IM GESPRÄCH

Vera Russwurm, Jahrgang 1959, startete nach der AHS-Matura ihre Karriere als „Tritsch-Tratsch-Girl“ beim ORF. Zahlreiche Hauptabendshows und Moderationen in Fernsehen und Radio folgten. Währenddessen studierte sie Medizin und promovierte 1988 erfolgreich zur „Dr. med.“ 1984 heiratete die Moderatorin ihren ORF-Kollegen Peter Hofbauer. Dieser ist heute als Fernseh- produzent, Leiter des Wiener Metropols, Musicalautor und Privatdozent tätig. Das Paar hat drei Töchter und betreibt die Firma

Hof-Power, die unter anderem Russwurms Talkshows „Vera“, „Primavera“, „Vera exklusiv“ und „Vera bei…“ produzierte.

Aktuell holt Russwurm bei ihrem Format „Vera“ Menschen vor die Kamera, die es geschafft haben, die Herausforderungen ihres Lebens zu bewältigen. Daneben unterstützt sie ehrenamtlich einige Organisationen, wie das Rote Kreuz oder die Krebshilfe. Für ihr Engagement wurde die Moderatorin und Autorin eines Ratgebers und Romans vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Romy.

Foto: zvg

„Das Schönste am Streiten ist die Versöhnung“

Im Juni feiert Vera Russwurm ihren 36. Hochzeitstag mit Ehemann Peter Hofbauer. Im Gespräch mit GESUND & LEBEN verrät die TV-Moderatorin das Geheimnis ihrer erfüllten Ehe.

Sie sind seit 36 Jahren verheiratet. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Hochzeit?

NOCH sind wir keine 36 Jahre verheiratet, allerdings ziemlich bald – aber selbst wenn‘s hundert Jahre wären, seine eigene Hochzeit vergisst man wohl nie. Meine Erinnerungen: ein herrlich ausgelassenes Fest mit knapp 200 Gästen, ein völlig zerrisse- ner Schleier, eine schier unglaubliche Braut-Entführung mit der Chance für die Braut, ein bisschen durchzuatmen, eine weiße Kutsche mit zwei Schimmeln, die im Schlamm steckenbleibt und die der Bräutigam im Stresemann persönlich anschiebt und, und, und ... Ich hab das Fest jedenfalls sehr genossen!


Den Antrag haben Sie Ihrem Mann gemacht? Wie kam es dazu?

Antrag? War wohl eher ein nachdrücklicher Vorschlag. Einer muss es doch tun.


Was macht Ihre Beziehung so stark? Und was ist das Geheimnis  einer langen Ehe?

Toleranz, Humor, gemeinsam viel zu lachen ist so wichtig – eigene Freiräume und berufliche Zufriedenheit auf beiden Seiten. Ich glaube, wenn nur einer der beiden Partner ein erfüllendes Berufsleben hat, dann kann‘s leicht zu einer Schieflage kommen. Au- ßerdem nicht zu vergessen: die Fähigkeit, sich beim anderen – wofür auch immer – entschuldigen zu können.


Ihr Mann meinte, Sie hätten ihn vom überzeugten Junggesellen zur Ehe konvertiert. Wie haben Sie das Ihrer Meinung nach geschafft?

Keine Ahnung. Das müssen Sie ihn fragen ...


Wie geben Sie und Ihr Ehemann einander Kraft bei zwei so anspruchsvollen Berufen?

Allein die Tatsache, geliebt zu werden, gibt sehr viel Kraft.


Wie haben Sie und Ihr Mann sich die Erziehung der Töchter aufgeteilt? Wie haben Sie es geschafft, Familie und Beruf zu vereinbaren?

Durch eine fast hundertprozentige Abgabe des Haushalts und durch eine sehr gute und straffe Organisation unseres Alltags: Wer holt wann wen ab, was kann ich auf dem Weg dorthin erledigen, gibt‘s vielleicht Wartezeiten, dann nehme ich mir etwas zum Arbeiten mit etc. Zudem hatte ich fast immer die Möglichkeit, mir meine Arbeitszeiten selbst einzuteilen, wodurch ich vorwiegend spätabends/nachts und am Vormittag meinen Job erledigt hab.


Jeder Mensch hat seine Marotten. Wie kommen Sie mit denen Ihres Mannes zurecht?

Da gibt‘s schon so einiges, das mich immer wieder auf die Palme bringt: Seine liebste „Marotte“ ist das Vergessen von so unwe- sentlichen Dingen wie Haustorschlüssel, Pass, Führerschein etc. Das war schon immer so und wird wohl immer so bleiben.


In 36 Jahren Ehe kann nicht immer alles rund gehen. Wie haben Sie größere und kleinere Krisen bewältigt?

Vor allem durch das Schönste am Streiten:

durch wunderbare Versöhnungen.


Welchen Tipp würden Sie jungen Paaren mit auf den Weg geben, die sich entschließen, zu heiraten?

Gar keinen. Das muss jede und jeder selbst herausfinden!



Theresa Adelmann

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2020