SONNE

Sonne mit System

foto: istockphoto/ bubaone

Die Sonne hat viele strahlende Seiten:

Sie spendet Lebenskraft, Freude und

hilft dem Körper, Vitamin D zu bilden,

das unsere Knochen stärkt.

Um die Vitamin-D-Bildung zu unterstützen, reichen drei Mal wöchentlich etwa zehn Minuten Sonne auf Händen, Armen und Gesicht. Wie bei vielen Arzneien gilt auch für die Sonne: Die Dosis macht das Gift. Denn ein Übermaß an Sonne kann zu Hautkrebs führen. In Österreich erkranken jährlich etwa 1.500 Menschen an einem Hauttumor.

Das ideale Ausmaß an Sonne richtet sich daher nach Hauttyp, nach Intensität der Sonneneinstrahlung und danach, wo man die Sonne gerade anbetet: Am Meer oder in den Bergen ist die Strahlung intensiver als beispielsweise im kühlen Wald. Wichtig ist in jedem Fall ein umfassender Sonnenschutz. Neueste Erkenntnisse zu Photoprotektoren hat der Dermatologe Thomas Schwarz 2018 in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammengefasst. Demnach bestehen drei Möglichkeiten, um Hautkrebs entgegenzuwirken: Einerseits sich erst gar nicht einer intensiven Sonnenbestrahlung auszusetzen. Andererseits kann man die Haut mit Sonnenschutzprodukten – auf chemischer oder physikalischer Basis – schützen. Und drittens tragen auch Textilien ganz wesentlich zum Schutz bei.


Ausreichend eincremen

Wer sich der Sonne aussetzt, kann auf Sonnencreme nicht verzichten. Das Problem dabei: Es wird zu wenig gecremt. Wissenschaftler raten, etwa zwei Milligramm pro

Quadratzentimeter Haut aufzutragen, das sind bei einem Erwachsenen etwa sechs Teelöffel. Doch wer misst schon so genau und wartet dann auch noch die empfohlenen 30 Minuten, bevor man die Sonne geht? Allerdings ist Sonnenschutz nur unter diesen Voraussetzungen wirksam. Und freilich muss nachgecremt werden, am besten alle zwei Stunden, denn nach dem Schwimmen ist der Sonnenschutz nahezu wirkungslos. Etwa 80 Prozent der Sonnencreme verschwindet beim Abtrocknen im Badetuch. Maßgeblich für den Lichtschutzfaktor sind der physikalische oder chemische Filter. Physikalische Filter bestehen aus Mineralien, die UV-Strahlen reflektieren und abweisen. Chemische Filter wandeln kurzwellige in ungefährliche langwellige Strahlung um. Moderne Sonnenschutzprodukte wirken dank einer Kombination.

Zum Auftragen des Sonnenschutzes gibt es eine goldene Regel: Im weißlichen Film steckt die Filterwirkung, Sonnenschutzcremes wirken daher nur, wenn sie auf die Haut aufgetragen werden und nicht, wenn sie in untere Hautschichten eingerubbelt werden.


Kleidung gegen Sonnenbrand

Textiler Sonnenschutz wie Kappe, T-Shirt oder eine entsprechende Beinkleidung sind gute Beschützer. Ins Freibad wird man sich so wohl nicht legen, doch die Sonne soll auch beim Spaziergehen, beim Stadtbummel oder beim Kaffeetrinken ein Genuss sein und nicht gefährden. Die Effektivität des Sonnenschutzes von Textilien richtet sich nach Farbe, Stoff und Webart des Kleidungsstückes. Dunkle, dicht gewebte Stoffe oder Synthetik schützen stärker vor schädlichen Strahlen als helle, leichte Baumwollkleidung. Ein klassisches weißes Baumwoll-T-Shirt lässt etwa 40 Prozent der UV-Strahlung hindurch, engmaschige Materialien oder Chemiefasern lassen kaum UV- Strahlung durch und bieten daher einen besseren Schutz als locker gewebte Baumwolle.

Ihre Schutzfunktion büßen Textilien beim oftmaligen Waschen ein – oder wenn sie nass sind. Dermatologe Thomas Schwarz verweist auf eine Untersuchung, die zeigt, dass eine dunkle Denim- Jeans einen Lichtschutzfaktor von ca. 50 aufweist, ein leichtes Seidentuch hingegen gerade mal LSF 5 hat. In Österreich ist die Kennzeichnung genau geregelt: Textilien, die der ÖNORM EN 13758-1 entsprechen, weisen einen Lichtschutzfaktor von etwa 40 auf. Beim Ergründen archäologischer Fundstätten oder auch beim Stadtbummel sollten auch Kopf, Ohren und der Nackenbereich geschützt sein. Kappen mit Schirm oder Hüte mit Krempen sind dafür ideal. Überall, wo die Sonne dennoch hinbrennen könnte, sollte Sonnencreme sorgfältig aufgetragen werden. Sonnenbrillen sind glücklicherweise nicht nur ein modisches Accessoire, sondern schützen, wenn sie der „ÖNORM EN 1836“ entsprechen, auch die Augen.



Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019