WUNDHEILUNG

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Kleine Erinnerungen

Die richtige Wundpflege lässt Narben besser verheilen.

    Narben können Erinnerungen an einen wundervollen Ausflug mit Freunden sein, bei dem man in einem

unaufmerksamen Moment über einen Stein gestolpert ist. Oder an einen entspannten Grillabend, an dem man unliebsame Bekannt- schaft mit dem heißen Grillrost gemacht hat. Sie können aber auch durch medizinische Eingriffe wie Hüftoperationen oder das Entfer- nen eines Melanoms verursacht sein. Narben entstehen vor allem dann, wenn eine unserer tieferliegenden Hautschichten durch äu- ßere Einflüsse beschädigt wird. Doch auch oberflächliche Verletzungen können Gewebeveränderungen nach sich ziehen. Wurden eine oder mehrere Hautschichten verletzt, beginnt unser Körper damit, neue Bindegewebsfasern zu produzieren. Das kann man nicht nur beobachten, sondern oft auch spüren. Beinahe jede und jeder kennt das kribbelnde Gefühl rund um eine Verletzung, das sich nach der Wundversorgung bemerkbar macht.


Nicht kratzen!

Wie sehr es auch jucken mag, die Wunde kratzen sollte man auf keinen Fall. Denn es bildet sich Schorf, sozusagen das körpereigene Pflaster. Das Sekret, das nach einiger Zeit verkrusten kann, verschließt Wun- den auf natürliche Weise. Entfernt man den Schorf, dauert die Wundheilung viel länger als nötig. Besser ist es, ihm mit einem Pflaster oder Verband in Kombination mit Salben und Gels zuvorzukommen. Sollte der Juckreiz doch einmal zu stark werden, kann man die Wunde – zum Beispiel mit einem Sackerl Tiefküh- lerbsen – kühlen. Schorf ist die erste Phase bei der Neubildung von Bindegewebe, das die verloren ge- gangenen oder getrennten Fasern der Hautschichten ersetzen soll. Ist die Kruste von selbst abgefallen, kommt die neu gebildete Haut – in Form einer Narbe – zum Vorschein. Sie kann mit dem Ursprungsstoff zwar in vielen, aber nicht in allen Hinsichten mithalten. So ist sie weniger elastisch und belastbar und ver- fügt auch nicht über Talg- oder Schweißdrüsen.


Keine Zeit verlieren

Ob Schnitt-, Brand-, Quetsch- oder Schürfwunde. Generell gilt: Je schneller sie versorgt wird, desto gerin- ger ist das Risiko schwerwiegender Komplikationen wie etwa einer Blutvergiftung. Auch die Narbenbildung kann dadurch vermindert werden. DGKP Felix Madar, Wundmanager im österreichischen Wund-Kompe- tenz-Zentrum betont: „Äußere Faktoren, wie etwa starke Schwellungen oder Entzündungen, zu trockene Haut oder zu viel Zug und Druck durch den Verband, können die Narbenbildung verschlimmern. Um das kosmetische Ergebnis zu verbessern, sollte man daher besonders auf die Zug- und Druckentlastung ach- ten und Narbengels oder -pflaster verwenden.“ Mit Vorsicht begegnen sollte man hingegen Cremes und Salben, in denen Antibiotika enthalten sind. Wie lange es dauert, bis eine Wunde vollständig verheilt ist, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Eine tiefe und großflächige Wunde heilt schlechter als eine kleine, rein oberflächliche. In seltenen Fällen kann es passieren, dass Wunden gar nicht zuwachsen und perma- nent sichtbar sind. Madar erklärt: „Als chronisch werden Wunden bezeichnet, die nicht in der erwarteten Zeit, also in etwa vier bis sechs Wochen, abheilen. Besonders Menschen mit Gefäßerkrankungen oder Dia- betes haben ein größeres Risiko, chronische Wunden zu entwickeln. Nicht umsonst gibt es spezielle Pedi- küresalons, die auf die Behandlung von Diabetikerfüßen spezialisiert sind. Aber auch nach Operationen können Wundheilungsstörungen auftreten, insbesondere bei übergewichtigen oder nikotinabhängigen Pa- tientinnen oder Patienten. Und auch akute Wunden, die nicht richtig versorgt werden, können zu chroni- schen werden.“

Da der Wundheilungsprozess aus drei Stufen besteht, ist es wichtig, die Verletzung entsprechend der Pha- se, in der sie sich befindet, zu versorgen, sagt Madar. Spezielle Narbengels oder -pflaster sind eine gute Möglichkeit, selbst zu Hause etwas zur Narbenentstörung beizutragen. Narben, die man schon mehrere Jahre mit sich trägt, können meist nur noch mithilfe eines Chirurgen oder Dermatologen verbessert

werden.

Spezialistinnen und Spezialisten des Wundmanage- ments können bei der Narbenprävention mit einer in- dividuellen Therapie unterstützen. Neben lokalthera- peutischen Maßnahmen werden dabei auch die Be- gleitumstände, wie etwa Vorerkrankungen, miteinbe- zogen. So sind die Weichen für eine optimale Wund- heilung gestellt. Damit Narben schön verheilen und zu kaum bemerkbaren Erinnerungsmalen werden.


Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN 07+08/2020