SCHLAGANFALL

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Schlaganfall – rasch handeln!

Woran erkennt man einen Schlaganfall? Und was ist zu tun, damit Betroffenen möglichst gut geholfen werden kann? Denn dann haben sie gute Chancen auf weitgehende Gesundheit.

In Österreich ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Etwa die Hälfte der Betroffenen bleibt mehr oder weniger behindert. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter: Vier von fünf Betroffenen sind älter als 60 Jahre. Aber auch bei jungen Erwachsenen und Kindern kann ein Schlaganfall vorkommen. Ein Schlaganfall ist die Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns: Durch ein Blutgerinnsel kommt es zu einer Verstop- fung eines Blutgefäßes (Hirninfarkt) oder eine Gehirnarterie platzt (Hirnblutung). Dadurch sterben Nervenzellen im Gehirn ab, weil sie zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe erhalten: Knapp zwei Millionen werden pro Minute zerstört. Die Bezeichnung „Schlaganfall“ be- deutet, dass das Geschehen schlagartig, also ganz plötzlich, passiert.


Schlaganfall erkennen

Der Schlaganfall erfordert sofortiges Handeln. Man erkennt ihn an sehr plötzlich auftretenden Ausfallserscheinungen wie Lähmungen und Sprachstörungen. Den Betroffenen fällt beispielsweise ohne Grund ein Arm herunter, sie haben Probleme beim Versuch, aufzu- stehen oder es zeigen sich Lähmungserscheinungen nach einem Sturz. Oft fällt es auch schwer, die richtigen

Wörter zu finden, Buchstaben werden verdreht oder Silben verwechselt. Oder sie haben Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verste- hen und können einfache Anweisungen nicht mehr befolgen. Das rasche Erkennen der Symptome eines Schlaganfalls kann den Un- terschied zwischen Genesung und Behinderung ausmachen. Ein Schlaganfall ist ein Notfall! Jetzt zählt nur die Zeit: Je schneller Be- troffene behandelt werden, desto besser sind die Chancen, den Schlaganfall zu überleben und Hirnzellen zu retten. Die magische Grenze für den Therapiebeginn liegt innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach den ersten Anzeichen. Sie können durch Ihr ra- sches Handeln Betroffenen helfen: Rufen Sie bei Verdacht auf Schlaganfall sofort die Rettung!


Die Therapie

In einer neurologischen Spezialabteilung (Stroke Unit) können Fachärztinnen und -ärzte die Ursache für die plötzliche Durchblutungsstörung feststellen und behandeln: Mittels Magnetresonanzuntersuchung (MRT) oder Computertomo- grafie (CT) wird festgestellt, ob es sich tatsächlich um einen Schlaganfall han- delt und um welche Form. Bei einer Verstopfung durch ein Blutgerinnsel kann dieses mit Medikamenten aufgelöst oder mittels Katheter herausgezogen wer- den. Ist die Ursache für den Schlaganfall eine Blutung durch das Platzen einer Arterie, kann durch eine Operation der Druck im Gehirn gesenkt werden. Ist die Behandlung erfolgreich, hat man gute Chancen ohne Einbußen an Leben- squalität wieder nach Hause gehen zu können. Diese Notfall-Therapien sind nur innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach Beginn der Symptome möglich. Bei späterer Behandlung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Aus- fallserscheinungen bestehen bleiben. Und es steigt die Gefahr für eine zusät- zliche Gehirnblutung.


Schlaganfall oder „Schlagerl“?

Bei einem „Schlagerl“ ist die Hirndurchblutung nur kurzfristig gestört. Es kommt wie beim Schlaganfall zu plötzlich auftretenden Ausfallserscheinungen. Der medizinische Ausdruck dafür ist transitorische ischämische Attacke (TIA). Die Ausfallserscheinungen bilden sich nach Minuten (manchmal erst nach Stunden) vollständig zurück. Trotzdem handelt es sich bei der TIA um einen medizinischen Notfall. Auf jeden Fall sofort die Rettung rufen (Tel.: 144)!

Ein „Schlagerl“ ist oft ein Vorbote eines Schlaganfalls. Jeder Zehnte mit einer TIA erleidet innerhalb der nächsten drei Monate einen weiteren Schlaganfall, die Hälfte davon bereits innerhalb von zwei Tagen. Wird der Patient umgehend behandelt, kann der drohende Schlaganfall verhindert werden.

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2019