Herz-Kreislauf


Zu Beginn der Reha definieren Patientin,

Patient gemeinsam mit der Ärztin oder

dem Arzt nachhaltige Ziele.

FotoS: Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs, istockphoto/ mi-viri

Achten Sie auf Ihr Herz!

Eine Rehabilitation bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hat vor allem ein Ziel: dauerhaft zu einem gesunden Lebensstil zu finden.

Als Hochleistungsmotor unseres Körpers hat das Herz eine entscheidende Schlüssel- funktion. Es pumpt das Blut durch das Kreislaufsystem und sorgt so dafür, dass alle Or- gane und Gewebe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Umso wichtiger ist es, gut für unser Herz zu sorgen und bei einer Erkrankung alle notwendigen Therapien einzuleiten – einschließlich einer umfassenden Rehabilitation.


Ursachen

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten erworben oder angeboren auf“, erklärt Primarius Univ.-Doz. Dr. Sebastian Globits, ärztlicher Leiter des Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Ge- rungs im Waldviertel. Es ist die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), die das Herz am häu- figsten schädigt. Dadurch werden der Blutfluss und das Sauerstoffangebot für den Herz- muskel eingeschränkt oder sogar ganz unterbrochen – es entsteht ein Herzinfarkt. Der Prozess der Arteriosklerose beginnt bereits in jungen Jahren und wird durch falsche Er- nährung oder mangelnde Bewegung beschleunigt. „Damit die Arteriosklerose nicht wei- ter voranschreitet, ist es für Patientinnen und Patienten besonders wichtig, den Lebensstil zu verändern“, betont Globits.

Neben der Arteriosklerose können Entzündungen im Rahmen von bakteriellen oder vira- len Infekten die Herzklappen oder den Herzmuskel schädigen. Wenn eine oder mehrere Herzklappen ausgetauscht werden müssen, dient die Rehabilitation der Remobilisation nach oft längerem Intensivstationsaufenthalt.

„Bei angeborenen Herzerkrankungen, wie beispielsweise einer verformten Herzklappe oder einem Loch im Herzen, dient die Rehabilitation dazu, die Leistungsfähigkeit zu er- halten“, sagt der Experte.


Der Herzinfarkt

Die häufigste Ursache für Herzinfarkt ist ein ungesunder Lebensstil mit einem oder meh- reren der folgenden Risikofaktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress, falsche Ernährung, Diabetes. Ein ungesunder Lebensstil fördert die Ablagerung von Fett, Bindegewebe und Kalk in den Gefäßen (= arteriosklerotische Plaque). Wenn Plaque platzt, entsteht an der Innenseite der Blutgefäße eine Wunde, die der Körper mit einem Blutgerinnsel „abdichtet“. Dadurch kommt es zum Gefäßverschluss und die dahinterlie-

genden Herzmuskelzellen sterben ab, weil sie nur ein bis drei Stunden ohne Sauerstoff überleben können. Man spricht vom Herzinfarkt. „Kommt man rechtzeitig ins Spital, wird über einen dünnen Plastikschlauch (Herzkatheter), der bis zum Herzen vor- geschoben wird, der Verschluss aufgedehnt und in der Regel mit einem Stent versorgt. Dadurch wird das Gefäß dauerhaft offen- gehalten“, erläutert Globits. „Früher war ein Herzinfarkt ein einschneidendes Erlebnis, das das Leben nachhaltig verändert hat. Heute haben Betroffene oft nur einen kurzen bzw. geringen Leidensdruck und sehen daher keinen Grund für eine Reha. Diese ist aber dringend nötig, um die Grundkrankheit der Arteriosklerose günstig zu beeinflussen.“


Breites Spektrum

In den meisten Herz-Rehazentren wird das ganze Spektrum von Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt, wobei die Schwer- punkte zumeist auf Diabetes mellitus, Erkrankungen der peripheren Gefäße und Herzmuskelschwäche liegen, sagt Globits: „Die Stoffwechselerkrankung Diabetes fördert Arteriosklerose, denn der Zucker schädigt die Gefäße und dadurch Organe wie Augen,

Nieren und Herz. Bei den peripheren Gefäßen kann das bis zur Beinamputation führen.“

Die sogenannte Schaufensterkrankheit, die typi- scherweise bei Raucherinnen und Rauchern auf- tritt, führt zu Wadenkrämpfen, die Betroffene dazu zwingen, öfter stehen zu bleiben. „Herzmuskel- schwäche kann verschiedene Ursachen haben: Entweder besteht eine genetisch bedingte Car- diomyophathie oder es kommt zu einer irreversi- blen Schädigung des Herzmuskels durch virale Entzündungen, hohen Blutdruck oder Alkohol, um nur einige zu nennen“, sagt Globits.


Drei Säulen

Zu Beginn der Reha definieren die Patientin oder der Patient gemeinsam mit der Ärztin, dem Arzt

nachhaltige Ziele. Es geht um das Wissen über Risikofaktoren, Medikamente und leistungssteigernde Maßnahmen. „Die drei Säulen der Herz-Reha in Groß Gerungs sind Bewegung, Ernährung und psychologische Betreuung“, erklärt Globits. Das körper- liche Training setzt sich aus Ausdauersportarten wie Wandern und Radfahren, aus Krafttraining und Koordinationsübungen zu- sammen. „Früher wurde bevorzugt mit Geräten wie im Fitnessstudio trainiert. Heute machen unsere Patientinnen und Patienten gezielte Übungen mit ihrem eigenen Körpergewicht und Alltagsgegenständen, sodass sie auch zuhause weiterüben können. Denn es geht um die nachhaltige Veränderung des Lebensstils.“

In der Ernährung steht die Reduktion von Salz und Fett im Vordergrund, sagt Globits: „Die Patientinnen und Patienten müssen lernen, dass es um die mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6) und eine drastische Reduktion von Salz geht. Dazu kommen viel Fisch, Gemüse und Ballaststoffe.“ Der reduzierte Einsatz von Salz kann durch Gewürze und Kräuter kompensiert werden.

Eine besondere Bedeutung bei Herzerkrankungen hat die Psyche. „Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Depressionen und chronischen Belastungs- und Erschöpfungszuständen nach einem Herzereignis“, weiß Globits. Auch für die Raucherent- wöhnung gibt es spezielle Programme. Der Erfolg ist groß: „Circa 40 Prozent der Patientinnen und Patienten schaffen während des Aufenthaltes eine Reduktion der Zigarettenzahl oder einen Nikotinstopp.“ Viele kleine und große Schritte, die wichtig sind, um richtig und gesund zu leben.


Felicitas Gruber

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2021