Infektionen

FotoS: Woman & health, istockphoto: miljko

Lästige Schmarotzer

Pilzinfektionen gehören zu den häufigsten Infektions- krankheiten der Welt. Auch wenn sie meist harmlos sind: Vernachlässigen sollte man sie trotzdem nicht.

Laut wissenschaftlichen Schätzungen erkranken weltweit zirka eine Milliarde Menschen jähr- lich an einer Pilzinfektion der Haut, Haare oder Nägel. Auch Dr. Julia Latzka bestätigt: „Zirka jeder sechste bis siebte Patient in meiner Ordination hat eine oberflächliche Mykose.“ Latz- ka ist Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten des Wiener interdisziplinären Ärzte- zentrums Woman & Health. Männer erkranken zwar etwas häufiger an einem Hautpilz, be- sonders anfällig sind jedoch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, wie zum Beispiel bei Diabetes mellitus oder Übergewicht. Bei Letztgenannten tritt der Hautpilz meist in den Hautfalten auf. Babys und Kleinkinder gehören ebenso zur Mykose-Risikogruppe, da deren Immunsystem oft noch nicht ausgereift ist. „Prinzipiell kann aber jeder Mensch eine Pilzinfektion bekommen“, betont Latzka. „Auch die genetische Disposition spielt eine gewis- se Rolle.“


Unterschiedliche Gesichter

Hautpilze werden in den meisten Fällen von Fadenpilzen (sogenannten Dermatophyten) hervorgerufen. Diese, erklärt Latzka, werden entweder durch direkten Kontakt mit infizierten Menschen oder Tieren, aber auch indirekt durch kontaminierte Gegenstände übertragen. Generell, betont die Fachärztin, kann ein Hautpilz überall am Körper auftreten. „Besonders prädestiniert sind allerdings jene Stellen, an denen es zu einem Feuchtigkeitsstau kommt, sprich: in den Zehenzwischenräumen, in der Leiste, unter der weiblichen Brust oder auch in den Achselhöhlen.“ Wichtig: Mykosen der freien Haut haben unterschiedlichste Gesichter. Häufig sind ringförmige, rote Flecken mit einem erhabenen und oft schuppendem Rand- saum. „Da der Herd im Zentrum abheilt und nach außen hin weiter wächst, entsteht eine ty- pische Ringform.“ Daher auch die Bezeichnung „Ringelflechte“. Das Spektrum weiterer Hauterscheinungen kann von schuppenden Stellen, leichter Rötung bis hin zu eitrig-absze- dierenden Entzündungen reichen. Juckreiz ist häufig, muss aber nicht auftreten.


Fuß- und Nagelpilz

Die am meist verbreitete Hautmykose ist der Fußpilz. „Einer von fünf Menschen leidet daran“, so die Ärztin. Die Übertragungs- wege sind bekannt: Besonders in Saunen, Schwimmbädern, öffentlichen Duschen, Umkleidekabinen oder auch auf Teppichen in Hotelzimmern vermehren sich Fußpilze in Windeseile. Auch viele Sportlerinnen und Sportler sind aufgrund des feuchten Mi- lieus der Sportschuhe davon betroffen. Häufig beginnt der Fußpilz zwischen der dritten und vierten Zehe und zeigt sich durch eine weißliche, aufgequollene Haut und kleine Hautrisse. Breitet sich die Mykose auf den gesamten Fuß aus, ist die Haut gerötet und schuppig, meist juckt sie. „Treten Bläschen an Ballen und Fußgewölbe auf, kann ein Fußpilz sehr schmerzhaft sein.“ Oft geht der Fußpilz in einen Nagelpilz über. Dieser ist leicht zu erkennen: Die Nägel sind leicht verdickt, bröckelig oder gelblich ver- färbt. In schweren Fällen kommt es zu einer Zerstörung des Nagels.


Opportunistische Infektionen

Zirka ein Viertel der Hautpilzerkrankungen werden durch Sprosspilze (Hefepilze) verursacht. Diese sind ein natürlicher Bestand- teil unserer Haut- und Schleimhautflora, betont die Fachärztin. „Erst wenn durch ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Schwankungen wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, aber auch durch Medikamente wie Antibiotika, Kortison oder die Anti- babypille das (Schleim-)Hautmilieu außer Balance gerät, kann sich der Hefepilz ungebremst vermehren und verursacht behand- lungsbedürftige Symptome. Man spricht dann von einer opportunistischen Infektion.“

Zu dieser Gruppe zählt auch die Kleienpilzflechte, die durch den Hefepilz Malassezia furfur ausgelöst wird und häufig bei Ju- gendlichen auftritt. Durch die verstärkte Talgdrüsenproduktion in der Pubertät und vor allem im feucht-warmen Klima kommt es an den Schultern oder auf der Brust zu einem vermehrten Wachstum des Pilzes. Typisch sind kleine hellbraune Flecken mit kleieartiger Schuppung, welche unter Sonnenbestrahlung weiß werden. „Kleienpilzflechte ist nicht ansteckend!“


Vaginalpilz

Zu den opportunistischen Pilzinfektionen gehört auch der Vaginalpilz. Eine Infektion äußert sich durch heftiges Jucken, Brennen und weißlich-dicken Ausfluss. „70 Prozent aller Frauen sind mindestens einmal im Leben von Vaginalpilz betroffen.“ Neben den oben genannten Risikofaktoren kann auch eine übertriebene Intimhygiene die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen. Übrigens: Pilze können auch an einer bakteriellen Scheideninfektion beteiligt sein.

„Oberflächliche Pilzinfektionen sind zwar lästig, aber in der Regel harmlos“, beruhigt Latzka. Dennoch sollten sie behandelt wer- den, da an den betroffenen Hautstellen Bakterien leichter eindringen können, was zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen kann. „Besonders der Pilz zwischen den Zehen stellt eine häufige Eintrittspforte für die Erreger des Rotlaufs dar!“ Bleibt ein Vaginalpilz unbehandelt, ist das Risiko einer Eileiter- und Gebärmutterentzündung signifi- kant erhöht. Vor jeder Behandlung sollte eine Pilzkultur abgenommen werden, betont die Expertin, da anhand des Befundes die Art des Hautpilzes sowie ein wirksames Antimykotikum bestimmt werden kann. „Antimykotika hemmen Pilze in ihrem Wachstum oder töten sie gänzlich ab“, erklärt Latzka. Diese werden in Form von Zäpfchen, Cremes, Nagellacken oder Shampoos ange- wandt. In schweren oder bei ausgedehnten Fällen ist eine orale Therapie notwendig. Bei Nagelpilz werden von Beginn an Ta- bletten verabreicht.  Als Alternative kommt auch eine Lasertherapie in Frage. Obwohl die Studienlage noch uneinheitlich ist, wird von Heilungsraten von bis zu 50 Prozent ausgegangen, sagt Latzka: „Die Lasertherapie ist eine interessante Alternative, insbe- sondere, wenn Tabletten aufgrund von Nebenwirkungen oder Begleiterkrankungen nicht gegeben werden können.“ Ein Vaginal- pilz wiederum wird mit Zäpfchen oder Tabletten behandelt. „Generell sollte man bei der Intimhygiene nur Wasser verwenden“, empfiehlt die Ärztin. Trotz erfolgreicher Therapie kann eine Vaginalmykose immer wieder auftreten. Dies gilt auch für alle ande- ren Pilzinfektionen.


Manuel Simbürger

erschienen in GESUND & LEBEN 01+02/2021