GVA,KUR & REHA IN NÖ

Heilendes Moor

Moorkuren entpuppen sich als Vielkönner im Heilbereich.

In Schauerromanen und Fernsehkrimis verleihen mystische Moorlandschaften kriminellen Handlun- gen eine besonders düstere und geheimnisvolle Aura. Das Moor gilt seit jeher als dunkler und un- heimlicher Ort, in dem Menschen spurlos verschwinden und Geister ihr Unwesen treiben. Dabei ist die heilende Kraft des Moors seit Hunderten von Jahren unbestritten. Historisch erwähnt wurde das erste Moorbad im Jahr 1050 im oberösterreichischen Neydharting. Dort lernte der berühmte Schweizer Arzt und Alchimist Paracelsus vor rund 500 Jahren die positiven Effekte des Moors ken- nen. Er empfahl es als Heilmittel bei verschiedenen Erkrankungen wie Gallenleiden, Appetitlosig- keit oder Unfruchtbarkeit. Heute hat sich die Palette der Anwendungsgebiete für Moorbehandlun- gen um ein Vielfaches erweitert: Moorkuren sind unter anderem bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates und der Nerven, bei Hautkrankheiten, Frauenleiden, Asthma, Magen-, Darm- und Leberproblemen, Atemwegs-, Harnwegs- und Stoffwechselerkrankungen sowie Herz-Kreislauf- erkrankungen hilfreich.


Entzündungshemmend

Auch im Waldviertler Kurzentrum Bad Großpertholz macht man sich die Kraft des Moors zunutze. Der aus dem Moor gewonnene Naturrohstoff Torf wird mit dem Spaten gestochen. Er besteht vor- wiegend aus organischen Substanzen wie Pflanzen und Kräutern, die vor tausenden Jahren im Moor versunken sind. Durch biologische Umwandlungsprozesse kommt es zu einer Humifizierung bzw. Vertorfung. Dabei bildet sich unter anderem die medizinisch besonders wirksame Huminsäu- re. Sie wirkt in erster Linie entzündungshemmend, erklärt Kurarzt Dr. Werner Tölle: „Das Bad Groß- pertholzer Moor beinhaltet einen sehr hohen Anteil an freier Huminsäure. Diese stimuliert vor allem die Langerhans-Zellen in der Haut, die im Sinne einer Entzündungshemmung über spezifische Bo- tenstoffe das Immunsystem aktivieren. Zusätzlich macht sie die vor allem in tierischen Lebensmit- teln wie rotem Fleisch oder Eigelb vorkommende Arachidonsäure unwirksam, die als Ausgangsub- stanz für Entzündungsvermittler gilt.“ Das Versinken im warmen Moorbad hat eine wohltuende Wir- kung auf die Psyche und die Abwehrkräfte. Der Patient taucht in das auf 40 bis 50 Grad Celsius er- wärmte dunkle Nass, wodurch die Körpertemperatur ansteigt. Die Muskeln entspannen sich, der Stoffwechsel wird angeregt und das Immunsystem kommt in Schwung.


Gut für Knochen und Haut

„Schmerzhafte Erkrankungen des Stützapparates und auch chronisch entzündliche Gelenkverän- derungen können durch die antientzündliche Wirkung des Moors gut behandelt werden“, sagt Töl- le. Aber auch für die Knochengesundheit leistet es einen wichtigen Beitrag.  „Mit Mooranwendun- gen lassen sich die mit der Osteoporose einhergehenden Schmerzen und Entzündungen wirksam eindämmen. Es gibt Hinweise auf eine Stimulierung der knorpelbildenden Zellen, sodass das Fort- schreiten des Knochenschwunds günstig beeinflusst werden kann“, betont der Mediziner. Bei Haut- erkrankungen wie Pilzinfektionen, Akne oder Neurodermitis wirken die im Moor enthaltenen Schwe- felverbindungen und Huminsäuren bakterienhemmend und hautberuhigend. Hohe Wertschätzung genießt die Moortherapie auch bei kosmetischen Anwendungen. Die Bäder regen die Durchblu- tung der Haut an, Giftstoffe werden ausgeschieden und die Haut strafft sich.

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020