DIALYSE

Ausführliche Beratungsgespräche werden gut geplant, sodass der Patient am Tag der Operation keine lange Wartezeiten hat und rasch  in den Operationssaal gebracht wird.



Landesklinikum Mödling; Sr. M. Restituta-Gasse 12, 2340 Mödling; Tel.: 02236/9004-0; www.moedling.lknoe.at


Nach einem freundlichen Empfang begleitet DGKP Brigitte Rieger die Patientin in ihr Zimmer, erklärt den Ablauf und checkt alle Unterlagen.

Nach einem freundlichen Empfang begleitet DGKP Brigitte Rieger die Patientin in ihr Zimmer, erklärt den Ablauf und checkt alle Unterlagen.


fotoS: Barbara Nidetzky

Kurz & schmerzlos

Immer mehr Eingriffe kann man heute tagesklinisch machen. Mit vielen Vorteilen für Patientinnen und Patienten – die diese zu schätzen wissen.

Es ist 7 Uhr morgens, als sich Anna M. beim Empfang der Interdisziplinären Tagesklinik am Landesklinikum Mödling anmeldet. Im lichtdurchfluteten Foyer herrscht Ruhe und Beschaulichkeit. Keine Menschenschlangen, keine Hektik. Die 53-Jährige wurde von der orthopädischen Ambulanz an die Tagesklinik zugewiesen, um einen Eingriff am verletzten Kniegelenk mittels Arthroskopie durchfüh- ren zu lassen. Sie erhält eine Vollnarkose. Bei größeren Eingriffen, wie etwa bei einer Bauchdecken-Bruchoperation, einer Curettage (Ausschabung der Gebärmutter) oder bei der Entfernung eines Knotens in der Brust wären umfangreichere Voruntersuchungen, Blut- abnahme und EKG erforderlich.

Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Brigitte Rieger hat Anna M. am Empfang begrüßt und sie in ihr Zimmer begleitet. Sie erklärt ihr den Ablauf des Tages, checkt Unterlagen und Befunde und steht der Patientin mit Rat und Tat zur Seite. Jetzt sitzt Anna M. am Bett in der Tagesklinik und überlegt, ob

sie ihre Tasche überhaupt auspacken soll.

Üblicherweise dauert ein solcher Eingriff etwa 35 Minuten, und wenn Anna M. fit genug ist, geht sie bald nach dem Eingriff wieder nachhause. Die Tasche ist nur für den Fall des Falles mit, falls es ihr nicht gut geht und sie doch über Nacht bleiben muss. Anna M. kann nicht weiter überlegen, denn schon beginnt die Operationsvorbereitung. Üblicherweise werden den Patienten als Narkosevor- bereitung Tabletten oder Infusionen verabreicht sowie alle Unterlagen nochmals geprüft. Anschließend kommt sie in den Operationssaal.


2.700 Eingriffe pro Jahr

„Mödling ist ein interdisziplinäres Zentrum mit den Fachrichtungen Chirurgie, Gynäkologie, Augenheilkunde, Innere Medizin, Unfall- chirurgie und Kinderurologie“, beschreibt der organisatorische Leiter der Tagesklinik, OA Dr. Richard Simon, das Spektrum der mög- lichen Eingriffe. Pro Jahr werden hier etwa 2.700 Patienten operiert, 16 Betten stehen zur Verfügung. „Ziel der Tagesklinik ist, für die Patienten die Wartezeiten zu verkürzen, die Arbeitszeiten für das Personal effizient zu gestalten und somit eine schnellere Versorgung für kleinere planbare Operationen zu sichern“, sagt Dr. Richard Simon. Er unterbricht das Interview und eilt zu einem Patientenge- spräch. Diese dürfe man nicht warten lassen, bestätigt der Facharzt für Unfallchirurgie.

Dass alles reibungslos funktioniert, liegt an einem ausgeklügelten System, erklärt DGKP Roswitha Gunhold, stellvertretende Stations- leiterin an der Tagesklinik: „Jeden Tag gibt es bei den planbaren Operationen einen anderen fachlichen Schwerpunkt. Die OP-Termi- ne werden in der zuweisenden Ambulanz eingeteilt.“ Am Tag vor der Operation wird jeder Patient persönlich verständigt und gebe- ten, pünktlich zum Termin zu erscheinen. „Das ist wichtig, damit niemand lange warten muss“, sagt Roswitha Gunhold.

DGKP Dagmar Botek, Bereichsleitung Ambulanzen und Tagesklinik, ergänzt: „Nach der

Operation geben wir jedem Patienten die Zeit, die er zur Erholung braucht. Niemand muss Angst haben, die Tagesklinik verlassen zu müssen, wenn er noch nicht fit genug ist.“ Üblicherweise steht die Tagesklinik den Patienten bis 17 Uhr zur Verfügung. „Sollte jemand länger zur Erholung brauchen, wird er an die entsprechende Station überwiesen. Das passiert aber selten“, weiß

Dagmar Botek.

Inzwischen ist Oberarzt Simon vom Patientengespräch zurück: „Es hat nur wenige Minuten gedauert, denn die junge Patientin hatte einen Infekt – da kann man natürlich nicht operieren. Aber die junge Frau hat einen neuen Termin bekommen.“


Effiziente Versorgung

Kürzere Wartezeiten, Zeitersparnis, weniger stationäre Klinikaufenthalte und eine schnellere Regeneration des Betroffenen, das sind nur einige Vorteile ei- ner Tagesklinik. Deshalb steigt auch die Nachfrage, weiß der Ärztliche Direk- tor Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich: „Das Angebot wurde von Anfang an überaus gut angenommen. Seit der Inbetriebnahme im April 2011 verzeichnet die Interdisziplinäre Tagesklinik stetig steigende Patienten- und Eingriffszah- len.“ Auch die Zufriedenheit der Patienten ist sehr hoch, das Team der Tages- klinik freue sich über viel positives Feedback.


Rasche Erholung

Anna M. ist inzwischen im Operationssaal. Nach 35 Minuten ist alles erledigt. Sie kommt gut versorgt und stabil aus dem OP-Bereich direkt zurück ins Zim- mer. Dort kann sie sich erholen, wird bei Schmerzen entsprechend versorgt und erst entlassen, wenn die Angehörigen sie abholen. Ihr geht es gut nach der Operation. „Es ging alles so schnell, ich hatte nicht mal ausreichend Ge- legenheit, es mir hier so richtig gemütlich zu machen“, scherzt sie. Denn na- türlich freut sie sich jetzt, dass ihre Tochter sie pünktlich um 14 Uhr abholt, ihre ungeöffnete Tasche nimmt und sie gut nachhause bringt.

Auch Erich S. ist von der Tagesklinik begeistert. Er hat sich vor kurzem seinen Grauen Star operieren lassen (Katarakt-OP). „Es war alles professionell durchgeplant. Ich war pünktlich um 10 Uhr hier. Die Vorbereitungen verliefen ohne große Hektik und die Operation selbst dauerte etwa 20 Minuten“, erin- nert sich der Patient. „Eine Stunde später durfte ich nach Hause. Meine Frau hat mich abgeholt und ich war froh, dass ich das Klinikum gleich wieder ver- lassen konnte.“ Die Vorteile der Interdisziplinären Tagesklinik liegen auf der Hand, sagt der stellvertretende ärztliche Direktor im Klinikum Baden-Mödling, Prim. Dr. Burghard Plainer: „An ein und demselben Tag aufgenommen, ope- riert und wieder entlassen werden – das steigert die Servicequalität und den Komfort für die Patienten. Sie können sich im gewohnten häuslichen Umfeld erholen, gleichzeitig geben wir ihnen die Sicherheit, die gesamte Infrastruktur des Klinikums nutzen zu können – und falls Komplikationen auftreten oder eine Entlassung nicht möglich ist, wird der stationäre Aufenthalt entsprechend verlängert.“


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2020