Eisenmangel

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Nichts zu bemängeln?

Hinter Müdigkeit, Schwindel oder Blässe verbirgt sich häufig ein Eisenmangel.

Frauen sind besonders gefährdet.

Fast jede Zelle unseres Körpers benötigt Eisen. Das Spurenelement ist essentiell für die Bildung der roten Blutkörperchen, dem Hämoglobin. Dieses spielt eine entscheidende Rolle im Sauerstofftransport und im Kohlendioxidabtransport. Bekommt der Kör- per zu wenig Eisen, kann eine Anämie (Blutarmut) mit schwerwiegenden Folgen entstehen. Auch für die Entwicklung des Zen- tralnervensystems und für die schnelle Weiterleitung von Reizen ist Eisen entscheidend. „Außerdem weiß man mittlerweile, dass auch Immunzellen zur Produktion von Enzymen Eisen benötigen. Sprich: Wenn unsere Eisenversorgung nicht stimmt, kann auch das Immunsystem nicht optimal arbeiten“, sagt Dr. Doris Gapp, Ärztin für Allgemeinmedizin und Eisenspezialistin in Wien.

Obwohl das Spurenelement lebensnotwendig ist, wird es nicht vom Körper selbst produziert und muss daher mit der Nahrung zugeführt werden. Doch das passiert oft zu wenig, wie die Statistik belegt: Denn Eisenmangel ist die weltweit häufigste Mangel-

erkrankung. „Es gibt vier Hauptursachen: Verlust, unzureichende Zufuhr, eine gestörte Aufnahme über den Darm und einen höheren Verbrauch“, erklärt Gapp. Im Durch- schnitt sind es etwa 15 mg Eisen, die der Körper täglich benötigt – der tatsächliche Be- darf richtet sich aber nach Alter, Geschlecht und Lebenssituation. Frauen im gebärfähi- gen Alter sind besonders häufig von einem Mangel betroffen, da sie während der Menstruation viel Eisen verlieren. Und auch Schwangere haben ein hohes Risiko, be- tont Gapp: „Der Bedarf an Eisen steigt im Verlauf der Schwangerschaft etwa um das Siebenfache an. Das bedeutet, dass Frauen, die noch am Beginn der Schwanger- schaft normale Werte hatten, gegen Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Mangel aufweisen. Daher ist es wichtig, die Eisenwerte, allen voran das Ferritin, regelmäßig während der Schwangerschaft zu bestimmen – auch wenn dieser Wert leider noch im- mer nicht in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen wurde.“ Darüber hinaus können auch die Einnahme bestimmter Medikamente, Magenoperationen oder Leistungssport einen Eisenmangel begünstigen.


Ständig müde?

Besteht ein Eisenmangel, werden Zellen und Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Als Folge fühlen sich Betroffene dauerhaft müde und ausgelaugt, die Haut ist blass und trocken. „Die Bandbreite von Symptomen ist groß – sie reicht von Schlafstö- rungen über Haarausfall und Kurzatmigkeit bis hin zu brüchigen Nägeln oder dem Restless-Legs-Syndrom. Was Betroffene aber letzten Endes zu uns bringt, sind bleier- ne Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten“, sagt Gapp. Um fest- zustellen, ob die Beschwerden tatsächlich von einem Eisenmangel verursacht werden, überprüft die Ärztin oder der Arzt mittels Blutbild den Ferritin-Wert (Depot-Eisen) sowie das Transferrin, das für den Eisentransport verantwortlich ist. Auch niedrige Hämoglo- bin- und Hämatokrit-Werte können auf einen Eisenmangel hindeuten. „Ein weiterer wichtiger Parameter ist der Entzündungswert CPR“, betont die Medizinerin – denn etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einem Eisenmangel leidet an einer Ent- zündung, die Blutarmut verursachen kann.


Eisenreiche Ernährung

Um einem Mangel vorzubeugen, ist in erster Linie eine eisenreiche Ernährung essentiell. Vor allem in rotem Fleisch oder in pflanzlichen Produkten wie Weizenkleie, Amaranth, Qui- noa oder Vollkornmehl ist viel Eisen enthalten. Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte sind ebenfalls reich an dem Spurenelement. Wichtig, sagt Gapp, sei die zeitgleiche Zufuhr von Vitamin C, da dieses die Aufnahme begünstige. „Die Ernährung allein ist bei einem be- reits festgestellten Eisenmangel aber zu wenig“, betont die Ärztin und ergänzt: „Der nächste Schritt sind orale Präparate in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Diese sollten über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.“ Außerdem weist die Medizi- nerin darauf hin, dass der Darm pro Tag nur eine kleine Menge an Eisen aufnehmen kann, weshalb die Wirksamkeit von Präparaten gerade bei einem starken Mangel begrenzt ist: „Bei ausgeprägten Symptomen oder bei Unverträglichkeit der oralen Therapie empfiehlt sich die parenterale Eisentherapie, also die Gabe von Eisen über die Vene in Form einer Infusion. Nach einer raschen intravenösen Aufsättigung ist ein Großteil der Patientinnen und Patienten beschwerdefrei oder fühlt sich zumindest deutlich besser als zuvor.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020