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IM GESPRÄCH

Garten voller Leben

Bio-Gärtner Karl Ploberger verrät im Gespräch mit GESUND & LEBEN, warum die Natur eine Kraftquelle ist und wie der Start in ein gutes Gartenjahr gelingt.

Das Wichtigste bei der Gartenpflege im Frühling ist … nicht zu früh zu beginnen. Das alte Sprichwort „die Ersten werden die Letzten sein“ gilt auch im Garten. Gerade nach einem milden Winter sind Spätfröste besonders häufig und zerstörerisch. Daher lie- ber ein wenig warten, immer Vlies zum Abdecken von Pflanzen bereithalten und den Garten und das Erwachen der Natur genie- ßen. Außerdem ist die Vielfalt wichtig. Nicht nur für uns, sondern vor allem für Insekten, denen es gerade in den letzten Jahren be- sonders schlecht gegangen ist. Es gibt keine schöneren Momente, als im Garten zu sitzen, die ersten Blüten und das Treiben der Tiere in Frühlingslaune zu beobachten.


Zu einem guten Start ins Gartenjahr gehören … Gemüse, Kräuter, Beeren und Obst dazu. Wer also noch keinen Nutzgarten – oder eine kleine Ecke davon – hat, sollte ihn unbedingt anlegen.


Das Frühlingserwachen in meinem Garten erlebe ich … wenn ich ehrlich bin, leider viel zu selten, denn gerade im Frühling ist bei mir viel zu tun: Vorträge, Sendungsaufzeichnungen und Gartenreisen. Aber die wenigen Momente genieße ich dann noch viel mehr. Allerdings nicht, wie ich oft predige: hinsetzen und beobachten, sondern meist emsig gartelnd, denn das entspannt mich am meisten.


Leben bringt man in den Garten, indem … man mit der Natur und nicht gegen die Natur gärtnert. Das ist das Grundprinzip. Das „wilde Eck“, wo Gehölzschnitt liegt, wo Brennnesseln wachsen dürfen, wo wilder Holunder wächst und das Insektenhaus steht –

das sind die ersten Schritte für einen Garten voller Leben und Erlebnis. Nicht der Laubsauger oder der Hochdruckreiniger machen einen Garten zur Na- turoase, sondern ein wenig Unordnung. Dann erledigen sich viele Probleme von selbst. Bestes Beispiel ist das Laub, das bei mir unter der Wildsträucher- Hecke liegen bleibt. Darunter verstecken sich nämlich nicht nur Schnecken, sondern auch die Gegner der Schnecken, die Laufkäfer.


Bio ist mir wichtig, weil … es das ursprünglichste Gärtnern ist. Mit der Na- tur zu gärtnern macht alles viel leichter.


Gärten geben Kraft, weil … hier kein Stress im herkömmlichen Sinn stattfin- det. Die Natur nimmt ihren Lauf, gleicht aus, verbessert Fehler und zeigt, dass man durch Geduld und Gelassenheit viel mehr erreicht.


Eine gute Gärtnerin, einen guten Gärtner macht aus, dass … sie oder er immer neugierig und mit den beiden Gärtner-Tugenden ausgezeichnet ist: Geduld und Gelassenheit.


Mein Tipp für alle, die trotz urbanem Raum nicht auf ein bisschen Natur und Garten verzichten möchten … Garteln ist überall möglich. Ich hab mir jahrelang auf zwei Quadratmetern Balkon ein kleines Naturparadies geschaf- fen.


Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020