HÖREN

Der sensibelste Sinn

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Gerade junge Menschen leiden immer häufiger an eingeschränktem

Hörvermögen, scheuen sich jedoch davor, ein Hörgerät zu tragen. Dabei

verfügen diese Helfer heute über zahlreiche technische Features und steigern die Lebensqualität enorm.

Von all unseren fünf Sinnen ist der Hörsinn der Sensibelste, Leistungsfähigste und Genaueste: Immerhin macht es das Gehör möglich, zwischen 400.000 Tönen und zehn Oktaven zu unterscheiden. Und es reagiert auf Schallwellen im Frequenzbereich von 16 bis 20.000 Herz. So wichtig der Hörsinn ist, so komplex ist er auch: Alles, was das Ohr beim Hören aufnimmt, sind Schallwellen, also ein schwankender Luftdruck, der sich in der Ohrmuschel sammelt und anschließend in den Gehörgang und zum Trommelfell gelangt. So gerät dieses in Schwingung. Hinter dem Trommelfell liegen die kleinsten Knochen des Menschen, die nach ihrer Form benannten Gehörknöcheln Hammer, Amboss und Steigbügel. Eine Schwingung wird zuerst vom Hammer abgetastet, dann vom Amboss weitergeleitet und anschließend vom Steigbügel ins Innenohr übertragen. Im Innenohr liegt die Gehörschnecke, ein spiralig gewundener Knochenraum, der die wässrige Flüssigkeit Perilymphe enthält. Diese Flüssigkeit wird vom Steigbügel zusammengepresst. Dadurch entsteht eine Wanderwelle, die dann die Basilar-Membran und die mit ihr verbundenen Haarzellen erregt. Die Bewegung dieser Härchen wird in Nervenimpulse übersetzt. So entsteht der Höreindruck im Gehirn.


Immer mehr junge Schwerhörige

Dass Ohren einwandfrei funktionieren, ist gar nicht so selbstverständlich, denn jeder Teil von ihnen kann geschädigt werden. In Österreich leben etwa 9.000 gehörlose Menschen, rund 450.000 Personen sind von einer Hörbehinderung betroffen. Doch nicht nur ältere Personen leiden an Hörschädigungen oder Schwerhörigkeit – auch immer mehr junge Menschen haben damit Probleme. Laut einer Studie des New York City Department of Health berichtet jeder vierte New Yorker im Alter von 18 bis 44 Jahren von einem herabgesetzten Hörvermögen. Grund dafür sei, dass junge Erwachsene sehr häufig Kopfhörer bei hoher Lautstärke verwenden. Auch einen temporären Tinnitus, also ein Klingeln in den Ohren, haben viele Jugendliche schon einmal erlebt. Dieser tritt oft durch laute Musik, beispielsweise bei oder nach Konzerten, auf. Schützen kann man sich, indem man Ohrenstöpsel trägt.


Risiken für Hörverlust

Neben lautem Musikhören und dem Altern gibt es noch weitere Risiken für Schwerhörigkeit. So zeigte eine Studie der University of Manchester, dass Raucherinnen und Raucher ein 15 Prozent höheres Risiko für Hörverlust haben als Nichtraucher. Der Zusammenhang zwischen dem Rauchen und einer Schwerhörigkeit ist allerdings noch unklar. Bislang weiß man noch nicht, ob Giftstoffe im Zigarettenrauch das Gehör direkt beeinflussen, ob die durch das Rauchen verursachten Herz- und Gefäßerkrankungen zu der Hörminderung führen oder ob beides zutrifft.

Eine andere interessante Entdeckung haben Forscherinnen und Forscher des Medical Centers der Columbia University gemacht: Laut ihrer Studie haben übergewichtige Teenager eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, einen Hörverlust im Bereich der  niedrigen Frequenzen, also der tiefen Töne, zu entwickeln. Mit einem gesunden Körpergewicht und körperlicher Aktivität kann man Hörproblemen daher zusätzlich vorbeugen.


Hörschwäche erkennen

Eine Schwerhörigkeit kann von einem HNO-Arzt oder durch einen professionellen Hörtest bei einem Hörgeräteakustiker festgestellt werden. Bei Babys findet ein sogenanntes Neugeborenen-Hörscreening bereits 24 bis 48 Stunden nach der Geburt im Klinikum statt. Wenn das Kind diese Tests nicht besteht, folgt wenige Wochen später ein zweiter Hörtest. Das führt zu deutlich besseren therapeutischen Ergebnissen, als wenn die Schwerhörigkeit bei Kindern erst später erkannt wird. Eine Hörminderung bei älteren Personen entwickelt sich meist schleichend: Betroffene können den Gesprächen anderer in lärmvoller Umgebung nicht mehr folgen oder fragen öfter nach. Erst bei fortgeschrittener Hörminderung treten auch bei einfachen Gesprächen ohne Störgeräusche Schwierigkeiten beim Verstehen auf. Dann ist es an der Zeit, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.


Technik mit Verstand

Wenn sich der Verdacht einer deutlichen Hörminderung bestätigt, ist das kein Grund zur Verzweiflung: Mithilfe eines Hörgeräts können Betroffene wieder viel Lebensquali- tät zurückerlangen. Dabei muss niemand befürchten, negativ aufzufallen. Denn klobi- ge, unansehnliche und unangenehme Geräte gehören längst der Vergangenheit an. Im Gegenteil: Hörgeräte sind heute winzig klein, modern und passen sich automatisch an die verschiedensten Hörsituationen an. Zahlreiche technische Features, wie die di- rekte Anbindung an Handy, mp3-Player oder Fernsehapparat, erleichtern den Alltag zusätzlich. Die Modelle reichen von Im-Ohr-Hörgeräten bis hin zu Hinter-dem-Ohr- Hörgeräten. In einem Hörgerät-Fachgeschäft werden Sie zu dem Sortiment und allen namenhaften Herstellern ausführlich beraten, um das Gerät zu finden, das Sie wieder gut hören und verstehen lässt.


Michaela Neubauer

Mithilfe eines Hörgeräts

können Betroffene wieder viel Le- bensqualität zurück-erlangen.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019