GEHIRNTRAINING

Fit im Kopf

Geistig frisch und rege bis ins hohe Alter: Mit einfachen Übungen für Gehirn und Körper bleibt das Denken in Schwung und die Merkfähigkeit wird verbessert.

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Das menschliche Gehirn ist unser Supercomputer: Nach neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaft arbeiten 86 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) in einem hochkomplexen Netzwerk. Die Neuronen sind miteinander über Synapsen verbunden, die unentwegt Signale über chemische Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, austauschen. Zu den bekanntesten Neurotransmittern zählen Serotonin und Dopamin, die als Glückshormone gelten. Das Gehirn arbeitet also permanent auf Hochtouren, damit wir unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln im Griff haben und den Alltag bewältigen können- .

Im Alter sinkt die Anzahl von Hirnzellen und die Dichte des Synapsen-Netzwerks verringert sich. Die Informationen zwischen den Nervenzellen werden langsamer übertragen, was wiederum zu einer Verlangsamung aller Informationsverarbeitenden Prozesse führt. Diese schlechter arbeitenden Verbindungen und die im Alter verminderte Bildung neuer Blutgefäße im Gehirn beeinträchtigt das Denk-, Lern- und Erinnerungsvermögen, aber auch die Motorik von älteren Menschen.


Hirn ist regenerationsfähig

Trotz dieser wenig ermunternden Fakten gibt es eine gute Nachricht: Täglich sterben zwar tausende Gehirnzellen ab, aber es bilden sich – wenn auch in geringerer Menge –

laufend neue Zellen. Im Hippocampus, einer Gehirnregion, die Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übernimmt sowie das Sexualverhalten, die Emotionen und sensorische Informationen steuert, bilden sich auch im höheren Alter aus Stammzellen neue Zellen. Die Bildung neuer Nervenzellen bezeichnet man das als Neurogenese. Sie spielt für das Beibehalten der geistigen Fähigkeiten eine große Rolle. Auf die Regenerationsfähigkeit des Gehirns setzt auch Stresscoach Brigitte Zadrobilek. In ihrem neuen Buch „Gehirntraining – Durch Bewegung produktiver denken und kreativer arbeiten“ stellt die Niederösterreicherin Übungen, sogenannte „Brainmoves“, für das Gehirn und den Körper vor, um die geistige Leistungsfähigkeit, die Konzentrationskraft und das Lernvermögen zu steigern. Die Wirtschaftstrainerin ist der Ansicht, dass regelmäßiges Üben die Lebensqualität im Alter verbessern kann: „Dank der enormen Flexibilität des Gehirns ist es uns möglich, Alterungsprozessen entgegenzuwirken.


Graue Zellen anregen

Eine 2014 durchgeführte US-amerikanische Studie stellte bei einer Gruppe 74-Jähriger, die über einen mehrwöchigen Zeitraum kognitives Training erhielten, nach zehn Jahren immer noch eine bessere Gedächtnis- und Verarbeitungsleistung fest als bei der nicht trainierten Vergleichsgruppe. „Neurowissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass gezieltes Gehirntraining das Arbeitsgedächtnis und die Lernfähigkeit verbessern, ebenso die Konzentration, das logische Denken sowie die Problemlösungsfähigkeit“, ist Brigitte Zadrobilek überzeugt. Die von ihr entwickelten Übungen sind nicht zeitaufwendig und können leicht in den Alltag eingebaut werden. So lässt sich auch die Übung „Crossover“ in nur einer Minute ausführen: Man hebt abwechselnd das linke und rechte Knie hoch und berührt gleichzeitig mit den Händen das gegenüberliegende Knie. Hintergrund der Übung ist, die linke und rechte Gehirnhälfte in Einklang zu bringen und den Gehirnstoffwechsel anzuregen. Übt man regelmäßig, sollen sich Konzentration, Merkfähigkeit, Kreativität und Wendigkeit im Denken erhöhen und der Alterungsprozess der grauen Zellen überdies verzögern (weitere Übungen im Kasten ).


In Bewegung kommen

Um geistig fit zu bleiben, spielt auch der Faktor Bewegung eine große Rolle. Gute Durchblutung stimuliert die Bildung neuer Nervenzellen und neuer Blutgefäße, was gerade im fortgeschrittenen Alter förderlich ist. Schon ein Spaziergang bei

normalem Schritttempo beeinflusst die geistige Leistungsfä- higkeit positiv. Für noch mehr Sauerstoffzufuhr sorgen Aus- dauersportarten wie Jogging, Nordic Walking, Wandern, Schwimmen oder Radfahren. Darüber hinaus empfiehlt die Autorin Bewegungsarten, die Koordination erfordern und damit das Gehirn trainieren – wie Tanzen, Zumba, Klettern, Aquafitness oder Jonglieren. Negativ wirkt sich hingegen Stress auf die Nervenzellen aus: „Stress blockiert unser Denken, lässt uns nervös, demotiviert, aggressiv und frus- triert werden. Durch Entspannung tanken wir wieder Kraft und regenerieren uns. In entspanntem Zustand pendelt sic- h das Gehirn zwischen Alpha- und mittleren Beta-Wellen ein, wo wir von angenehmen Emotionen begleitet werden und klarer denken können.“ Gerade in Zeiten steigender Ar- beitsbelastung und hohen Leistungsdrucks ist es umso wichtiger, regelmäßig kurze Pausen einzubauen, um kon- zentriert zu bleiben. Das können ein Blick aus dem Fenster, ein kurzer Spaziergang oder ein paar Gehirntrainings -Übungen sein, die stressresistenter machen und die Ner- venzellen unterstützen, die Denk- und Merkfähigkeit stei- gern und bis ins hohe Lebensjahren erhalten- .



Jacqueline Kacetl

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2019