Gastritis

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Krampf im Bauch

Kommt es nach dem Essen wiederholt zu Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit oder

häufigem Aufstoßen, ist Vorsicht geboten. Es kann sich um eine chronische Gastritis handeln.

Schmerzen im Magenbereich können vielfältige Ursachen haben: privaten oder beruflichen Stress, die Einnahme bestimmter Medikamente und Nahrungsmittel, überempfindliche Magennerven oder ein Zuviel an Magensäure. Ob es sich um eine

Gastritis, also eine Entzündung der Magenschleimhaut handelt, wird mithilfe einer Magenspiegelung (Gastroskopie) festgestellt. „Damit können die Schleimhäute der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms beurteilt werden“, erklärt Dr. Gerald Oppeck, Internist in Eggenburg. Den letztgültigen Beweis liefert die mikroskopische Untersuchung der entnommenen Gewebe- proben. Die Magenschleimhautentzündung kann akut oder chronisch verlaufen, sagt Oppeck: „Die akute Gastritis heilt innerhalb einiger Tage wieder ab. Die dafür typischen Beschwerden sind Oberbauchschmerzen, aber auch Erbrechen mit Blut oder schwarzer Stuhl, was auf blutende Schleimhautschädigungen hinweist.“


Unspezifische Symptome

Eine chronische Gastritis kann sich hingegen über Wochen, Monate oder Jahre hinziehen. Häu- fig wird sie lange Zeit gar nicht bemerkt, weil die Betroffenen keine Beschwerden haben oder nur unspezifische Symptome auftreten. „Hinweise für eine chronische Magenschleimhautent- zündung sind Übelkeit, häufiges Aufstoßen, Völlegefühl, unangenehme Blähungen und ein star- kes Hungergefühl bei gleichzeitiger Appetitlosigkeit. Auch Schmerzen vor und nach den Mahl- zeiten, ein schnelles Sättigungsgefühl und Mundgeruch deuten auf die Erkrankung hin“, weiß Oppeck. Man unterscheidet drei Formen der chronischen Gastritis: die A-, B- und C-Gastritis. Die A-Gastritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen die Magenschleimhaut bildet. Sie kommt eher selten vor. Öfter tritt Typ C, die chemisch-

toxische Gastritis, auf. In Österreich ist dieser Typ am weitesten verbreitet. Als Erkrankungsur- sachen führt der Internist die Nebenwirkungen von Kortison-Präparaten oder entzündungshem- menden Schmerzmedikamenten aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) an. Auch regelmäßiger Alkohol- und Zigarettenkonsum können diese Art der Gastritis verursachen.


Magenkeim

Weltweit kommt die bakterielle oder Typ-B-Gastritis am häufigsten vor. Sie wird durch das Bak- terium Helicobacter pylori verursacht. In Österreich steht die bakterielle Gastritis zahlenmäßig an zweiter Stelle. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung soll Schätzungen zufolge mit dem Er- reger infiziert sein. Dabei gibt es ein gravierendes Nord-Süd-Gefälle: In den Entwicklungslän- dern sind aufgrund der oftmals schlechten hygienischen Verhältnisse die Infektionszahlen we- sentlich höher als in den Industriestaaten. Der Erreger Helicobacter pylori agiert heimtückisch: Um sich besser in die Magenschleimhaut einnisten zu können, produziert er das Enzym Urea- se, das Harnstoff in Ammoniak und Kohlenstoffdioxid spaltet. Mithilfe des Ammoniaks kann der Keim den pH-Wert anheben und sich selbst vor der aggressiven Magensäure schützen. Zusätz- lich produziert er eine Reihe anderer Enzyme, die die Magenschleimhaut schädigen. Auch wenn die durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufene B-Gastritis oftmals symptom- los verläuft, rät der Arzt zu Vorsicht: „Bei weiteren schädlichen Einflüssen wie Alkohol, Rauchen oder Stress kommt es zu einer vermehrten Produktion von Ammoniak, wodurch sich der Keim

besser schützen kann.“ Das kann zu gefährlichen Erkrankungen führen: Schleimhaut- schäden, ein Zwölffingerdarm- oder Magengeschwür können die Folge sein. Eine Helico- bacter-Infektion gilt zudem als Risiko für die Entstehung von Magenkrebs. Hat der Erreger eine chronische Gastritis hervorgerufen, erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika, um den Keim auszumerzen.


Magenschonend ernähren

Als Autoimmunkrankheit kann die Typ-A-Gastritis nicht geheilt werden. Wegen des erhöh- ten Risikos, an Magenkrebs zu erkranken, sollten regelmäßig Magenspiegelungen durch- geführt werden. Im Fall einer durch chemische Substanzen verursachten C-Gastritis wer- den in erster Linie die Auslöser ausfindig gemacht und vermieden. Nicht zuletzt spielt auch die Ernährung eine Rolle. Bei Gastritis ist eine magenschonende und fettarme Kost zu bevorzugen. Das heißt, auf fettreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Käse, Eier, Ku- chen oder Schokolade besser ganz verzichten oder deren Verzehr reduzieren. Auch tieri- sches Eiweiß, das in Fleisch, Wurst und Eiern enthalten ist, sollte durch pflanzliches Ei- weiß in Erdäpfeln oder Hülsenfrüchten ersetzt werden. Ein maßvoller Umgang ist auch mit Süßigkeiten, zuckerhaltigen Speisen und Salz zu empfehlen. Eine magenschonende Er-

nährung ist auf Vollkornprodukten, Gemüse, Erdäpfeln und Obst aufgebaut. Kaffee und alkoholische Getränke verursachen häufig Probleme – gesünder sind Wasser, verdünnte Obstsäfte oder ungesüßte Tees. Die richtige Ernährung bei Gastritis ent- lastet den Magen und hilft bei der Abheilung der Erkrankung.


Jacqueline Kacetl


interview



„Gastritis kann unbemerkt verlaufen“

Wie macht sich eine Gastritis bemerkbar?

Beschwerden wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit, häufiges Aufstoßen, Schmerzen im Oberbauch und Mundgeruch, der nicht durch mangelnde Zahnhygiene erklärbar ist, sind typische Symptome einer Gastritis. Eine Gastritis kann aber auch weitge- hend unbemerkt verlaufen.


Kann die chronische Gastritis geheilt werden?

Die A-Gastritis kann nicht geheilt werden und bedarf einer anhaltenden medizini- schen Überwachung. Bei der C-Gastritis werden zunächst therapeutische Maßnah- men ergriffen, um die Magenschleimhaut abzuschirmen. In erster Linie erfolgt die Heilung durch die Vermeidung der schleimhautschädigenden Einflüsse. Die durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufene B-Gastritis wird durch den Ein- satz von Antibiotika geheilt.


Wie kann man sich schützen?

Die Magenschleimhaut ist grundsätzlich sehr widerstandsfähig und schützt die Ma- genwand selbst vor der aggressiven salzsäurehaltigen Magensäure. Mit zunehmen- dem Alter nimmt auch die Widerstandsfähigkeit ab. Es gibt zahlreiche Faktoren, die wir beeinflussen können – wie die Vermeidung schleimhautschädigender Medika- mente, der Verzicht auf Zigaretten, Alkohol und scharfe Gewürze sowie ein ausge- glichener, stressfreier Lebensstil.

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2021