Altersforschung

FotoS: Ludwig Schedl, Andreas Jopp, istockphoto: filadendron, skynesher

Länger jung bleiben

Wissen Sie eigentlich, dass es unterschiedliche Alterungstypen gibt? Und warum Sie mit

Biostoffen Ihre Gesundheit nicht nur erhalten, sondern Ihren Körper auch sanieren können?

Alle Menschen altern, so viel steht fest. Doch nicht alle altern gleich. Während sich die einen noch bis ins hohe Alter geistiger und körperlicher Fitness erfreuen, klagen andere bereits früh über Alterserscheinungen. Warum das so ist, von welchen Faktoren der Alte- rungsprozess abhängt und welchen Einfluss man darauf nehmen kann – damit befasst sich die Forschung seit langer Zeit und macht dabei immer wieder neue Entdeckungen. Jüngste Ergebnisse liefert eine Studie der Stanford University School of Medicine (siehe Infokasten Seite 49).

Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Obmann der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit, fasst ein Rezept, um dem Altern entgegenwirken zu können, prä- gnant in den „Fünf L“ zusammen – gemeint ist damit laufen, lernen, lieben, lachen und leicht essen. „Wer sich ausreichend bewegt, seine geistigen Fähigkeiten ein Leben lang benutzt und trainiert, in ein gutes soziales Netz eingebunden ist, über eine positive Grundeinstellung sowie ein gewisses Maß an heiterer Gelassenheit verfügt und sich zu- dem vernünftig ernährt, schweres Übergewicht vermeidet und nicht raucht, trägt schon viel dazu bei, Gesundheit und Wohlbefinden länger zu erhalten“, sagt der Internist und Obmann der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit.


Biomaschine Körper

Beim Thema, was gesunde und ausgewogene Ernährung überhaupt ist, herrscht oft Ver- wirrung. „Kein Wunder, jagt doch oft eine Modediät die nächste“, sagt Medizinjournalist Andreas Jopp. In seinem neuen Buch „ON/OFF Gesundheit“ liefert er Antworten. Im Mit- telpunkt: Biostoffe. „Jüngste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass man mit gesun- der Ernährung nicht nur fit bleibt und Krankheiten vorbeugen kann, sondern dass Biostof- fe es dem Körper ermöglichen, sich wesentlich besser zu reparieren bzw. zu sanieren“, sagt Jopp. Vitamine, Mineralien, Pflanzenstoffe und Omega-3-Fette – wer seinen Körper mit dieser Tankfüllung füttere, sorge unter anderem für mehr Gehirnleistung, ein schlag- kräftigeres Immunsystem, gesunde Gefäße und eine vielseitige Bakterienbevölkerung im Darm.

Jeder Mensch verfügt über eine eigene Biotech-Armee – das Immunsystem, das in Dau- erschleife Eindringlinge wie Viren, Bakterien, Pilze oder Krebszellen bekämpft. „Diese Ab- wehr funktioniert in direkter Abhängigkeit von Vitaminen, Spurenelementen und Pflanzen-

stoffen“, weiß Jopp. „Aus der Forschung wissen wir, dass bereits eine Portion Heidelbeeren unsere Killerzellen verdoppelt. Ein anderes Beispiel stammt aus Impfstudien, die belegen, dass Men- schen, die täglich fünf Portionen Obst und Gemü- se zu sich nehmen, um rund 80 Prozent mehr Anti- körper produzieren.“ Superfood für das Immunsys- tem: rote bis dunkelrote Beeren – neben Heidel- beeren auch Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren und Cranberry –, tiefgrünes Gemüse wie Rucola, alle Kohlsorten oder Brokkoli und Pilze. Wer auf grünes und rotes Obst und Gemüse setzt, unter- stützt auch den Zellschutz.


Ölwechsel angesagt!

Ein Billionen-Heer an Bakterien, Pilzen und Viren sorgt täglich für die Verarbeitung unserer Nahrung, die Versorgung unseres Gehirns mit Botenstoffen, die Kontrolle unserer Stimmung und vieles mehr – ohne diese Symbiose wären wir Menschen nicht lebensfähig. Diese und viele weitere Erkenntnisse liefert die Mikrobiom-Forschung. Angesiedelt im Darm lebt dieses Ökosystem aus unzähligen Or- ganismen – und will richtig versorgt werden. Je vielseitiger der ballaststoffreiche Menüplan, desto besser. Ein weiterer Vorteil: Ballaststoffe sorgen für den Abtransport von Cholesterin aus dem Darm

und leisten einen wertvollen Beitrag für gesunde Gefäße. Für verstopfte Gefäße sorgen vor allem gesättigte Fettsäuren – etwa aus Milchprodukten oder Wurstwaren. „Vor allem die feinen Gefäße, die ins Gehirn führen, werden durch diese Ernährung ver- klebt. In neun Studien mit über 23.000 Personen zeigte sich eine 87 Prozent höhere Alzheimer- und 40 Prozent höhere Demenz- häufigkeit bei hohem Verzehr von gesättigten Fetten“, warnt Jopp. Daher ist ein Ölwechsel von ungesunden auf ungesättigte Fette wie Omega-3-Fettsäuren angesagt. Neben Fisch liefert auch hier wieder der Superfood-Mix mit Neuroantioxidantien aus dunklem Blatt- und Kohlgemüse, Nüssen und Beeren den optimalen Gehirnschutz.


Claudia Sebunk

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2021