HORMONE

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Hormone: Die Lösung für Wechselprobleme?

Jede Frau ist anders, ihr Körper auch. So erlebt auch jede Frau die Wechseljahre verschieden. Manche klagen über Hitzewal- lungen, Herzrasen oder Schlafstörungen, andere haben keinerlei Beschwerden.

Ein Drittel aller Frauen im Wechsel kennt Symptome, die ihre Lebensqualität schmälern können: Nervosität, innere Unruhe und Herz- rasen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Hitzewallungen, Haarausfall, Hautveränderungen sowie Gewichtszunahme oder Stimmungs- schwankungen. Generell beginnen die Eierstöcke ab etwa dem 40. Lebensjahr ihre Hormonproduktion umzustellen – ein Vorgang, der von der Gehirnanhangsdrüse (Hypophyse) gesteuert wird. Erst sinkt der Progesteron-, dann der Östrogenspiegel, das bleibt zu- nächst meist ohne Anzeichen. Die Zeit vom Auftreten der ersten Symptome bis zum „Herunterfahren“ der Hormonproduktion be- zeichnet man als Wechseljahre. Sie verlaufen über Jahre in verschiedenen Phasen ab. In seltenen Fällen (ungefähr ein bis vier Pro- zent) erleben Frauen die Wechseljahre schon zwischen 30 und 40. Ursachen dafür können genetische Faktoren sein, wie eine ange- borene Fehlfunktion der Eierstöcke, Erkrankungen wie Morbus Crohn oder infolge einer Strahlen- oder Chemotherapie.


Hormonersatztherapie?

Wechseljahre sind zwar keine Krankheit, doch manche Frauen erleben die Hormonumstel-lung als äußerst unangenehm und sind in ihrer Lebensqualität enorm eingeschränkt. Eine Behandlungsmöglichkeit dieser Beschwerden ist die Hormonersatztherapie (HET, HRT „hormone replacement therapy“). Sie ist eine ursächliche (kausale) Therapie, das heißt, sie mildert die Beschwerden, kann aber den Verlauf der Wechseljahre nicht verzögern. Nicht jede Frau braucht eine derartige Therapie, diese individuelle Entscheidung soll- te gemeinsam mit einem erfahrenen Gynäkologen getroffen werden. Wie jede Therapie hat auch die Hormonersatztherapie Vor- und Nachteile: Jede Hormontherapie sollte mit möglichst niedrigen Dosen und über eine möglichst kurze Zeit erfolgen. Dabei ist das „Window of opportunity“ entscheidend, also das Zeitfenster, in dem es möglich ist, im richtigen

Moment mit der richtigen Dosierung Hormone sowohl präventiv als auch therapeutisch erfolg-reich zu beginnen. Je später mit einer Hormonersatztherapie begonnen wird, umso weniger effizient kann den Beschwerden vorgebeugt oder können diese therapiert werden.

Viele Frauen, für die eine Hormonersatztherapie in Frage kommt, haben jedoch Bedenken bzw. Angst, infolge der Therapie an Krebs zu erkranken. Laut aktuellem Wissensstand führt eine Kombinationstherapie aus Östrogen und Gestagen zu keiner oder zu einer nur geringen Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Das geringe Risiko ist von der Zusammensetzung der Hormonersatztherapie und von der Behandlungsdauer abhängig. Keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos zeigt die alleinige Östrogengabe. Eine alleinige Östrogenthera- pie ohne Gestagen für einen längeren Zeitraum ist allerdings ein Risikofaktor für das Auftreten einer Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut.

Andererseits gibt es Frauen, für die eine Hormonersatztherapie nicht in Frage kommt. So etwa Frauen nach einem Herzinfarkt oder wenn sie an hormonabhängigen Tumoren (Brustkrebs) leiden, wenn sie ein familiäres Brustkrebsrisiko haben oder nach thromboem- bolischen Erkrankungen, wie beispielsweise Gefäßverschlüssen. Aber auch für diese Frauen gibt es Alternativen: So etwa kann eine Therapie mit Heilpflanzen Abhilfe schaffen. Isoflavone und Traubensilberkerzen-Präparate können bei krampfartigen Beschwerden angewendet werden. Darüber hinaus bieten therapeutische Maßnahmen wie Akupunktur oder Hypnotherapie gute Alternativen.


Die Therapieschritte

Jede Hormonersatztherapie beginnt mit einer Blutuntersuchung, bei der Blutzucker, Leber- und Blutfettwerte sowie der Blutdruck kontrolliert werden. Eine aktuelle Mammographie gibt Aufschluss über mögliche Krebsrisiken. Die Therapie beginnt in einer niedrigen Dosie-rung, dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Die der Monotherapie, bei der ausschließlich Öst-rogene oder Gestagen alleine einge- setzt werden. Eine Östrogen-Monotherapie wird Frau-en empfohlen, deren Gebärmutter entfernt wurde. Die zweite Möglichkeit ist eine Kombi-nationstherapie, dabei werden Östrogen und Gestagen kombiniert. Entweder in zyklischer Form, sodass eine Blutung eintritt oder in kontinuierlicher Gabe, wodurch keine Blutung eintreten sollte. Eine Hormonersatztherapie kann die eigene Hormonpro- duktion zwar nicht wieder ankurbeln, doch die körperidenten Hormone tragen dazu bei, dass sich die

typischen Wechseljahres-Beschwerden bessern. Die Wirkung setzt üblicherweise nach ein bis zwei Monaten ein. Meist wird die The- rapie mit Tabletten durchgeführt, auch Pflaster, Gels oder Spritzen sind mögliche Anwendungen.


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020