IM PORTRÄT

Zähl die schönen Stunden nur!

Der Schlossermeister Johann Jindra ist der einzige Sonnenuhrmacher in Österreich. Sein Betrieb ist seit fünf Generationen in Familienbesitz.

Johann Jindra baut Sonnenuhren in allen erdenklichen Ausführungen.

Johann Jindra baut Sonnenuhren in allen erdenklichen Ausführungen.

Um eine Sonnenuhr korrekt zu bauen, bedarf es viel Arbeit und Gehirnschmalz. Brigitte und Johann Jindra arbeiten gemeinsam im Familienbetrieb.

Um eine Sonnenuhr korrekt zu bauen, bedarf es viel Arbeit und Gehirnschmalz. Brigitte und Johann Jindra arbeiten gemeinsam im Familienbetrieb.

Um eine Sonnenuhr korrekt zu bauen, bedarf es viel Arbeit und Gehirnschmalz. Brigitte und Johann Jindra arbeiten gemeinsam im Familienbetrieb.

Um eine Sonnenuhr korrekt zu bauen, bedarf es viel Arbeit und Gehirnschmalz. Brigitte und Johann Jindra arbeiten gemeinsam im Familienbetrieb.

FotoS: nadja meister

Mit Familienbetrieben ist es oft so eine Sache: Vor allem heute wollen Kinder nicht immer das übernehmen, was die Eltern vor- gegeben haben und suchen andere Wege. Für den heute 48-jährigen Schlossermeister Johann Jindra aus Weiten im Waldvier- tel allerdings war es in seiner Jugend keine Frage, die seit Generationen in Familienbesitz befindliche Schlosserei weiterzufüh- ren und auch das von seinem Vater begründete „Zweitgeschäft“ des Sonnenuhrbauens mit eigener Leidenschaft weiterzuver- folgen. „Unseren Schlossereibetrieb gibt es seit 1858. Und vor 50 Jahren hat mein Vater aus persönlichem Interesse damit be- gonnen, auch Sonnenuhren herzustellen. Er studierte dafür viele alte Bücher und Skizzen und stellte eigene Berechnungen an. Für ihn dauerte es allerdings noch sieben Jahre, bis seine erste schmiedeeiserne Wanduhr funktionstüchtig war“, erzählt Jo- hann Jindra, der die Liebe zu den seit der Antike gebräuchlichen Chronometern wohl von seinem Vater „geerbt“ hat.


Lauter Unikate

Das für das Bauen von Sonnenuhren notwendige Wissen hat er sich ebenfalls von seinem alten

Herren weitergeben lassen. Er hat es nach seinen Interessen und seinem Gutdünken erweitert und verfeinert, heute baut er Stand- und Wandsonnenuhren in allen erdenklichen Ausführungen – sein Betrieb ist der einzige seiner Art in ganz Österreich. „Jede unserer Sonnenuhren ist ein Unikat. Und es sind vor allem nette und angenehme Zeitgenossen, die sich dafür interessie- ren, ein solches Stück als Zierde am Haus oder im Garten zu erwerben und dafür auch einen gewissen Preis zu zahlen“, lacht er. Er weiß nur zu gut, wie viel Arbeit und Gehirnschmalz dahinter steckt, eine Sonnenuhr korrekt zu bauen. Denn zur Berech- nung einer Wandsonnenuhr etwa muss er die genaue Lage des Hauses kennen, gemessen an Längen- und Breitengraden. Er muss den Abweichungswinkel der Wand genau feststellen, die Uhr nach der wahren Ortszeit berechnen und sie dann vor Ort installieren. „Die wahre Ortszeit hat nichts mit der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) zu tun, denn vom Sonnenstand her bestehen etwa zwischen Wien und Zermatt 38 Minuten Differenz. Arbeitet man bei der Anfertigung einer Sonnenuhr nur um einen Grad ungenau, so ergibt sich schon eine Differenz von acht Minuten“, erklärt er. Johann Jindra restauriert auch alte Stücke und muss sich dabei nicht selten mit falsch berechneten Sonnenuhren auseinandersetzen. Restauriert hat er etwa eine Sonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert im Schloss Trumau und einmal sogar eine aus 1571 in Straden in der Steiermark.


Professionell & umtriebig

Wichtig ist dem gestandenen Handwerker auch die Professionalität in allem, was er in Bezug auf Sonnenuhren macht. Das be- deutet oft Kooperation mit anderen Handwerkern oder Künstlern. „Ich bin kein Wunderwuzzi. Wenn eine Sonnenuhr vergoldet werden soll, so gebe ich sie dafür zum Vergolder. Sonnenuhrmalereien macht natürlich der Maler.“

Mit seiner außergewöhnlichen Handwerkskunst ist Johann Jindra in der ganzen Welt unterwegs. Die am weitesten entfernte Sonnenuhr aus seinem Betrieb steht in Kapstadt in Südafrika, die am höchsten gelegene auf 3.030 Metern neben dem Matter- horn in der Schweiz. Und seine Kunden und Interessenten werden immer mehr: Im Firmengelände gibt es die von Johann Jin- dra in Zusammenarbeit mit Fachleuten gestaltete Ausstellung „Sonne, Zeit & Ewigkeit“ zu sehen. Rund 4.000 Besucherinnen und Besucher zieht die Ausstellung, in der viel Wissenswertes rund um die Sonnenuhr gezeigt wird, jährlich an. Manch einem gefällt es dann auch im kleinen, aber feinen Sonnenuhrcafé. Hier sind unter anderem Fotos von einem Skitraining mit Marcel Hirscher oder von Leo Hillinger, der eine  Sonnenuhr von Johann Jindra hat, ausgestellt.


Immer erfinderisch

Massentourismus und Massenproduktion interessieren den Sonnenuhrbauer nicht: „Ich habe keinerlei Ambitionen, Sonnenuh- ren über einen Großhändler zu verkaufen. Der Betrieb ist und bleibt ein Familienbetrieb, und das Sonnenuhrbauen ist mittler- weile so weit entwickelt, dass es das Fortbestehen der Firma sichert.“ Erfinderisch ist und bleibt er als Unternehmer allemal. Seine Frau Brigitte, die auch die Buchhaltung macht, verkauft im angeschlossenen Geschäft auch hübsche Taschensonnenuh- ren und ausgefallene Dinge wie eine Whiskysonnenuhr mit Waldviertler Roggenwhisky oder eine Mohnkornsonnenuhr, gefüllt mit Edelbrand aus Roggen und Waldviertler Graumohn. Und es versteht sich von selbst, dass Brigitte Jindra überall mit an- packt – wie es sich für einen echten Familienbetrieb eben gehört.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019