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IM GESPRÄCh

Zur Person


LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf, Jahrgang 1972, ist Jurist, wurde 2009 Landesrat und ist in der NÖ Landesregierung derzeit zuständig für Energie, Landwirtschaft und die NÖ Kliniken.

Es lohnt sich zu kämpfen

Klimaschutz hat viel mit langfristigem Planen, vielen kleinen und größeren mutigen Zielen und Schritten zu tun – das erklärt LH-Stv. Dr. Stephan

Pernkopf im Gespräch mit GESUND&LEBEN.

Klimaschutz in Niederösterreich bedeutet … dass wir seit vielen Jahren konsequent handeln – während andere nur reden. Der Start- schuss für unsere Energiewende war die Entscheidung gegen das AKW Zwentendorf vor über 40 Jahren. Niederösterreich hat bereits im Jahr 2004 das erste Klimaprogramm verabschiedet. 2007 waren wir das erste Bundesland, das den Klimaschutz in der Landesver- fassung verankert hat, 352 Gemeinden sind bereits Klimabündnis- Gemeinden. Heute ist Niederösterreich ein Vorreiter, der zu interna-

tionalen Konferenzen eingeladen und von Arnold Schwarzenegger weltweit gelobt wird. Selbst der grüne Ministerpräsident Kretschmann aus Baden-Württemberg bezeichnet uns als Vorbild. Denn seit 2015 erzeugen wir 100 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie, also sicher und sauber aus Wind, Wasser, Biomasse und Sonnenkraft. Österreich liegt insgesamt bei 75 Prozent, wir sind also sehr weit voraus. 2009 hatten wir unser großes Energieziel vorgestellt, wir lagen damals bei 84 Pro- zent und viele haben an der Erreichbarkeit gezweifelt. Aber wir haben es geschafft, und seither wissen viele Menschen in un- serem Land: Es lohnt sich, gemeinsam für unsere Umwelt zu kämpfen.


Mancherorts wird der Klimanotstand ausgerufen … während wir schon lange handeln. Und das tun wir in vielen Berei- chen. Zum Beispiel: Seit Jahresbeginn hat kein neu gebautes Haus mehr eine Ölheizung und wir haben mit Dürnrohr heuer das letzte Kohlekraftwerk in NÖ geschlossen. Von Erich Kästner stammt das Zitat: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das nehme ich mir zu Herzen. Wir warten nicht auf internationale Konferenzen und setzen nicht auf Aktionismus, sondern wir packen an und handeln. Das hilft dem Klima, und da kann auch jeder ganz einfach mitmachen. Beim Einkauf zu regionalen Lebensmitteln greifen statt zu importierten Avocados und Mangos zum Beispiel, das hilft dem Klima und der Heimat. Oder eine Photovoltaik-Anlage installieren und so selber sauberen Strom produzieren. Jeder kann was tun!


Der Plan des Landes für den Klimaschutz ist … die Emissionen weiter zu senken. Schon heute haben wir die Treibhausga- se wieder auf den Stand von 1990 gesenkt, bei gleichzeitig stark steigender Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszuwachs. Seit 2005 sinken die Emissionen sogar, das heißt wir haben Wirtschaftswachstum und Emissionen entkoppelt. Im neuen Kli- ma- und Energiefahrplan wollen wir weiter CO2 einsparen, um 36 Prozent gegenüber 2005. Das ist sehr

ambitioniert, aber möglich, wenn alle mitziehen.


Klimaschutz bringt Chancen … weil wir durch konsequente Maßnahmen für die Umwelt auch 10.000 zusätzliche Arbeits- plätze schaffen können, sogenannte Green Jobs. 40.000 derartige Arbeitsplätze gibt es bereits. Wir wollen die Stromprodukti- on aus Photovoltaik verzehnfachen, weil Energie aus der Sonne die umweltfreundlichste Stromerzeugung ist. Die Strompro- duktion aus Windkraft wollen wir verdoppeln, indem wir die vorhandenen Windkraftanlagen erneuern.


Klimaschutz muss auf allen Ebenen gedacht werden … deshalb bieten wir durch das Klima- und Umweltschutz-Manifest zahlreiche Handlungsmöglichkeiten für die Gemeinden an. Maßnahmen, die in Summe enorme Mengen an Energie sparen werden. Denn jede Gemeinde weiß selbst am besten, wo sie ansetzen kann. Wir zeigen ihnen mit dem Manifest 18 konkrete Handlungsmöglichkeiten auf, die im Gemeinderat diskutiert und beschlossen werden können, zum Beispiel den Beitritt zum Klimabündnis oder den Umstieg von fossilen Heizsystemen auf erneuerbare Energie. Gemeinden können die Klimarelevanz aller Beschlüsse des Gemeinderats prüfen. Sie können das Potenzial für den Einsatz von Photovoltaik klären, bei Gemeinde- Veranstaltungen auf Einwegplastik verzichten sowie regionalen Produkten den Vorrang geben und vieles mehr.


Klimaschutz berührt die Menschen … das spüre ich in zahlreichen Gesprächen. Und das sieht man konkret daran, wie gut die Bevölkerung die vielen Angebote des Landes zum Energiesparen nutzt. Zum Beispiel gab es bereits über 200.000 Ener- gieberatungen durch die Energie- und Umweltagentur (eNu). 300.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich bereits aktiv am Klimaschutz, sie haben beispielsweise Photovoltaik-Anlagen installiert, ihr Haus gedämmt oder ein E-Auto gekauft. Das zeigt, wie viele Menschen bei uns Klimaschutz ernst nehmen und ihren Beitrag leisten. Der Erfolg: Die Treibhausgas-Emissio- nen der Privathaushalte in NÖ konnten um fast 40 Prozent reduziert werden. Das belegt, dass jede Maßnahme zum Klima- schutz zählt und dass wir auf allen Ebenen ansetzen müssen.


Jeder und jede sollte nach den eigenen Möglichkeiten zum Klimaschutz beitragen … weil wirklich jeder Schritt zählt, und sei er noch so klein. Ich kann nur jede und jeden ermutigen: Machen Sie mit, informieren Sie sich, nutzen Sie die Vorschläge, die Sie in GESUND&LEBEN finden und tragen Sie überall bei, wo es Ihnen möglich ist. Gemeinsam sind wir in der Lage, viel zu bewegen.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019