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IM GESPRÄCH

Matthias Steiner, Jahrgang 1982, wächst in Obersulz im Weinviertel auf, wo er auch heute wieder mit seiner Frau Inge und den Kindern Felix und Max lebt. Ei- nen Tag vor seinem 18. Geburtstag wird beim gelernten Gas-, Wasser- und Hei- zungsinstallateur Diabetes Typ 1 diagnostiziert, eine Auto-Immunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem fehlgeleitet wird und die insulinproduzierenden Zel- len der Bauchspeicheldrüse für immer zerstört. Auslöser war eine vorangegange- ne Grippe. Seither muss er permanent seinen Blutzucker messen und – wann im- mer er etwas Kohlenhydrathaltiges isst – Insulin spritzen. Trotzdem erringt der heute 37-Jährige in seinem Leistungssport Gewichtheben zahlreiche Erfolge, zum Beispiel drei österreichische Meistertitel. Herausragend sind natürlich die Olympischen Spiele 2008 in Peking, wo der Superschwergewichtler für Deutsch- land mit 203 km im Reißen und 258 kg im Stoßen Gold holt.  Zudem ist er Europa- und Weltmeister. 2013 beendet der Ausnahmeathlet seine Sportlaufbahn. Heute ist Steiner sowohl Fernsehstar als auch erfolgreicher Unternehmer im Bereich Er- nährung und Bewegung. Er wiegt in seiner aktiven Zeit 150 kg, nimmt 45 kg ab und schreibt darüber mit seiner Frau zwei Bestseller: „Das Steiner Prinzip – Vom Schwergewicht zum Wohlfühl-Ich“ und „Das Steiner-Prinzip – Dein 12-Wochen- Plan“, als Online-Programm auf www.steinerprinzip.com. Er hält viele Vorträge und Lesungen. Aktuell arbeitet er mit Hochdruck an der Markteinführung seiner eigens entwickelten Low-Carb-Brote und -Brötchen.

Informationen: www.steinerfood.com

Immer wieder aufstehen

Matthias Steiner ist Olympiasieger im Gewichtheben, und das trotz Diabetes Typ 1.  Für seinen Erfolg musste der Ausnah- meathlet nach Querelen mit dem österreichischen Gewichtheber-Verband seine geliebte Heimat verlassen und Deutscher werden. Nach seiner Profikarriere hat er 45 Kilo abgenommen – und hält das Gewicht seither.

Veränderung bedeutet … zunächst immer etwas Neues, aber auch viel Ungewissheit, Aufregung, ja zum Teil sogar Angst. Und dann macht es auch noch einen Unterschied, ob ich die Veränderung selbst gewählt habe oder ob diese von außen kommt. Kam sie von außen, so wie bei mir zum Beispiel mein Typ-1-Diabetes, dann muss ich diese Veränderung zunächst unbedingt akzeptieren, denn nur so kann ich Positives daraus schöpfen. Nur wer akzeptiert, kann den nächsten Schritt gehen.


Sich selbst zu verändern bedeutet … eine bewusste Entscheidung zu treffen und auch Mut zu haben. Ich muss mir dazu schon vor der Veränderung Gedanken machen, welchen Weg gehe ich, welche Hindernisse können kommen, wie kann ich diese bewältigen.


Ziele erreicht man, indem … man sich ein Ziel setzt, das erstens realistisch ist und zweitens so emotional ist, dass es mir weh tut, wenn ich es nicht erreiche.


Mit Rückschlägen muss man rechnen, weil … im Leben eben nicht alles immer glatt läuft. Rückschläge machen einen immer stär- ker, auch wenn man es sich in dem Moment erst einmal nicht vorstellen kann. Und sie lassen mich auch zukünftig Fehler vermeiden.


Immer wieder aufstehen … heißt nie liegen bleiben. Denn ob man liegen bleibt oder aufsteht, die aktuelle Situation bleibt erst ein- mal die gleiche. Veränderung schaffe ich nur durch aufstehen.


Exzellente Leistungen erreicht man … indem man sich Ziele setzt. Dadurch habe ich etwas, worauf ich mich fokussieren und hinar- beiten kann.


Mein bester Tipp für erfolgreiche Veränderungen … ist, sich klarzumachen: Wer sich immer alle Türen offenlässt, wird sein Leben auf dem Flur verbringen! Also nur durch eine Tür gehen, aber dies dann bewusst. Der Rest funktioniert dann wieder über klar ge- steckte Ziele und Freude an dem, was man tut.


Das Wichtigste im Umgang mit dem eigenen Körper ist … auf ihn rechtzeitig zu hören. Ehrlich zu sich selbst zu sein und zuzuge- ben: Was tut mir gut und was weniger. In jeder Hinsicht. Wenn ich merke, etwas tut meinem Körper nicht gut, Stress oder bestimmte Lebensmittel, dann sollte ich an meinem Verhalten etwas ändern, denn sonst macht der Körper irgendwann schlapp.


Das Wichtigste, um sich zu verändern, ist … den ersten Schritt zu wagen.


Das Wichtigste für ein glückliches Leben ist … Leidenschaft und Freude. Und so oft es geht lächeln.



Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN 01/2020