die Sinnhaftigkeit nachdenken und die materielle Wertigkeit etwas zurück- setzen, denn es gibt Menschen, deren einziger Wunsch ist es, noch ein wenig zu leben.“

OÄ Dr. Erika Lehner von der Abteilung Geburtshilfe- und Frauenheilkun- de im Landesklinikum Amstetten: „Der Weihnachtsdienst ist gerade auf der geburtshilflichen Abteilung etwas Besonderes, da man der eigentli- chen Bedeutung des Weihnachtsfestes sehr nahekommt. So freuen wir uns natürlich über jedes „Christkindl“, das an diesem Tag das Licht der Welt erblicken darf. Wie jedes Jahr versuchen wir, die diensthabenden Ärzte, Hebammen und Schwestern, diesen Tag gebührend zu feiern. Wenn dann doch etwas Ruhe einkehrt und es die Zeit erlaubt, versam- meln wir uns im Dienstzimmer zu einem gemeinsamen Essen. Weih- nachtskekse und auch Weihnachtslieder dürfen da nicht fehlen. Beson- ders aufmerksam empfinde ich, dass spät abends unser Betriebsrat je- dem Angestellten ein kleines Präsent überreicht.“

OÄ Dr. Adrienne Majan, Abteilung Innere Medizin im Landesklinikum Hollabrunn: „Ein schön geschmückter Weihnachtsbaum im Eingangsbe- reich stimmt auf die Weihnachtszeit ein. Dankenswerterweise besuchen jedes Jahr Schülerinnen und Schüler der NMS Göllersdorf in der Vor- weihnachtszeit unser Klinikum – unter anderem auch unsere onkologi- sche Ambulanz – und verbreiten weihnachtliche Klänge in den Spitals- gängen. Dabei ist es immer wieder schön zu sehen, wie die Jugendli- chen mit ihren wunderbaren Weihnachtsliedern und selbstgebastelten Geschenken Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter erfreuen und ein Strahlen in deren Gesichter zaubern.“

Prim. Eckhard Wildling, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Inten- sivmedizin, Landesklinikum Korneuburg:

„Ein älterer Patient erlitt eine sehr schwere Erkrankung, musste eine Operation über sich ergehen lassen und lag für mehrere Wochen auf der Intensivstation.  Aufgrund seiner Gesamtsituation war er desillusio- niert und depressiv – es schien, als sei bei ihm jeder Funken Lebenswil- le erloschen. In meinem Dienst zu Heilig Abend hatte die Mannschaft, die den Patienten seit vielen Wochen betreute, die Hoffnung, ihn wieder in sein gewohntes Leben entlassen zu können, längst verloren.  In mei- ner Verzweiflung kam mir die Idee, mit dem Patienten mit einem Glas Sekt anzustoßen, um ihm zumindest den Hauch von Weihnachten ver- mitteln zu können. Mir ist das Leuchten in seinen Augen und die Verän- derung seiner Gesichtszüge noch sehr gut in Erinnerung. Es war wohl dieses Erlebnis von kleinen Vergnügungen, das die Lebensgeister bei diesem Patienten wieder erweckte. Er ist die nächsten Tage komplett aufgeblüht, hat sich rasch von der Physiotherapeutin mobilisieren lassen und konnte sehr bald auf die Normalstation entlassen werden.“

DGKP Margit Maier, Station Interne 1 im Landesklinikum Zwettl:

„Zu Weihnachten ist es auf der Station Interne 1 im Landesklinikum Zwettl tagsüber sehr turbulent, da noch viele Patienten entlassen wer- den. Es bleiben nur jene im Haus, die wirklich sehr krank sind. Gegen Nachmittag beruhigt sich die Situation dann und der Weihnachtsfrieden kann einkehren. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre zu spüren und alle sind einfach herzlich. Leise Musik im Hintergrund macht dann auch ei- nen Nachtdienst auf der Station am Heiligen Abend schön.“


Auf der Internen Station im Landesklinikum Zwettl: (v.l.) Dr. Emanuel Ne- mes, Stationsschwester DGKP Maria Traunfellner, DGKP Margit Maier und Dr. Martina Komendova

Lisa Berger ist Dipl. Sozialpädagogin in der Kinder- und Jugend-Psych- iatrie und -Psychologie im Landesklinikum Mauer: „Als Sozialpädagogin- nen sind wir am Heiligen Abend selbst nicht im Dienst, weshalb wir ver- suchen, den Kindern und Jugendlichen die Vorweihnachtszeit so schön wie möglich zu gestalten. Wir basteln gemeinsam Adventskalender, um vor allem den Kleinsten Raum für die Vorfreude auf das Christkind zu geben. Wir singen gemeinsam, backen Kekse, dekorieren die Station und zieren die Christbäume. Wir geben damit den Patientinnen und Pati- enten ein Gefühl von Geborgenheit und Normalität. Sie sollen Weihnach- ten möglichst zu Hause feiern können, trotzdem verbringen manche auf- grund ihres psychischen Zustands den Abend auf der Station. Ihnen wollen wir das Fest zu etwas Besonderem machen, weshalb wir für jede und jeden ein persönlich abgestimmtes Geschenk kaufen und verpa- cken, das dann am Heiligen Abend unter dem Weihnachtsbaum liegt. Der Heilige Abend wird vom Pflegepersonal mit Jause und Bescherung liebevoll und altersgerecht gestaltet. Im Advent bereitet das gesamte Team der KJPP eine kindgerechte Weihnachtsfeier mit Krippenspiel, Ge- dichten, Spielen, Musik und anschließendem Punschtrinken vor. Die Stimmung an diesem besonderen Tag ist unvergleichlich und berührt mich jedes Jahr aufs Neue. Der Zusammenhalt des interdisziplinären Teams und die Freude in den Augen der Kinder und Jugendlichen lässt einem stets bewusst werden, weshalb man seine Arbeit macht und liebt.“

Ass. Dr. Karl Gspandl, Notarzt und Anästhesist, Landesklinikum Mistel- bach-Gänserndorf:

„Vor neun Jahren habe ich mit der Arbeit im Klinikum begonnen und seither einige Nachtdienste zu Weihnachten – auch als Notarzt – geleis- tet. Im Freundeskreis und in der Verwandtschaft löst das meist Bedauern oder Unverständnis aus. Die Ambulanzen sind erfahrungsgemäß gut be- sucht und die Stationen belegt. Auch der Notarzt wird regelmäßig ange- fordert. Dennoch gibt es immer wieder Momente der Besinnlichkeit und des Frohsinns: Bei der Dienstübergabe erzählt man sich noch die eine oder andere Anekdote, vielleicht wird man beim Engerl-Bengerl-Spielen mit einem originellen Geschenk überrascht, der dramatisch angekündig- te Notarzteinsatz stellt sich als Bagatelle heraus oder man sinniert mit einem Patienten, wie Weihnachten früher war. Ein besonderer Moment am Abend ist für mich, wenn es die Dienstmannschaft schafft, sich im Sozialraum einzufinden, um gemeinsam zu essen. In den letzten Jahren haben wir ein Raclette-Essen organisiert, bei dem jeder etwas beisteuer- te. Stark in Erinnerung bleibt mir ein Einsatz, bei dem wir in einer kleinen Ortschaft nahe Mistelbach erfolglos reanimiert haben: Die Enkelkinder wollten den Großvater zum Weihnachtsessen abholen und fanden ihn am Boden liegend vor. Das hat mich persönlich berührt, denn ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinem eigenen Großvater.“

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2019