Blase

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Gesunde Blase?

Aber natürlich!

Harnwegsinfekte sind eine der häufigsten Erkrankungen – gerade in der kalten Jahreszeit. GESUND & LEBEN zeigt die  bewährtesten Alternativen zur Antibiotikatherapie.

Der Grundsatz, Antibiotika so selten wie möglich und nur wenn unbedingt nötig einzuneh- men, ist seit langem bekannt. Dennoch werden sie bei vielen Krankheiten verschrieben, die auch alternativ behandelt werden könnten. Eine davon ist der unkomplizierte Harnwegsinfekt. Auch die Weltgesundheitsbehörde (WHO) warnt immer wieder vor der Zunahme von Antibio- tika-Resistenzen. Dabei können pflanzliche Wirkstoffe oft eine hilfreiche Alternative sein. Dr. Paul Engelhardt ist stellvertretender Vorstand der Abteilung Urologie im Landesklinikum Ba- den und überzeugt: „Man muss nicht jede Blasenentzündung mit Antibiotika therapieren.“


Vorwiegend Frauen betroffen

Frauen sind weit häufiger von einem Harnwegsinfekt betroffen als Männer. Denn während die Harnröhre bei Frauen zwischen drei und fünf Zentimeter lang ist, ist sie bei Männern mit rund 20 Zentimetern deutlich länger. Außerdem liegen After und Harnröhrenöffnung bei Männern viel weiter auseinander. Hauptverantwortlich für eine Blasenentzündung sind Bakterien, vor- wiegend Escherichia coli, die bei jedem Menschen im Darmtrakt leben und dort sehr nützlich sind. Gelangen sie aber in die Öffnung der Harnröhre, können sie in den Harntrakt eindringen und dort Entzündungen hervorrufen. Von einem „wiederkehrenden“ Harnwegsinfekt spricht man, wenn Frauen zweimal im Halbjahr oder dreimal im Jahr erkranken.


Sex & Blasenentzündung

Beim Geschlechtsverkehr lässt es sich kaum vermeiden, dass Keime in die Nähe der weibli- chen Harnröhre gelangen. „Oft tritt eine Blasenentzündung auf, wenn eine Frau einen neuen Partner hat und an seine Bakterienflora noch nicht gewöhnt ist. Wir nennen das Honeymoon- Cystitis. Beim Sex können Keime durch die kurze Harnröhre hinauf in die Blase massiert wer- den“, erklärt Urologe Engelhardt. Neben dem ehest möglichen Wasserlassen nach dem Sex

ist deshalb auch die anschließende Reinigung des Intimbereichs zu empfehlen. Übrigens: Ein Kondom verringert das Risiko für eine Blasenentzündung deutlich. Spirale oder Diaphragma steigern es hingegen. Ein weiterer Tipp des Urologen lautet Partner- abklärung: „Manchmal haben Männer in ihrem Ejakulat Keime, die ihnen selbst keine Beschwerden machen, bei der Partnerin aber Entzündungen verursachen.“


Frühzeitig behandeln

In jedem Fall sollte ein Harn- wegsinfekt möglichst früh er- kannt werden. Denn während eine Entzündung der Harnröh- re noch relativ unkompliziert behandelt werden kann, wird die Erkrankung zunehmend komplizierter, je höher sie in Harnblase, Harnleiter oder gar Nieren aufsteigt. „Hat man Fieber, Schüttelfrost, sichtba- res Blut im Harn oder es zieht und schmerzt in den Nieren, muss man unbedingt einen Urologen aufsuchen. Da hilft keine Alternativtherapie mehr. Der Spezialist macht dann eine Harnkultur, die zeigt, wel- che Keime die Verursacher sind und kann punktgenau behandeln“, sagt der Medizi- ner. Er rät aber grundsätzlich nur dann zu einer Therapie, wenn Beschwerden vorliegen. „Normalerweise ist der Harn steril. Aber es gibt auch die asymptomatische Harnkei- mausscheidung, die keine Be- schwerden verursacht. Das

findet man beispielsweise bei chronischen Katheterträgern, in der Menopause oder auch bei sehr alten, dementen Patienten. Man muss nicht alles im Leben therapieren. Wichtig ist aber, dass eine Expertin oder ein Experte die Symptomatik beurteilt.“


Harnteststreifen

Viele Blasenleidende verwenden in der Apotheke erhältliche Harnteststreifen, um frühzeitig festzustellen, ob sich eine Blasen- entzündung ankündigt. Wichtiger Tipp des Urologen für den sachgerechten Gebrauch: „Desinfizieren Sie zuallererst Ihr äußeres Genital. Verwenden Sie nur einen Mittelstrahlharn, denn sonst gibt es ein positives Ergebnis, das durch außen am Genital leben- de Bakterien verursacht ist und Sie nehmen unnötig Antibiotika.“ Es gibt aber auch die nervöse Blase. „Da ist die Frage, ob es so schlimm ist, dass man gleich Antibiotika geben muss. Oft hilft Cranberry-Saft besser. Als Arzt ist es wichtig, zuzuhören, zu erkennen, worum es wirklich geht und die passende Lösung zu finden“, sagt Engelhardt.


FELICITAS GRUBER

erschienen in GESUND & LEBEN 01+02/2021