nachhaltigkeit

Foto: istockphoto/Phoenixns

Ein Schatz im Schrott

Elektrische Geräte gehören seit Jahren zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken.

Das Vorgängermodell verstaubt dann oft im Keller – dabei sind darin wertvolle Rohstoffe wie Gold oder Kupfer enthalten.

In der Küche duftet es nach Punsch und Weihrauch. Leise Weihnachtsmusik erklingt im Hintergrund. Dann geht die Tür auf – und jeder erblickt den leuchtenden Christbaum und die bunt verpackten Geschenke. Jedes Jahr aufs Neue gilt es zu überlegen, wo- mit man seinen Liebsten eine Freude machen möchte. Ganz vorne mit dabei: Elektrogeräte wie Smartphones, Kaffeemaschinen und Co.


Zeit statt Zeug

Es sind auf der einen Seite Haushaltsgeräte und auf der anderen Seite die Unterhaltungs-elektronik, die seit Jahren zu den Top- 10-Weihnachtsgeschenken gehören. Fast jedes elektrische Geschenk ersetzt ein altes Gerät. Statt es auf dem Dachboden oder im Keller verstauben zu lassen oder falsch zu entsorgen, kann man die alte Kaffeemaschine oder das Handy aber weiterverkau- fen oder verschenken. Auf der Tauschplattform „sogutwieNEU“ des Landes NÖ und des Umweltverbandes gibt es niederöster-

reichweit die Möglichkeit, alte Geräte oder auch Geschenke, die nicht den Ge- schmack des Beschenkten getroffen haben, anzubieten. Die größte Herausforde- rung entsteht aber meist bereits vor dem großen Fest: Nämlich dann, wenn es dar- um geht, was man überhaupt schenkt. Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie verschenken sollen. Denn die Freude an einem Gegenstand währt manchmal nicht lange: „Erlebnisse sind bessere Geschenke. Sie bleiben viel länger positiv in Erin- nerung. Die Wirkung der geschenkten Dinge verblasst im Gegenzug dazu sehr schnell“, sagt Manfred Mader. Er gründete 2018 „EnoughStuff“, einen Onlineshop für sinnvolle Geschenke. Und möchte dazu anregen, Zeit statt Zeug zu verschen- ken. Daher findet man auf der Homepage nur Dienstleistungen und keine materiel- len Geschenke. Gerade für Kinder sei ein gemeinsamer Ausflug ein Erlebnis, das noch lange im Gedächtnis bleibt. Das kann ein Gutschein für eine Erlebniswande- rung sein, für einen Kräuterworkshop oder eine Rätseljagd.


Wertvolle Rohstoffe

Zurück zu elektrischen Geschenken: Wer sein altes Elektrogerät gerne loswerden möchte, kann das bei insgesamt 2.000 kommunalen Sammelstellen in Österreich tun. Sie verfügen über sogenannte ReUse-Bereiche, wo noch funktionierende Altge- räte zur Wiederverwendung abgegeben werden können. 18.300 Tonnen Elektro-

schrott werden in Niederösterreich pro Jahr gesammelt. Was schon sehr viel klingt, nimmt weltweit noch viel größere Dimensionen an: 53,6 Millionen Tonnen sind es nämlich zurzeit. Tendenz steigend: In den nächsten zehn Jahren wird der Elektroschrott auf 74 Millionen Ton- nen wachsen. Gründe dafür gibt es einige: Einerseits herrscht eine hohe Konsumbereitschaft vor. Andererseits ist die Lebensdauer eines elektrischen Produktes immer kürzer. Und repa- rieren lässt sich mittlerweile das Wenigste. Um all die Elektrogeräte recyceln zu können, müs- sen sie getrennt gesammelt werden – das geschieht jedoch nur bei der Hälfte des Elektro- schrotts in Österreich. Der Rest wird auf dem Dachboden oder im Keller aufbewahrt, landet im Restmüll oder bei illegalen Altstoffsammlern, die die wertvollen Rohstoffe der Geräte im Ausland weiterverkaufen. Denn im alten Kühlschrank, im alten Handy oder im alten Mixer ver-

stecken sich Rohstoffe wie Eisen, Aluminium, Kupfer und Gold. Um sie wiederverwenden zu können, muss der Elektroschrott in Sammelstellen entsorgt werden. Denn neben den wertvollen Rohstoffen sind auch gefährliche Bestandteile wie Lithiumbatterien enthalten, die hochexplosiv sind. Sie werden entnommen und sicher entsorgt. Aus den gewonnenen Rohstoffen werden wieder neue Smartphones, Bildschirme oder Kühlschränke hergestellt.


Holz statt Plastik

Für viele elektrische Weihnachtswünsche finden sich nachhaltige Alternativen: Anstatt Kindern blinkendes und singendes Plastik- spielzeug zu schenken, kann man auf die Holz-Variante zurückgreifen. Das ist auch gesünder, denn im Vergleich zu Plastik sind darin keine Schadstoffe enthalten. Und auch versteckte Batterien enthält ein Spielzeug aus Holz nicht. Wer unbedingt ein neues Smartphone verschenken möchte, kann sogar das auf eine nachhaltige Art und Weise tun: Nämlich in Form eines Fairphones. Seit 2013 produziert ein niederländisches Unternehmen fair produzierte und nachhaltige Smartphones. Besonders beliebt sind zu Weihnachten auch Kaffeemaschinen. Meist dreht sich hier alles um vollautomatische Pad- und Kapselmaschinen. Ihre Lebens- dauer ist meist begrenzt und letztere Varianten produzieren viel Müll. Alternativen dafür sind die Mokkakanne oder die sogenannte French Press, eine Pressstempelkanne. Sie kommen ohne jegliche Elektrik aus und benötigen lediglich kurz eine Herdplatte oder einen Wasserkocher. Auch Müll produzieren beide Varianten nicht. Kurzum: Es muss nicht unbedingt ein elektrisches Geschenk unter dem Christbaum liegen. Und wenn doch, dann sollte auch der Vorgänger ein würdiges Plätzchen finden.


Daniela Rittmannsberger

        Nachhaltig denken & schenken

• Verkaufen, tauschen & verschenken:

www.noe.gv.at/noe/Abfall/

So_gut_wie_neu.html

• Erlebnisse schenken: www.enoughstuff.at

• Geschenktipps für eine grünere

Zukunft: www.fairschenkt.at

• Elektrogeräte umweltgerecht

entsorgen: www.elektro-ade.at

• Nachhaltige Smartphones:

www.fairphone.com

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020