FotoS: Daniela Führer

VORSORGE AKTIV

Ob Walken oder Radfahren: Sport ist aus Erika Waldums Leben nicht mehr wegzudenken.



„Es geht nicht um die  Kilos!“

Mit dem Programm »Vorsorge Aktiv« werden gute Vorsätze zur festen Gewohnheit. So klappt der Start in ein gesundes Jahr 2020.

Neues Jahr, neues Glück – für Erika Waldum könnte der Spruch nicht passender sein. Denn für die Frau aus Gedersdorf (Bezirk Krems) steht 2020 eine große Veränderung an: Mit Anfang des Jahres geht sie in Pension und kann sich endlich den Dingen widmen, die ihr wirklich wichtig sind. Den Startschuss in den neuen Lebensabschnitt gab ihr schon im Vorjahr das Programm »Vorsorge Aktiv«.


Aktiv und ständig unter Strom ist Erika Waldum schon immer: Sie arbeitet als Kindergartenbetreuerin, ist im Gemeinderat und neben- bei noch Arbeitskreisleiterin der „Gesunden Gemeinde“ Gedersdorf. Hinzu kommen zwei Hektar Landwirtschaft, ein Ehemann, vier Kinder und sieben Enkerl. Da verliert man sich schnell selbst aus den Augen: „30 Jahre lang bin ich regelmäßig turnen gegangen, doch dann machten mir zwei Verletzungen – ein Knöchelbruch und eine Fraktur der Schulterpfanne – einen Strich durch die Rech- nung. Wenn man einmal draußen ist, ist es wirklich schwierig, wieder reinzukommen. Also habe ich den Sport sein lassen“, erzählt sie.

Erst als ihre Tochter am Programm »Vorsorge Aktiv« teilnimmt und ihr davon vorschwärmt, entschließt sich Waldum, ihren Lebensstil zu ändern. Gemeinsam mit einigen Kolleginnen und anderen Teilnehmenden – darunter auch der Bürgermeister –  startet sie im Fe- bruar 2019 ins Programm. Die Gruppe trifft sich neun Monate lang einmal wöchentlich zu Einheiten in den Bereichen Ernährung, Be- wegung und mentale Gesundheit und sagt dem inneren Schweinehund den Kampf an.


Fit ohne Geräte

Ein besonderes Aha-Erlebnis hat Erika Waldum während der Sporteinheiten: „Für mich war es bedeutsam zu verstehen, dass man zum Muskelaufbau keine Geräte braucht oder ins Fitnessstudio gehen muss. Stattdessen kann man mit dem eigenen Körpergewicht trainieren und die Möglichkeiten nutzen, die man gerade hat.“ Beim Programm entdeckt die frischgebackene Pensionistin ihre Liebe zum Nordic Walking. Außerdem legt sie die täglichen Wege in die Arbeit oder in den Supermarkt mit dem Fahrrad zurück – „egal ob es stürmt oder schneit.“ Und im Sommer genießt sie das Schwimmen im Teich. „Sport ist mir enorm wichtig geworden“, sagt die Nie- derösterreicherin. Das zeigt auch ein Blick auf die Waage: Vier Kilogramm Fett sind bis jetzt gepurzelt,  zwei Kilogramm Muskelmas- se hat Erika Waldum dafür aufgebaut. „Am Anfang des Programms haben wir alle gedacht, unser einziges Ziel ist es, viel abzuneh-

men. Irgendwann ist mir dann aber klar geworden: Es geht gar nicht um die Kilos, sondern um den Körperbau und die Muskelmasse. Um ein gesundes und fittes Leben.“


Etiketten lesen

Auch in Sachen Ernährung hat Erika Waldum einiges dazugelernt. „Bei den Lebensmitteln habe ich immer schon genau darauf geschaut, woher sie kommen“, er- zählt sie. Im eigenen Nutzgarten baut sie allerlei Früch- te, Gemüse und Kräuter an, die in der Küche verwertet werden. Fleisch kommt bei Waldum maximal zweimal pro Woche auf den Teller. Sie kauft es beim Bauern aus der Region, damit sie genau weiß, wie die Tiere gehal- ten werden. Im Programm erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel über eine ausgewogene Ernährung. Bei Verkostungen und Kochkursen bekommen sie prak- tische Tipps für den Alltag und werden ermutigt, Neues auszuprobieren. „Außerdem wurde uns erklärt, dass wir Eiweiß brauchen, um Muskeln aufzubauen. Und zwar nicht nur tierisches Eiweiß, sondern vor allem pflanzli-

ches.“ Besonders interessant fand die Niederösterreicherin das gemein- same Einkaufen mit der Gruppe. „Wir haben gelernt, die Etiketten auf den Produkten aufmerksam zu lesen, damit wir keine versteckten Inhaltstoffe übersehen. Das war gar nicht so einfach“, schmunzelt sie.

Eine Sache hat Erika Waldum besonders positiv aufgenommen: »Vorsor- ge Aktiv« sei keine Diät, sondern nur ein Reduzieren dessen, was nicht gut tut. „Ich muss auf nichts komplett verzichten – auch nicht auf mein Marmeladebrot zum Frühstück. So gelingt die gesunde Ernährung lang- fristig und es kommt

zu keinem Jojo-Effekt.“


Offen für Neues

Auch die dritte Säule des Programms,

mentale Gesundheit, begeistert Waldum. „Zwar wusste ich zu Beginn nicht, was da auf mich zukommt, doch ich war offen für den psychologi- schen Teil“, erzählt sie. Besonders angetan haben es ihr die leisen Atem- übungen, die sie jederzeit in ihren Tag einbauen kann, zum Beispiel beim Frisör. „Das ist wirklich angenehm. Die Wartezeit vergeht damit wie im Flug und man hat das Gefühl, etwas für sich selbst zu tun.“ Auch das Thema Körpersprache interessiert sie so sehr, dass sie sich sogar ein

Buch darüber kauft. „Körpersprache sagt viel über das Gegenüber aus. So kann ich mich auf andere Menschen richtig gut einstellen.“

Im November endete das neunmonatige Programm mit einer Abschiedsparty. Abschied nehmen hieß es für Erika Waldum auch Ende Dezember – nämlich von ihrer Kinder- gartengruppe. Für sie beginnt der wohlverdiente Ruhes- tand. Ob sie darüber traurig ist? „Die Kinder werden mir zwar fehlen. Aber fad wird mir ganz sicher nicht!“, lacht sie. Im Gegenteil: Erika Waldum strotzt vor Tatendrang, hat viele Pläne für ihren neuen Lebensabschnitt: „Ich werde viel aufarbeiten, das ich bis jetzt immer aufgeschoben habe. Ich kann es kaum erwarten, viel Zeit für meine sieben Enkelkinder zu haben. Und ich freue mich riesig darauf, morgens schon nach dem Frühstück

Walken zu gehen.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 01/2020