NETZWERK FAMILIE

»Netzwerk Familie« unterstützt Schwangere und Familien in herausfordernden Situationen.

FOTOS:NZFH.at / M. Bruckmüller, »tut gut«

GESUND AUFWACHSEN

Das Leben mit einem Kind bringt viel Freude. Es kann aber auch verunsichern und überfordern. Das Team von »Netzwerk Familie« steht zur Seite – vertraulich und kostenlos. Im Vordergrund ste- hen Frauen während der Schwangerschaft und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren. Denn man sollte möglichst früh ansetzen: Studien bestätigen, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen in der frühen Kindheit wesentlich dazu beitragen, damit sich Kinder gut entwickeln können. Seit mittler- weile fünf Jahren gibt es das »tut gut«-Programm »Netzwerk Familie«, ein Angebot zu Frühe Hilfen. Das Angebot besteht derzeit in den Bezirken Krems, St. Pölten und Tulln. »tut gut«-Familienbeglei- terinnen helfen in belastenden Situationen dabei, die richtigen Anlaufstellen in der Region zu fin- den. Sabine Holzinger-Grath ist »tut gut«-Familienbegleiterin und fachliche Leiterin von »Netzwerk Familie«. GESUND & LEBEN hat sie zu einem Interview getroffen.


Wie würden Sie eine typische, schwierige Situation beschreiben?

Wenn wir von Familien kontaktiert werden, gibt es meist irgendeine Form der Belastung. Sie benöti- gen beispielsweise Unterstützung bei administrativen oder organisatorischen Dingen. Oft gibt es Anzeichen von Überforderung und Ängsten. Es können aber auch Unsicherheiten im neuen Famili- enalltag mit dem Baby sein.


Wie sieht ein klassischer Familienfall aus?

Es gibt:

die alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern, die wegen der finanziellen Situation stark be- lastet ist und gleichzeitig noch ein besonderer Förderbedarf bei einem Kind besteht

die verheiratete Mutter mit einem frühgeborenen Baby und einem Kleinkind, die nach der Geburt eine postpartale Depression entwickelt hat und wegen ihres Spitalaufenthaltes das ganze Familien- system „kopfsteht“

die junge Mama, die schon während der Schwangerschaft von ihrem Freund verlassen wurde und keine Unterstützung von ihrer Familie hat

aber auch den alleinerziehenden Vater, der nach dem Tod seiner Frau Begleitung und Hilfe bei der Bewältigung seines Alltags benötigt

Die Beispiele könnte ich weiterführen, alle sind vielfältig und jede Familie einzigartig.


Wie schaffen Sie es, einen guten Draht zur Familie aufzubauen?

Wichtig ist bei allen Besuchen, dass eine gute Vertrauensbasis aufgebaut wird. Das ist die

Voraussetzung, damit Hilfe und Unterstützung überhaupt angenommen werden können. Erst wenn sich die Situation stabilisiert hat und die Familie gut alleine zurechtkommt, verabschieden wir uns.


Welches Netzwerk steckt hinter »Netzwerk Familie«?

Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit unserem großen Netzwerk. Dies ist wichtig, damit uns überhaupt Familien zugewiesen werden bzw. Familien auch von dem Angebot erfahren. Das Netz- werk reicht von Kliniken,

Ärztinnen und Ärzten, Hebammen, Kinder- und Jugendhilfen, sozialen Vereinen bis hin zu

Therapeutinnen und Therapeuten.


Die Arbeit als Familienbegleiterin ist psychisch fordernd. Woher holen Sie sich die nötige Kraft?

Eine begleitete Mutter hat einmal bei einem Termin zu mir gesagt: „Ich freue mich so, wenn ich Sie sehe. Das ist ein Lichtblick für mich!“ Dieser und ähnliche Sätze sind für mich Freude und Ansporn und stärken mich in meinem Tun. Die Kraft, die ich für diese Tätigkeit benötige, hole ich mir bei meiner Familie, meinen Freunden und im Austausch mit meinen Kolleginnen.

erschienen in GESUND & LEBEN 10/2020