GESUNDER SCHLAF

Müde bin ich, geh zur Ruh …

… schließe meine Augen zu. So leicht, wie es in dem alten Kinderlied klingt, ist Schlafen nicht immer. Die Spezialistinnen und Spezialisten im Landesklinikum Melk gehen Schlafstörungen auf den Grund.

In der Schlafambulanz des LK Melk bekommen Patientinnen und Patienten ihren Befund und eine Therapie-Empfehlung.

In der Schlafambulanz des LK Melk bekommen Patientinnen und Patienten ihren Befund und eine Therapie-Empfehlung.

In der Schlafambulanz des LK Melk bekommen Patientinnen und Patienten ihren Befund und eine Therapie-Empfehlung.

Dr. Johannes Lechner und sein Team überwachen im Schlaf-labor die  Körperfunktionen. So kann ein individuelles Schlafprofil erstellt werden.

Foto: istockphoto/ Romolo Tavani, illustration: istockphoto/ shutteratakan, FotoS: istockphoto/Avalon Studio, Chris Singer, zvg, istockphoto/ Bogdan Kurylo

Ein Viertel aller Österreicherinnen und Österreicher kann nachts nicht gut schlafen. Das weiß Oberarzt Dr. Johannes Lechner, der seit 2002 stellvertretender Leiter des Schlaflabors im Landesklinikum Melk ist. Ge- meinsam mit seinem Team erforscht und behandelt er Schlafstörungen.

„Patientinnen und Patienten, die zu uns kommen, klagen über starke Tagesmüdigkeit und schlechte Kon- zentrationsfähigkeit. Schlaf ist enorm wichtig für uns, denn er dient der Erholung und Entmüdung. Außer- dem verarbeiten wir beim Schlafen viel – auch emotional. Und wir können danach Lerninhalte besser wie- dergeben“, erklärt Lechner. Grundsätzlich unterscheide man zwischen organischen und psychischen Schlafstörungen. So können sich psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Persönlichkeits- störungen sowie Psychosen wesentlich auf die nächtliche Erholung auswirken. Die häufigsten organischen Schlafstörungen seien hingegen Atemprobleme, allen voran das Schlafapnoe-Syndrom. Dieses Problem führe Betroffene oft ins Schlaflabor. „Bei einer Schlafapnoe kommt es zu häufigen, mindestens zehn Sekun- den lang andauernden Atemstillständen während des Schlafs. Das ist nicht nur für die Partner der Patien- ten belastend, sondern auch für das Herz-Kreislauf-System. Meist haben die Betroffenen auch einen erhöh- ten Blutdruck“, sagt der Schlaf-Spezialist.


In guten Händen

Der erste Ansprechpartner bei Schlafstörungen ist in der Regel der Hausarzt, der die Ursache abklärt und wenn nötig eine Überweisung zum Lungenfacharzt stellt. Dort wird ein Vorscreening mit der sogenannten kardiorespiratorischen Polygraphie durchgeführt, eine Methode zur Diagnostik eines Schlafapnoe-Syn- droms. Sobald feststeht, dass die Patientin oder der Patient unter einer schlafbezogenen Atmungsstörung leidet, kann eine weiterführende Untersuchung, eine sogenannte Polysomnographie, im Schlaflabor ange- ordnet werden. „Mit dieser Technik werden die Körperfunktionen die ganze Nacht überwacht. So erstellen wir ein individuelles Schlafprofil“, erklärt Lechner.

Im Schlaflabor gibt es neun Einzelzimmer, in denen von Montag bis Freitag Untersuchungen durchgeführt werden. Die Patientinnen und Patienten kommen zwischen 14 und 17 Uhr und werden auf die nächtliche Untersuchung vorbereitet. Im Schlaf werden dann Hirnstrom (EEG), Herzrhythmus (EKG), Sauerstoffgehalt des Blutes, Körpertemperatur, Atemfluss und Atembewegungen, die Muskelspannung, Bein- und Augenbe- wegungen sowie die Körperlage gemessen. Am nächsten Morgen gehen die Patienten wieder nachhause und die Ärztinnen und Ärzte machen sich an die Auswertung des aufgenommenen Materials. Daraus stel- len sie in einem weiteren Schritt die Diagnose. Den Befund und eine Therapie-Empfehlung bekommen die Patienten dann in der Schlafambulanz.

„Unser Hauptziel ist, dass sich unsere Patientinnen und Patienten besser fühlen. Das gelingt meistens durch eine nächtliche Maskenbeatmung“,“, sagt der Arzt. Das sei jedoch nicht immer ganz einfach: „Man muss die Patienten wirklich ins Boot holen und ihnen erklären, warum diese Therapie essentiell ist.“ Eine Maske zu tragen sei die wirksamste Behandlung bei einer Schlafapnoe, meint Lechner, denn das

Syndrom verschlechtere sich mit zunehmendem Alter. Die nächtliche Beatmung lindert die Beschwerden der Patienten und wirkt sich somit positiv auf deren Wohlbefinden aus. Eine Schlafmaske pumpt Raumluft in die Atemwege. Dadurch verringern sich die Atemaussetzer, der Sauerstoffgehalt im Blut steigt und die Schlafqualität verbessert sich. Meist hört auch das Schnarchen auf.


Falscher Umgang mit Schlaf

„Die Behandlungsmöglichkeiten für Schlafstörungen sind heute vielfältiger denn je“, sagt Lechner. Nicht nur gebe es eine breite Palette an Masken für jede Gesichtsform, sodass diese nicht mehr individuell gefertigt werden müssen. Auch wisse man heu- te viel mehr über Schlafstörungen als früher und die Beat- mungsformen haben sich stark verbessert. Dennoch stecken nicht immer organische oder

psychische Störungen hinter schlechtem Schlaf, betont der Oberarzt: „Die Hauptursache für Tagesmüdigkeit ist nach wie vor Schlafmangel.“ Sieben bis acht Stunden Schlaf täglich, plus ein Powernap von 20 Minuten wären optimal. Dennoch sei der individuelle Schlafbedarf sehr unterschiedlich. Wichtig sei es, herauszufinden, wie viel Schlaf man braucht, um sich gut zu füh- len – und sich diese Stunden auch zu nehmen.


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2019