SCHENKEN

Andreas Freudhofmayer, 33, eine Tochter (sechs Wochen) aus Oberkreuzstetten:

Seit sechs Wochen bin ich Vater von Hanna. Ich konnte mir vor ihrer Geburt nicht wirklich vorstellen, wie es ist, Vater zu sein. Dass es so schön ist, ein Baby zu haben. Es wird immer schöner! Wenn ich sehe, wie Hanna sich entwickelt und jetzt immer längere Wach- phasen hat. Natürlich haben sich meine Nächte sehr verändert: Seit Hanna da ist, habe ich nicht mehr durchgeschlafen. Schwierig ist es, wenn sie nachts schreit und wir nicht wissen, wie wir sie beruhigen können. Als Vater möchte ich, dass es Hanna immer gut geht. Dass wir ihr ein schönes Zuhause bereiten können. Am meisten genieße ich es, wenn Hanna auf meiner Brust liegt und wir auf der Couch gemeinsam relaxen.

Thomas Svejda, 43, eine Tochter (15), einen Sohn (12) aus Mautern an der Donau: Meine Ex-Frau und ich sind seit zwei Jahren ge- schieden. Die Kinder leben bei ihrer Mutter und sind meistens bei mir, wenn sie ihre Dienste als Krankenschwester hat. Mein Vater- sein hat sich seit der Trennung sehr verändert. Meine Kinder und ich verbringen weniger Zeit miteinander, erleben uns im ganz nor- malen Alltag weniger. Mir ist wichtig, dass die Kinder wissen: Ihr könnt jederzeit zu mir kommen. Ich bin immer für euch da, wenn ihr etwas braucht. Als getrennt lebender Vater ist es für mich vor allem schwierig, den Überblick über ihre schulischen Leistungen zu be- halten. Wenn man sich jeden Tag sieht, kriegt man da sicher mehr mit. Wir sehen uns zwar nicht mehr so viel wie früher, dafür ma- chen wir besonders schöne Sachen, genießen den gemeinsamen Urlaub und die Freizeit umso mehr.

Markus Mucha, 52, vier Söhne und zwei Töchter (zwischen 12 und 22) aus Kirchberg am Wagram: Als Vater sehe ich meine Rolle un- ter anderem darin, meinen Kindern die Möglichkeit zu geben, aus dem familiären Nest rauszufliegen. Dafür zu sorgen, dass ihnen Flügel wachsen, aber gleichzeitig da zu sein und sie zu schützen, wenn es notwendig ist. Man sagt ja, dass Väter tendenziell risiko- freudiger sind. Sie stehen unter dem Baum und ermutigen das Kind raufzuklettern. So ein Vater bin ich. Unser jüngster Sohn zum Beispiel ist handwerklich sehr geschickt. Kürzlich habe ich ihn mit der Elektromotorsäge werken lassen. Ich wusste, dass er das im Griff hat. Meine Frau wäre da vorsichtiger.

Gobert Auersperg, 63, zwei erwachsene Söhne, zwei erwachsene Töchter aus St. Aegyd am Neuwalde:

Ich denke, Vater sein ist eine große Verantwortung. Ich habe mich stets bemüht, als Vater die Familie zusammenzuhalten und meine Frau im richtigen Moment zu entlasten. Meine Frau hat in der Erziehung unserer vier Kinder sicher den Großteil gemacht. Ich habe am Abend nach der Arbeit und am Wochenende viel mitgeholfen. Die Vater-Sohn- und Vater-Tochter-Beziehungen sind einander ziemlich ähnlich, finde ich. Außer, dass ich mit den Söhnen in Sachen Sport oft unterwegs war.

FotoS:  zvg, FotoS:  zvg, Thomas Magyar

Auf Papa-Art

Ein guter Vater kopiert nicht die Mutter, sondern nimmt seine eigene Rolle in der Familie ein. Vor allem investiert er viel Zeit und Energie in die Beziehung zu seinem Kind.

Da lässt der Vater die Haube des Dreijährigen daheim liegen. Obwohl es draußen kalt und feucht ist! Zum Toben auf dem Spielplatz unter Papas Aufsicht muss sich die Tochter nicht umziehen. Auch wenn die gute Hose dabei kaputt gehen könnte! Noch schlimmer: Der Papa will mit dem Kind auf dem Fahrrad zur Schule. Im morgendlichen Stadtverkehr. Viel zu gefährlich! Väter machen Dinge an- ders. Nicht immer machen sie sie in den Augen der Mütter gut. „Zwischen Eltern gibt es deshalb oft Konflikte“, sagt Peter Ballnik, Psychotherapeut und Autor mehrerer Bücher zum Thema „Vater sein“. Die Mutter fühle sich häufig als Expertin und sei – zumindest zu Beginn – in vielen Fällen für den Vater der Schlüssel zum Kind. „Es ist aber wichtig, dass sie akzeptiert, dass der Vater die Dinge auf seine Weise macht.“ Sonst würden Väter, wenn sie laufend kritisiert und korrigiert werden, schnell die Freude an der Erziehungs- arbeit verlieren und sich zurückziehen. Und das wäre fatal.


Eigene Rolle einnehmen

Überhaupt seien unterschiedliche Zugänge beim Umgang mit dem Nachwuchs etwas Positives und für das Kind auf jeden Fall ein Gewinn. Der Vater müsse sich nicht an der Mutter orientieren, um seine Sache gut zu machen. Er nehme am besten seine eigene Rolle ein. Und die beschreibt Ballnik so: „Der Vater ist oft der, der dem Kind viel zutraut, er lässt das Kind hoch auf den Baum klet- tern. Er teilt seine Freude, seinen Stolz über das Kind auch anderen mit, und das Kind kommt dadurch zu dem, was es selber will.“ Ein Vater, der Freude an seinem Kind hat und ihm das auch vermittelt, könne es enorm beflügeln. „Man sieht das am Fußballplatz.

Wenn der Vater am Anfang nicht da ist und erst später zum Spiel kommt, steigert sich mit seinem Eintreffen plötzlich die Leistung des Kindes.“ Starr seien diese Zuschreibungen keineswegs, betont Ballnik, in vielen Familien würden sich die Rollen unter den Elternteilen auch verschieben. Dennoch: Eine grundsätzliche Tendenz sei in vielen Familien erkennbar.


Hobbys hintanstellen

Berufstätigen Vätern, die im Spannungsfeld von Familie, Arbeit und Hobbys stehen, empfiehlt Ballnik ein- dringlich, zeitaufwändige Hobbys eine Zeitlang hintanzustellen oder das Kind zum Beispiel zum Sporteln mitzunehmen. „In den ersten Jahren, bis das Kind acht, neun, zehn Jahre ist, passiert so viel. Das kann man nachher nicht mehr aufholen.“

Ohne bewusst Energie ins Familienleben zu investieren und Zeit mit dem eigenen Kind zu verbringen, sei es für den Vater nicht möglich, eine tragfähige Bindung zum Kind aufzubauen, sagt Ballnik. Der Psychothe- rapeut, der auch Seminare für Väter anbietet, nennt es Quantitätszeit, wenn das Kind einfach in der Gegen- wart des Vaters ist. Diese sei, neben der Qualitätszeit, für die Vater-Kind-Beziehung wesentlich. Eine Stun- de am Tag, drei bis vier Stunden am Wochenende seien dafür ein gutes Maß. „Das klingt viel“, gibt Ballnik zu. „Aber es geht nicht darum, immer aufregende Sachen zu unternehmen. Gemeinsam frühstücken oder Mittag essen zählen da schon dazu.“

Daneben stärken Erlebnisse die Vater-Kind-Beziehung. Das gemeinsame Tun stehe im Vordergrund, man

müsse nicht krampfhaft versuchen, dabei tiefgehende Gespräche zu führen. „Vater und Kind suchen sich etwas, was sie beide gerne machen. Sie verbringen einen Nachmittag, einen ganzen Tag oder auch mal eine Woche miteinander.“


Zuneigung zeigen

Dass Väter die Erziehungsarbeit nicht den Müttern überlassen, sei heute in vielen Familien selbstverständlich. „Natürlich gibt es da noch Luft nach oben. Man darf aber nicht übersehen, was sich schon alles verändert hat“, sagt Peter Ballnik. Väter heute haben etwa kein Problem damit, ihrem Kind Liebe und Zuneigung zu zeigen. Auch wenn sie es von ihren eigenen Vätern vielleicht anders erlebt haben. Körperkontakt sei dafür wichtig, meint Ballnik. „Das passiert bei den Vätern häufig im Tun, zum Beispiel beim Spielen mit Bau- steinen, wenn sich der Vater und die Tochter aneinander kuscheln. Oder beim Ins-Bett-Bringen und Gute-Nacht-Geschichte vorle- sen.“ Körperliche Nähe zwischen Vater und Kind könne wild und ruppig sein. „Beim miteinander Raufen lernen Kinder die lustvolle körperliche Auseinandersetzung, die zwar wild ist, aber niemanden verletzt.“ Ballnik rät Vätern, zu erspüren, was das Kind gerade gerne mag: Lieber kitzeln oder beim Vorlesen auf der Couch kuscheln?

Erziehen Väter ihre Töchter anders als ihre Söhne? Nein, meinten Väter, denen man für eine Studie genau diese Frage gestellt hat. „Man hat sie miteinander zeichnen und spielen lassen und gesehen, dass es doch gravierende Unterschiede gibt“, sagt Ballnik. Va- ter-Sohn-Beziehungen seien tendenziell objektbezogener, Vater und Sohn hätten sich vor allem über das unterhalten, was sie mach- ten. „Bei den Vater-Tochter-Beziehungen gab es mehr Blickkontakt und die Töchter erzählten mehr, zum Beispiel aus dem Kindergar- ten.“ Ob Tochter oder Sohn, Kleinkind oder Jugendlicher: Schlüssel zu einer gelungenen Vater-Kind-Beziehung sei die gemeinsame Zeit und die Bereitschaft, sich auf das Kind einzulassen. In der Pubertät gewinne das eine besondere Bedeutung, sagt Ballnik: „Da ist es wichtig, der Zurückweisung, die passieren kann, Stand zu halten und nicht die Flinte ins Korn zu werfen.“ Denn stabile Bezie- hungen sind die Basis für ein gesundes Erwachsenwerden.



Sandra Lobnig

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2019