Ein Reha-Aufenthalt mit dem Partner kann zur ge- sunden Auszeit für zwei werden.

HERZ-KREISLAUF

Foto: FOTO: Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

In bester Begleitung

Vielen Menschen fällt es schwer, die gesunden Gewohnheiten eines Reha-Aufenthalts in den Alltag mitzunehmen. Ist die Part- nerin oder der Partner schon während des Therapieaufenthalts dabei, fällt es leichter, den Lebensstil nachhaltig zu ändern.

Mit einem Rehabilitationsaufenthalt verhält es sich oft wie mit einem Neujahrsvorsatz: Anfangs ist die Motivation groß, alte ungesunde Verhaltensmuster aufzubrechen und neue zu erlernen. Wieder zurück im Alltag angekommen, wird es jedoch oft zur Her- ausforderung, sich an die guten Vorsätze zu halten. Leichter ist es, wenn man von jemandem wie der Lebenspartnerin oder dem Lebenspartner unter-

stützt wird. Mag. Alexander Urtz, Klinischer Psychologe im Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs, erklärt: „Eine gesundheitliche Krise ist auch immer eine Krise für die Partnerschaft: Angst den Partner zu verlieren, Angst vor Behinderung, neue Medikamente und viele Fragen. Aus diesem Grund ist es optimal, wenn beide daran arbeiten, diese Krise zu bewältigen.“


Ein neues Leben

Bei einem Reha-Aufenthalt erlernen Patientinnen und Patienten, wie sie ihren Lebensstil nachhaltig ändern können. Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, sich von einer Angewohnheit zu trennen, die bisher unhinter- fragt in den Alltag integriert war. Um langfristige Therapieerfolge zu erzielen und ein gesünderes Leben zu führen, sei es aber unumgänglich, die gesundheitlichen Maßnahmen des Reha-Aufenthalts auch zuhause um- zusetzen, betont Urtz. „Bei einem gemeinsamen Reha-Aufenthalt lernen beide Partner, wie die Erkrankung zu handhaben ist, welche Medikamente und vor allem welche Verhaltensänderungen notwendig sind, um die Ge- sundheit zu erhalten. Wenn jemand allein an einer Reha teilnimmt, kann leicht eine Asymmetrie im Wissen und Handling der Erkrankung entstehen. Das wiederum wirkt sich belastend auf die Beziehung aus. Zum Beispiel, wenn sich ein Partner für eine gesündere Ernährung einsetzt und der andere das nicht nachvollziehen kann. Bei der gemeinsamen Teilnahme kann das vermieden werden. Beide haben dieselben Informationen und kön- nen schon auf der Reha Pläne für Veränderungen zuhause schmieden, wie gemeinsames Kochen oder ge- meinsame Bewegung.“


3 Säulen für den Therapieerfolg

Im Waldviertler Gesundheitszentrum Groß Gerungs werden Aktivitäten geboten, die sowohl für Patientinnen und Patienten als auch deren Begleitpersonen ansprechend sind. Die Angebote des Hauses sind auf die drei Säulen Bewegung, Ernährung und Entspannung ausgerichtet. Neben körperlicher Betätigung sollen eine ge- sunde Ernährung und mentale Erholung den Körper, den Geist und die Seele wieder in Form bringen. „Ge- meinsame Aktivitäten verbinden, stärken eine Beziehung und bereichern den Alltag. Das stärkt auch das Ge- fühl, die Krise gemeinsam zu meistern. Hier ist dann eine Begleitperson nicht nur eine Person, die mich be- gleitet und vielleicht in der Bewältigung meiner Probleme unterstützt, sondern ein

Partner in einem gemeinsamen Unternehmen, einer gemeinsamen Aufgabe mit gemeinsamem Ziel“, erklärt Urtz.


Zu zweit gesund im Alltag

In Vorträgen können sich die Partner zu den entsprechenden Krankheiten wie etwa Herzinsuffizienz oder Dia- betes weiterbilden. Da das Wissen um die Veränderungen im alltäglichen Leben geteilt wird, kann man verhin- dern, dass das Gelernte zu schnell in Vergessenheit gerät und nicht angewendet wird. Indem der Partner ebenfalls an therapeutischen Wanderungen oder einer Unterwassergymnastik teilnehmen kann, wird ein bes- seres Verständnis für die Krankheit des Behandelten geschaffen. Im Alltag ist es dann für beide leichter, auf- einander zu achten und auf die Bedürfnisse des Gegenübers einzugehen.


Reha für die Seele

Genauso wichtig wie körperliche Betätigung sind Trainings, in denen Entspannungstechniken erlernt werden. Diese können im Alltag helfen, die Seele von der Last, die eine körperliche Krankheit mitunter sein kann, zu befreien. Viele lassen die Seele aber auch gerne beim Meditieren über den Kochtöpfen oder bei einem guten Essen baumeln. Dass diese Belohnung nicht ungesund sein muss, kann in speziellen Kochkursen erlernt wer- den. Wenn der Partner während dieser Workshops selbst erkennt, dass die Rezepte nicht nur gesund sind, sondern auch gut schmecken, wächst die Motivation, diese auch im Alltag nachzukochen.


Urlaub mit Mehrwert

Generell sollte ein Reha-Aufenthalt möglichst positiv in Erinnerung bleiben, damit die erlernten Praktiken auch im Alltag weiter umgesetzt werden. Mit einer vertrauten Person an der Seite wird aus dem Aufenthalt ein Ur- laub mit Mehrwert – für beide. In Groß Gerungs kommt bei einem gesunden Abendessen oder einer Heilmas- sage Urlaubsstimmung auf. Wie von einer schönen Reise mit einem vertrauten Menschen Bilder und Erinne- rungen bleiben, so kann auch aus einem Reha-Aufenthalt viel mitgenommen werden. Allen voran ein gesun- der Lebensstil.

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020