Lebensgeschichten

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Rückblicke & Einblicke

Bewohnerinnen und Bewohner der NÖ Pflegezentren erzählen aus ihrem Leben.

EMMA C.

96 Jahre, Pflege- und Betreuungszentrum Wilhelmsburg, ist in Traisen geboren. Nach der Hauptschule besuchte sie die Frauenoberschule in St. Pölten und machte danach eine Aus- bildung zur Apothekenhelferin. Sie heiratete 1944 ihren ersten Mann, mit dem sie eine Tochter hat. Er ist im Krieg gefallen. Einige Jahre später heiratete sie zum zweiten Mal und bekam zwei weitere Töchter. Ein schwerer Schlag für sie war, dass sie auf dem Heimweg vom Urlaub einen schweren Autounfall hatten und ihr Mann zwei Tage später mit nur 42 Jahren verstorben ist. Was hat ihr im Leben Kraft gegeben? „Meine Töchter. Und außerdem war ich gerne für an- dere da. Ich habe und hatte stets Freude an guten Gesprächen und bin immer mit anderen gut ausgekommen.“ Einen Rat für die Jugend von heute hat sie: „Sich die Welt in Ruhe an- schauen, sich nicht einschränken lassen, Verantwortung übernehmen, nicht davonlaufen und anderen helfen.“ Was wünscht sie sich? „Dass meine Kinder und meine Enkelin gesund blei- ben und halbwegs durchs Leben kommen. Dass ich möglichst lange so selbstbestimmt wie möglich sein kann.“

ROSINA V.

92 Jahre, seit 2016 im Pflege- und Betreuungszentrum Vösendorf:

„1945 begann ich bei der Firma Wienerberger zu arbeiten, dort lernte ich meinen Mann ken- nen. Mit 18 Jahren habe ich geheiratet und bekam ein Jahr später meinen Sohn. Meine Mut- ter passte gleich nach der Geburt auf ihn auf, damit ich wieder arbeiten konnte. Im Winter wa- ren die Männer, die Ziegel gemacht haben, arbeitslos. Da schickte Hitler sie auf die Autobahn arbeiten. Wenn sie das nicht gemacht haben, kamen sie ins KZ-Lager. Als die Technologie Einzug hielt, arbeitete ich an den Maschinen – ich nahm die rohen Ziegel ab und legte sie auf ein Wagerl. Ich machte bis zu 40.000 Ziegel am Tag. Es war eine schwere, aber schöne Ar- beit. Wir hatten es immer lustig und hielten alle zusammen. Die Firma Wienerberger versorgte uns gut. Wir bekamen Wohnungen und man bezahlte Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auch den Zins und Reparaturen. Nach einem Arbeitsunfall – vierfacher Bruch am Fuß – war ich sie- ben Monate zu Hause. Danach arbeitete ich in der Küche weiter, wo ich mit 56 Jahren, nach 40 Jahren Wienerberger, in Pension ging. In meinem Ruhestand war ich 20 Jahre beim Pen- sionistenverband in Vösendorf, den ich auch geleitet habe. Ebenfalls 20 Jahre war ich im Turnverein, mit dem wir einmal zu Fuß nach Loretto gegangen sind. Das war wunderschön. Nach dem Tod meines Mannes entschloss ich mich für das Pflegezentrum Vösendorf und richtete mir mein Zimmer wie zu Hause ein. Ich hatte ein ausgefülltes Leben und fühle mich hier sehr wohl.“

WALTER P.

85 Jahre, Kurzzeitpflege im Pflege- und Betreuungszentrum Perchtoldsdorf:

„Groß geworden bin ich in Perchtoldsdorf und hatte als Kind allerlei Flausen im Kopf. Ich erin- nere mich daran, dass wir uns als Kinder manchmal versteckt und immer das Kuckucksge- räusch nachgemacht haben – so wurde damals der Fliegeralarm angekündigt. Da sind die Leute dann aber gerannt! Später habe ich eine Ausbildung zum Elektrotechniker gemacht und bin 1956 beim Fernsehen gelandet – als erster Tontechniker im österreichischen Fernse- hen. Damals gab es nur drei Live-Aufzeichnungen aus einem kleinen Studio in Wien. Ich habe dann das ‚Geräuschearchiv‘ aufgebaut, damit die Stummfilme vertont werden konnten. Ich bin beispielsweise zum Stephansplatz gegangen, um die besten Autogeräusche aufzu- nehmen, da früher dort noch die meisten Autos fuhren. Über die Fernsehbranche habe ich meine Frau kennengelernt – wir waren auf einem Filmdreh in den Bergen, ein Teammitglied wollte eine Frau ausführen, die aber nicht alleine kommen wollte und deswegen eine Freundin mitbrachte. Dass ich die Freundin dann zur Frau haben wollte, war mir schnell klar – fünf Mo- nate später haben wir geheiratet und bekamen zwei Töchter. Seit ich in Pension bin, kann ich mich mehr auf mein Hobby – das Fotografieren – konzentrieren und knipse nun etwa alle Eh- rungen, die in Perchtoldsdorf stattfinden. Heute bin ich in Langzeitpflege im Pflegezentrum Perchtoldsdorf und fühle mich hier sehr wohl. Ich weiß, dass ich hier sehr gut betreut bin.“

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2021