augen

Foto: privat, istockphoto/ Sebastian Gorczowski, Zinkevych

Klare Sicht

Augenkrankheiten im Alter bleiben lange Zeit unbemerkt,

können unbehandelt aber zur Erblindung führen.

In der Regel leisten uns die Augen das gesamte Leben lang gute Dienste. Wenn die Sehkraft aber mit dem Älterwerden nach- lässt, das Buch beim Lesen immer weiter vom Gesicht weggehalten werden muss oder sogar das Autofahren beschwerlich wird, kann das verunsichern.


Altersweitsichtigkeit

Nicht automatisch ist es ein Grund zur Sorge, wenn die Augen nicht mehr gestochen scharfe Bilder liefern, beruhigt Doz. Dr. Christopher Kiss, Facharzt für Augenheilkunde: „Es ist völlig normal, dass das Alter auch vor den Augen nicht Halt macht. Zwi- schen dem 40. und 50. Lebensjahr verliert die Linse stark an Elastizität und ihre Fähigkeit, sich zu verdicken, nimmt ab. Die Fol- ge: die berühmte Altersweitsichtigkeit.“ Diese tritt bei jedem älteren Menschen auf und ist nicht als Augenkrankheit zu werten, betont Kiss. Abhilfe schafft eine Lese- beziehungsweise Gleitsichtbrille. Eine Altersweitsichtigkeit kann auch mit einer Linsen- operation behoben werden. Im Rahmen dieses Eingriffs ist es zudem möglich, bereits bestehende Dioptrien zu korrigieren.


Grauer Star

Weit verbreitet ist der Graue Star (Katarakt); weltweit ist die Eintrübung der Augenlinse die häufigste Ursache für Erblindung. „Streng genommen trübt sich die Linse ab Tag eins unseres Lebens ein“, gibt der Facharzt zu bedenken. Wie sehr diese Trübung ausge- prägt ist und wie schnell sie voranschreitet, hängt von diversen Faktoren ab: Neben ge- netischen Bedingungen zählen auch ein übertriebenes und ungeschütztes Aussetzen von Sonnen- und Infrarotstrahlung, Diabetes sowie eine langfristige Kortison-Therapie zu den Risikofaktoren. Klassische Symptome sind Schleier-Sehen, matte Wahrnehmung von Farben, starke Blendempfindlichkeit sowie generelle Sehverschlechterung. Behandelt wird der Graue Star ausschließlich operativ.


Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) tritt gehäuft ab dem 65. Lebensjahr auf, unbehandelt gehen 80 bis 90 Prozent des Sehvermögens verloren. Bei der AMD handelt es sich um eine Erkrankung der Netzhaut. Deren zentralen Bereich bezeichnet man als Makula.

Im späteren Verlauf der trockenen AMD werden gerade Linien als verzerrt oder ver- schwommen wahrgenommen. Im Endstadium bildet sich in der Mitte des Sehfeldes ein grauer Punkt, der mit der Zeit immer größer wird und es erschwert, Buchstaben, Gegen- stände oder Gesichter zu erkennen. „Gegen die trockene AMD gibt es leider nach wie vor keine Behandlungsmöglichkeiten“, wirft Kiss ein, rät jedoch – neben einer möglichst frühen Diagnostik – zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin A, C und E, Zink sowie Lutein-Zeaxanthin-Kombinationen. „Auch Omega-3-Fettsäuren sowie allgemein Antioxi- dantien sind wichtig, um das Auge mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.“ Die

feuchte AMD wiederum wird erfolgreich mit medikamentö- sen Injektionen therapiert.


Glaukom

Eine weitere häufige Augenerkrankung im Alter ist das Glau- kom (Grüner Star). Symptome treten erst dann auf, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist. „Bei einem Glaukom verengt sich mehr und mehr das Gesichtsfeld der Betroffe- nen“, erklärt der Arzt. „Oft wird dies erst bemerkt, wenn nur noch ein sogenannter Tunnelblick vorhanden ist.“ Im Gegen- satz zum Katarakt kann beim Glaukom die ursprüngliche Sehkraft nicht wiederhergestellt werden – was verloren ist, bleibt verloren. Unbehandelt führt ein Grüner Star zur Erblin- dung, betont Kiss. „Deshalb ist es umso wichtiger, ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig eine ausführliche Kontrolle bei der Augenärztin, beim Augenarzt durchführen zu lassen, in- klusive Überprüfung des Augendrucks.“


Manuel Simbürger

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020